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Vor dem Kreisverbandstag
Bauern verstehen sich als Arbeitgeber in Elbe-Elster und wollen ein solcher bleiben

Die Milchproduzenten in Elbe-Elster haben eine lange Durststrecke hinter sich. Im Vorjahr „normalisierten“ sich die Preise, aber jetzt sind sie schon wieder im Sinken begriffen. Auch die Schweineproduktion bringt kaum was ein. Und die Getreidepreise stagnieren. Vielen Betrieben fehlt ein finanzielles Polster. Schlägt jetzt womöglich noch die Afrikanische Schweinepest ins Kontor, müssen einige Landwirte ernsthaft um ihre Existenz bangen.
Die Milchproduzenten in Elbe-Elster haben eine lange Durststrecke hinter sich. Im Vorjahr „normalisierten“ sich die Preise, aber jetzt sind sie schon wieder im Sinken begriffen. Auch die Schweineproduktion bringt kaum was ein. Und die Getreidepreise stagnieren. Vielen Betrieben fehlt ein finanzielles Polster. Schlägt jetzt womöglich noch die Afrikanische Schweinepest ins Kontor, müssen einige Landwirte ernsthaft um ihre Existenz bangen. FOTO: Rainer Jensen / dpa
Herzberg. Politische Rahmenbedingungen machen es ihnen allerdings immer schwerer, dafür ausreichend Geld zu verdienen. Von Sylvia Kunze

Für Michael Lehmann, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Elbe-Elster, steht fest: „Wir wollen nicht jammern, wir wollen nur auf unsere Probleme aufmerksam machen, damit der Berufsstand eine Perspektive hat.“ Verbandsvorsitzender Dorsten Höhne ergänzt: „Die Landwirtschaft ist in unserer Region der größte Arbeitgeber. Das soll auch so bleiben. Zumal die Landwirtschaft noch mehr ist. Sie ist außerdem Lebensmittelproduzent, sie ist Landschaftspfleger, Natur- und Wasserschützer.“ Dass Andere oftmals das Gegenteil behaupten und „in den Medien eine Sau nach der anderen durchs Dorf treiben, was uns Bauern immer wieder aufs Neue schadet“, wurmt ihn massiv.

„Der Boden und die Tiere sind das Kapital unserer Betriebe. Also gehen sie pfleglich damit um“, versichert Lehmann. „Nachhaltiges Wirtschaften, das heißt ökonomisch gut, ökologisch sauber und sozial verträglich zu produzieren“, beschreibt Höhne, welchen Ansprüchen sich die EE-Landwirte tagtäglich aufs Neue stellen wollen.

Die verfolgen aktuell einmal wieder sehr intensiv die Entwicklungen in der „großen Politik“. Wo fährt der Zug hin?, fragen sie sich. Mit welchen Überraschungen kommen die neuen Verantwortungsträger diesmal um die Ecke? Welchen Stellenwert hat zukünftig Landwirtschaft? Nur eins scheint bereits gewiss: „Es gibt schon seit Jahren keine Sicherheit mehr. Was heute gilt, gilt morgen oftmals leider lange nicht mehr“, beklagt Lehmann ein Hin und Her in den Verordnungen, Bestimmungen und in der Fördermittelpolitik auf Landes,- Bundes- und EU-Ebene.

Das weitaus größere bzw. das sich in gewisser Form daraus ergebende Problem bestehe darin, heutzutage noch mit Landwirtschaft Geld zu verdienen, verdeutlicht Höhne. Dabei gehe es nicht um die große Kohle, wie immer wieder unterstellt werde, sondern um das ganz normale Auskommen der Betriebe, damit sie ihren Beschäftigten angemessene Löhne bezahlen und perspektivisch weiter investieren können. Aber davon seien die meisten landwirtschaftlichen Unternehmen in Elbe-Elster, so der Verbandsvorsitzende weiter, derzeit weit weg. „Die Milchpreise sinken. Die Schweinepreise kommen gerade zögerlich aus einem Tal. Die Getreidepreise stagnieren. Momentan kann man in keinem landwirtschaftlichen Bereich Geld verdienen“, konstatiert Dorsten Höhne. „Voriges Jahr war bilanziell zwar ein besseres Jahr, aber wir schleppen noch die Verluste der Vorjahre mit und können deshalb längst nicht aufatmen“, sagt er.

Selbst wenn sich alle Mitgliedsbetriebe des Verbandes momentan auf relativ gutem Invest-Stand befänden, würden die Anforderungen doch stetig steigen und weiteren finanziellen Einsatz abfordern. Bestes Beispiel: die neue Düngemittelverordnung. Die ist in den Augen der Landwirte nicht nur massiv restriktiv, sie habe außerdem fachliche Mängel und nötige zum Schaffen weiterer Lagerkapazitäten für Gülle, was vielen Betrieben aus Kostengründen schwerfallen werde. „Politik, egal auf welchen Ebenen, bezieht da zu wenig Stellung“, fühlt sich Höhne als Verbandschef der EE-Bauern alleingelassen.

Und dann noch die Angst vor der Afrikanischen Schweinepest im Nacken. „Wenn sie uns hier trifft, werden die wirtschaftlichen Folgen enorm sein, dann sind die Existenzen unserer Betriebe bedroht“, benennt der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Elbe-Elster die zu befürchtenden Konsequenzen. Inwieweit Landwirtschaft dann noch großer Arbeitgeber sein würde, stünde in den Sternen.

Über solche Themen soll beim anstehenden Verbandstag gesprochen werden. Es ist ein „Kleiner“, wie Dorsten Höhne meint. Soll heißen: „Auf all zu große Prominenz unter den Gästen haben wir in diesem Jahr verzichtet.“ Über den Weg Kreisverbandstag und Landesverbandstag sollen die Sorgen und Forderungen der hiesigen Landwirte dann anderweitig an die Politik herangetragen werden, sind sich alle einig.