ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:37 Uhr

Welche Alarmierung funktioniert am besten?
Sirene oder Pieper?

 Franz Fleißner von der Ortsfeuerwehr Bad Liebenwerda.
Franz Fleißner von der Ortsfeuerwehr Bad Liebenwerda. FOTO: Martin Neumann/Michael Reichel/dpa
Bad Liebenwerda. Für die Feuerwehren im Landkreis Elbe-Elster gibt es auf die Frage Sirene oder Pieper meist eine Antwort: Am besten beides! Doch es gibt Nuancen in der Anwendung und sogar die Dreifach-Variante. Von Frank Claus

Sirenengeheul hat über Ostern die überwiegend beschauliche Ruhe in Elbe-Elster mehrfach unterbrochen. Zwischen Karfreitag und Ostermontag sind die Feuerwehren des Landkreises nach Angaben der Leitstelle Lausitz zu insgesamt 25 Einsätzen gerufen worden, darunter 17 kleineren und mittleren Waldbränden, zur Absicherung von Osterfeuern sowie zu sogenannten acht technischen Hilfeleistungen. Neben drei Türnotöffnungen waren die Kameraden unter anderem im Einsatz, um einen über die Straße gefallenen Baum zu beseitigen, Wasser aus einer Wohnung zu pumpen und eine in einem Fensterrahmen eingeklemmte Katze zu befreien.

Ist das Ruhestörung? In den meisten Fällen sind die Kameraden mittels Sirene alarmiert worden. Ein Umstand, der in der Bevölkerung unterschiedlich bewertet wird. Neben mehrheitlichem Verständnis für die „Ruhestörung“ gibt es auch Kritiker, die das Sirenengeheul am liebsten abschaffen wollen. Und das nicht nur in den Nachtstunden. In einigen Orten, vor allem in Westdeutschland, sind Sirenen sogar ganz abgebaut worden.

Seit der der digitale Meldeempfänger – im Volksmund eher als Pieper bekannt – Einzug gehalten hat und Kameraden das kleine Gerät nahezu ständig in der Hosentasche beziehungsweise am Gürtel mit sich führen, schien das Aus für die Sirenen auf dem Dach besiegelt. Doch weit gefehlt!

Unterschied zwischen Stadt und Land. „Es gibt ein Stadt-Land-Gefälle“, sagt Frank Kolodziejeski vom Lagedienst der Leitstelle Lausitz in Cottbus. In größeren Städten, oft mit Berufsfeuerwehren, werde fast nur noch mittels Pieper alarmiert. Umso höher das Einsatzaufkommen, um so intensiver würden Pieper zur Anwendung kommen. In ländlichen Räumen werde hingegen die Sirene fast durchgängig gewünscht. Das weiß auch Jens Sittel, Stadtwehrführer in Mühlberg: „Unsere Kameraden wollen Sirene und Pieper.“ Wie informiert wird, darüber entscheidet immer der Träger des Brandschutzes. In hiesigen Regionen sind das die Kommunen, die sich mit ihren Feuerwehren zusammensetzen und in der Alarm- und Ausrückeordnung auch die Alarmierung festlegen. Die Leitstelle setze diese Vorgaben um. Computergestützt sei hinterlegt, wie alarmiert und wer in Bewegung gesetzt wird und welche Technik im speziellen Einsatzfall besetzt werden muss.

Brandenburg Vorreiter. Brandenburg sei seinerzeit einer der Vorreiter bei der Einführung des Digitalfunks gewesen, erklärt der Leitstellen-Mitarbeiter. Deshalb sei auch der Anteil von Pieper-Trägern relativ hoch. Nicht immer sei das von Vorteil: Bis alle Meldeketten abgearbeitet seien, vergehe auch etwas Zeit, die Alarmierungsphase dauere länger. Sei aber auch sehr effektiv, weil viele Ebenen angesprochen würden. Das gehe bis zur entsprechenden computergestützten Navigation der Einsatzfahrzeuge. Technische Neuerungen würden diesen Prozess immer schneller machen.

Dennoch: Die Mehrheit der Elbe-Elster-Feuerwehren setze auf die Alarmierung über Sirene und Pieper. Und einige, wie zum Beispiel Bad Liebenwerda und Schlieben, haben sich noch ein Drittmittel feuerwehrintern vereinbart. Dort gibt es noch eine zusätzliche SMS auf das Privathandy. „Alle Kameraden, die das wünschen, haben eine Datenschutzerklärung unterzeichnet. Wir können so auch zu anderen feuerwehrrelevanten Themen noch viel schneller und unkompliziert in Kontakt treten“, sagt Bad Liebenwerdas Stadtbrandmeister Martin Neumann. Auch Schliebens Amtsbrandmeister Guido Schmidt findet das gut, weil schnelle Informationen auch den Zusammenhalt stärken würden: „So sind alle Kameraden, auch außerhalb der Orte, über aktuelle Einsätze ihrer Feuerwehr informiert“, sagt er.

Dass die Feuerwehren über Sirenen alarmiert werden, finden nahezu alle Kameraden richtig. Und das nicht nur, wie Elsterwerdas Stadtbrandmeister Uwe Petersen schon bei der Einführung des Digitalfunks sagte, „die Bevölkerung auch danach wissen soll, wenn sich Kameraden bei Wind und Wetter und zu jeder Tages- und Nachtzeit ehrenamtlich fürs Gemeinwohl einsetzen und zum Einsatz fahren, um Leben zu retten“, sondern auch, weil damit der Schutz der Bürger und Bürgerinformation verbunden sei.

Trotzdem immer Sirene? Da gibt es inzwischen Nuancen. Die ersten Feuerwehren, so zum Beispiel Falkenberg und Herzberg, haben sich einen Prioritätenkatalog erarbeitet und an die Leitstelle übergeben. Darin wird geregelt, bei welchem Einsatz der Hilferuf über den Pieper reicht. Elsterwerdas Ortswehrführer Daniel Neubert will im Zuge der Überarbeitung der Alarm- und Ausrückeordnung dieses Thema auch mit seinen Kameraden diskutieren. Er denkt an Einsätze bei Türnotöffnungen, kleineren Ölspuren, kleineren technischen Hilfeleistungen und „wenn mal ein mittlerer Baum über die Straße gefallen ist. Mir scheint, das können wir auch ohne Sirene regeln“.

Dabei weiß Daniel Neubert, dass dann der Pieper natürlich zum ständigen Begleiter gehören muss. „Wir in Elsterwerda sind da gut aufgestellt, aber Flächenkommunen mit mehreren Ortswehren haben es da schwerer. Für alle einen Pieper zu beschaffen, kostet auch. Immerhin sind etwa 300 Euro pro Stück zu planen.“

 Waldbrand bei Theisa in der Nacht vom Montag zum Dienstag.
Waldbrand bei Theisa in der Nacht vom Montag zum Dienstag. FOTO: Jens Berger