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Bands aus dem Elbe-Elster-Kreis Energie-Essenz aus Punk und Pop

Herzberg.. Seit knapp einem Jahr gibt es die Herzberger Band „30 Watt“ erst. Mit ihrer Spielfreude haben die drei Jungs aber schon eine Eigenständigkeit entwickelt, nach der viele andere noch suchen. Sie spielen Hamburger Deutschrock, eine Musikrichtung, die von Bands wie „Tocotronic“ und „Tomte“ geprägt wurde. Rock? Das wäre zu eng gefasst. Auch Pop, Punk, Funk tragen die nachdenklichen bis knalligen Texte. Und immer sind ein messerscharfes Schlagzeug, filigrane bis deftige Gitarren-Arbeit und ein Bass am Werk, der manchmal feine Strukturen zaubert, manchmal so dick aufträgt, dass die Wände wackeln. Von Frank Muscheid

Frei nach dem Motto „keine halben Sachen“ wollen die Jungs von „30 Watt“ jetzt auch unter scharfer Konkurrenz zeigen, was sie drauf haben. Deswegen haben sie kräftig geprobt und es dann beim Bandwettbewerb „Jugend rockt“ in Harry's Corner in Freileben richtig krachen lassen. Dort spielten sie vor 300 Fans und erreichten den 3. Platz. Beim „Schooljam“ in der Moritzbastei Leipzig am 6. Feburar werden sie sich rund 1000 Zuhörern stellen.
Einen Ort zum Proben haben die musikalischen Energieerzeuger bei der Oma von Alexander Günther, Sänger und Gitarrist der Combo, gefunden. Direkt unter dem Dach probieren sie ihre inzwischen 30 Songs aus und lassen sich immer wieder etwas Neues einfallen. Vorteil dabei: die ganz unterschiedlichen Geschmäcker der Bandmitglieder. Eingängige Melodien, die nie zu konstruiert wirken, sondern immer knackig und aus dem Bauch heraus, beherrschen die Verstärker.
Die RUNDSCHAU war bei einer Probe dabei. Alexander Günther (16, Gesang, Gitarre, Tocotronic- und Sportfreunde-Stiller-Fan) spielt seit zwei Jahren Gitarre. „Ich bin durch meinen Cousin zum Gitarrenspielen gekommen“ , offenbart er. „Er ist Sänger der Band 'Helga' aus Falkenberg.“ Alexander fasste den Entschluss, die Musikschule „Gebrüder Graun“ zu besuchen. Seit er lernt, spielte er mit Maximilian Fränkel (16, Schlagzeug, Metallica- und Coldplay-Fan). „Unser erstes Lied haben wir aus dem Cranberries-Song ,Zombie' geklaut und den ganzen Tag gezupft“ , erinnert sich Alexander. „Und wir haben ständig in Musikkatalogen geblättert“ , fügt Max hinzu. Er spielte einige Jahre Trompete, dann entdeckte er das Schlagzeug für sich: Ein Bekannter spielte Nirvanas „Smells like Teen Spirit“ auf den Drums: „Das wollte ich auch können“ , erinnert sich der Schlagzeuger. Nicht nur musikalisch entwickelten sich die beiden weiter, auch das Equipment wurde besser. „Man kauft sich immer mehr dazu“ , grinst Michael Jericho (14, Bass, Red Hot Chili Peppers waren seine Favoriten). Er fing mit Akkustik-Gitarre an, spielte dann im November 2003 probeweise Bassgitarre - und wechselte. Schon im Februar 2004 stieß er mit beachtlichen Fortschritten dazu.
Die Band war geboren. „Mein Gitarrenlehrer hat mich auch in meiner Denkweise beeinflusst“ , bekennt er. „Wenn man etwas wirklich machen will, muss man dafür auch etwas tun.“ Hat Michael - und unterrichtet jetzt manchmal sogar selbst die Bassschüler.
Den Stücken setzt er seinen Stempel auf. „My name is friend“ ist Maximilians Lieblingsstück, und gleich Paradebeispiel für die, so Alexander Günther, „belebende“ Wirkung des Bass. Der Song über Hilfsbereitschaft unter Menschen sei sehr bassbetont: „Der Bass ist Melodieträger“ , stellt er fest. „Solche Tage“ kommt locker-lässig mit viel Gitarren-Antrieb daher. „Der Song ist nicht explosiv, hat aber einen gewissen Drive“ , so Alex' Urteil. Mit dieser musikalischen Verarbeitung jener Tage, an denen nichts klappen will, hat eine ganze Menge funktioniert: Damit bewarben sich die drei Jungs beim deutschlandweiten Nachwuchswettbewerb „Schooljam“ , der auch von MTV veranstaltet wird - die Veranstalter wählten „30 Watt“ prompt als eine Gruppe von 80 unter 800 Bewerbern aus. „Wir rechnen uns wenig Chancen aus“ , bleibt Alexander bescheiden, aber die Lust auf den Wettbewerb steht den dreien ins Gesicht geschrieben.
Im Punk-Brett „Wir werden uns rächen“ drücken sie auf die Tube, nehmen die widersprüchliche Independent-Musik selbst aufs Korn: Als Alternative zum Chart-Einerlei geschrieben, ist sie inzwischen Magnet für eine neue Masse. Alexander beispielweise hörte die Sportfreunde Stiller schon lange, bevor der große Sturm auf die Band losbrach. Massig Fans - das wäre ihm und seiner Band nur zu wünschen: Vielseitig, reif präsentiert sie sich schon jetzt, überschreitet spielend Grenzen wie die zwischen der Ballade „Ausruhen“ und dem frech-groovigen Party-Brenner „Eis essen“ . Zwei Demos haben sie bereits herausgebracht - wann kommt das Album, fragt man sich nach 15-minütiger Live-Hörprobe.