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| 18:12 Uhr

Leserreaktion
Ausgekramt: „Neumanns“-Geschichten aus Dubro

Herzberg. Christian Schmidt reicht noch einige Episoden zur Adventsgeschichte nach.

Zwar ist das RUNDSCHAU-Kalendertürchen mit der Nummer 5 zur Fleischerei „Neumann“ in Herzberg schon längst wieder geschlossen, doch unser Leser Christian Schmidt aus Dubro hat Ende vergangener Woche noch einige Begebenheiten aus seiner Familie und Kollegenschaft mit der Fleischerei an die Redaktion gesandt, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten möchten.

„Neumanns über drei Jahrzehnte“ hat er seine Episoden betitelt

1. Episode

Es war so Mitte der 1950er-Jahre, schreibt Christian Schmidt. Unser ehemaliger Bürgermeister, unser Heinz, hatte als Kind fürchterliche Zahnschmerzen. Also wurde Tante Selma beauftragt, mit dem Jungen  zum Zahnarzt „Dr. Schlecht“ zu fahren. Als Verstärkung nahm sie Tante Frieda mit. Also rein ins Postauto und hin nach Herzberg. Es half nichts, der Zahn musste raus. Auf der Straße weinte unser Heinz immer noch und fürchterlichen Hunger hatte er außerdem. Die beiden Tanten wussten Rat. Rein in Neumanns Gaststätte, eine Bockwurst und eine Brause bestellt und die Welt war für unseren Heinz wieder in Ordnung.

2. Episode

Mitte der 1960er-Jahre erhielt noch jeder seinen Lohn auf der Arbeitsstelle aller 14 Tage bar ausgezahlt.  So fuhr also der Vorsitzende der LPG mit seiner RT (ein Motorrad d. Red.) nach Herzberg zur Bauernbank. Dort wurde das Geld auf den Tisch gepackt, nochmals gezählt und eingetütet. Die Tüte kam in die abgewetzte Aktentasche und die wurde auf dem Gepäckträger der RT festgeschnallt. Bevor es wieder nach Dubro ging, gings erst mal zu Neumanns. Dort waren auch die anderen Bauern. Kaffee wurde getrunken, Bockwürste gegessen und Geschäfte wurden per Handschlag gemacht. Nach einer Stunde wurde die Heimat angesteuert. Der Vorsitzende kam gut an, die abgewetzte Aktentasche mit dem Geld hatte auch keiner geklaut, obwohl die RT mit der Aktentasche unbewacht vor „Neumanns“ stand und alles war „in Butter“.

3. Episode

In den 1970er-Jahren arbeite meine Frau in Herzberg mit vielen Kolleginnen zusammen. Damals wie heute wurde zum Wochenende groß eingekauft. So auch bei „Neumanns“ frisches Fleisch und frische Wurst. Jede Frau hatte einen Wunschzettel. Eine Kollegin wurde mittags abkommandiert, zu „Neumanns“ zu gehen. Schließlich konnten ja nicht alle weg.

Der Chef hatte immer ein Auge zugedrückt, denn nach Feierabend war vieles nicht mehr zu haben. Wenn die Kollegin dann bei „Neumanns“ auftauchte, waren die Frauen vor ihr froh, schon vor ihr dran zu sein und die, die nach ihr kamen, mussten viel Geduld mitbringen und hatten Gelegenheit für ein sehr ausgiebiges Schwätzchen.