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| 19:39 Uhr

Ausstellung in Herzberg
Stille Giganten werfen Schatten voraus

 Das Giganten-Plakat ist 10 Meter hoch und 5,5 Meter breit. Der Brachiosaurus brancai war noch mehr als drei Meter größer.
Das Giganten-Plakat ist 10 Meter hoch und 5,5 Meter breit. Der Brachiosaurus brancai war noch mehr als drei Meter größer. FOTO: LR / Stadt Herzberg Wegner
Herzberg. Die Ausstellung zu Ehren des Saurierforschers Werner Janensch wird am 26. Oktober im Herzberger Bürgerzentrum eröffnet. Von Birgit Rudow

Herzberg steckt mitten im selbst auferlegten Dino-Jahr. Schließlich ist der bedeutende Paläontologe Werner Janensch ein Sohn der Stadt. Zumindest wurde er 1887 in Herzberg geboren. Die Paläontologie ist die Wissenschaft von den Lebewesen und Lebewelten der geologischen Vergangenheit. Werner Janensch hatten es besonders die Dinosaurier angetan. In diesem Jahr jährt sich zum 110. Mal der Beginn seiner Tendaguru-Expedition im heutigen Tansania. Ein Teil der damals ausgegrabenen Saurierskelette ist heute im Naturkundemuseum in Berlin zu bewundern, auch der 13 Meter hohe Brachiosaurus brancai.

Dinos auf Schritt und Tritt

Die Dinosaurier begegnen den Herzbergern seit Wochen und Monaten auf Schritt und Tritt. In Schulen und Kindergärten beschäftigen sich schon die Kleinsten damit. Der Filmwettbewerb beim Plan-Kino hat sich dem Thema im direkten wie übertragenen Sinn gewidmet. Selbst in die Kirche hat es der Dino geschafft. Als grüne Gummiversion grüßt er die Besucher im Tourismuspunkt. Der Herzberger Kunstkreis hat einen Malwettbewerb initiiert, der Thementag beim Tierparkfest stand im Zeichen der Riesen und im Stadtpark leuchtet vorerst ein Provisorium des 1,75 Meter großen Fußabdruckes des Brachiosaurus, das noch in diesem Jahr durch ein Steinexemplar ersetzt werden soll. Der 3-D-Drucker in der Mediathek spuckt Saurier aus und kein Schriftverkehr der Stadtverwaltung bleibt ohne Hinweis auf das Jubiläum der bedeutenden Expedition.

Kooperation mit Naturkundemuseum Berlin

Jetzt strebt die Janensch-Ehrung in Herzberg auf ihren Höhepunkt zu. Und entgegen so mancher Dino-Verspieltheit im Vorfeld geht es dabei zu großen Teilen wissenschaftlich zu. „Stille Giganten – ein Leben für die Dinosaurier. Werner Janensch und die Expedition am Tendaguru“ lautet der Titel der Ausstellung, die am 26. Oktober im Bürgerzentrum eröffnet wird. Seit dem vergangenen Wochenende kündigt eine 10 Meter hohe und 5,5 Meter breite Werbefläche am Bürgerzentrum die Ausstellung an. Für eine Darstellung der Originalgröße des Brachiosaurus brancai ist aber selbst das Herzberger Bürgerzentrum zu klein.

Im Rathaus zeichnen Susanne Wegner (Stadtmarketing) und André Kessler, Leiter der Mediathek, für die Ausstellung verantwortlich. Die wissenschaftliche Beratung erteilen Mitarbeiter des Naturkundemuseums Berlin, allen voran Dr. Daniela Schwarz und Dr. Oliver Hampe, Kurator für fossile Säugetiere und Geologie am Museum.

Thema wird auf drei Ebenen behandelt

Die anfängliche „Ehrfurcht“ vor der Wissenschaft hatten die Herzberger schnell abgelegt. „Die Zusammenarbeit mit dem Naturkundemuseum ist ausgezeichnet. Wir haben nie gehört, dass etwas nicht geht. Das Museum unterstützt uns auch mit Exponaten“, so Susanne Wegner. Wer jetzt aber komplette Saurierskelette erwartet, den müssen die Protagonisten enttäuschen. Das würde aus mehreren Gründen den Rahmen sprengen.

Die Ausstellung bewegt sich räumlich wie thematisch auf drei Ebenen. Genutzt werden dafür die Foyers des Bürgerzentrums auf beiden Etagen sowie die Galerie. Die erste Ebene beleuchtet das Leben von Werner Janensch. Es ist ein glücklicher Umstand, dass sich der freiberufliche Historiker Dr. Mario Huth aus Jeßnigk diesem Thema intensiv widmet. „Er war in sämtlichen Archiven, hat sich die Dissertation von Janensch besorgt, hat Familiengeschichten ausgegraben und Kontakt zu Nachfahren gesucht“, schwärmt Wegner über den Fundus, den der Historiker zusammengetragen hat.

Die zweite Ebene der Ausstellung ist der Tendaguru-Expedition gewidmet. Zu den Exponaten, die das Naturkundemuseum zur Verfügung stellt, gehören unter anderem die Gipsreproduktion eines Schulterblattes des Brachiosaurus brancai. „Die ist täuschend echt und man kann sie auch mal anfassen“, so André Keßler. Es werden noch andere Knochen und Zähne gezeigt, die bei der Expedition gefunden und in den Dokumenten festgehalten wurden. Eventuell wird auch die Reproduktion eines Skizzenbuches von Janensch dabei sein und weitere Dokumente. „Wir werden versuchen, die Texte zu den Exponaten so zu verfassen, dass jeder etwas damit anfangen kann“, verspricht Susanne Wegner. Die dritte Ebene in der Galerie gehört der Kunst und den Dinobildern aus dem Malwettbewerb des Kunstvereins.

Mehr Anerkennung für Janensch in Herzberg

Die Komposition und Gestaltung der Ausstellung hat die Stadt öffentlich ausgeschrieben. Um den Auftrag haben sich echte Profis beworben, was für das Niveau der Exposition spricht. Die Komposition haben jetzt die Einheimischen Christian Becker mit seinem Studio for interactive media und das Grafikstudio „Hafenjunge“ Markus Wegner erstellt, die sich ebenfalls um den Auftrag beworben hatten. Sie sind auch für die interaktiven Lösungen verantwortlich.

Die „Stillen Giganten“ werfen ihre Schatten voraus und hoffentlich ein Licht auf den Herzberger Werner Janensch, das ihm in seiner Geburtsstadt endlich gerecht wird.

 Michael Kunz von der Firma MK Design hat am Freitag die überdimensionale Ausstellungswerbung an die Fassade des Bürgerzentrums geklebt.
Michael Kunz von der Firma MK Design hat am Freitag die überdimensionale Ausstellungswerbung an die Fassade des Bürgerzentrums geklebt. FOTO: LR / Rudow