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| 12:06 Uhr

Die Zeit drängt
Aus Visionen müssen endlich konkrete Vorhaben werden

Die Herzberg Kita „Märchenland“ in Trägerschaft der Intawo ist als Integrationskita nicht ausreichend ausgerüstet.
Die Herzberg Kita „Märchenland“ in Trägerschaft der Intawo ist als Integrationskita nicht ausreichend ausgerüstet. FOTO: LR / Rudow
Herzberg. Herzbergs Kita-Landschaft soll ein völlig neues Gesicht bekommen. Die Stadt steht bei den Gebäuden vor der Entscheidung: Sanierung oder Neubau? Eine Betrachtung von Birgit Rudow

Baulich marode Kitas, eine Containerlösung für den Hort, hohe Ausgaben für Reparaturen und viel Geld für Betriebskosten – das ist derzeit die Situation in Herzbergs Infrastruktur bei der Kinderbetreuung. Zumindest was den Hort betrifft, dürfte es mit dem Anbau an die Elsterlandgrundschule und dem damit verbundenen neuen Raumkonzept für die Schule Entspannung geben.

Die Hortcontainer will die Stadt nur noch bis zum August nächsten Jahres mieten. Während der Bauarbeiten für den Schulanbau werden die 1. bis 3. Klassen im Hort in der Schule verbleiben. Die Hortkinder der 4. bis 6. Klassen ziehen in das Haus II des ehemaligen Gymnasiums in der Stadt um. Dafür hat die Stadt das Haus vom Kreis erworben. Für die neue Nutzung muss es zum Teil noch renoviert werden. Zumindest als Ausweichmöglichkeit für den Hort ist das Gebäude geeignet.

Doch auch bei den Kindertagesstätten muss die Stadt nun endlich strategische Entscheidungen treffen. Im Rahmen der vor etwa drei Jahren unter der Regie der Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH Berlin (BSM) in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie zur sozialen Infrastruktur in Herzberg soll nun der Schlussspurt in der Entscheidungsfindung angestrebt werden. Die Studie hat bisher die Ausgangssituation untersucht und mögliche Modelle zur Nutzung der drei Kitas im Kernstadtbereich erarbeitet. Das ist aber auch schon wieder zwei Jahre her.

In den vergangenen Monaten haben sich die Herzberger Abgeordneten einen Überblick über den baulichen Zustand der Einrichtungen verschafft. Und der ist trotz jüngster Sanierungen vor allem im energetischen und sanitärtechnischen Bereich erschreckend. Alle Kitas sind zu DDR-Zeiten gebaut oder eingerichtet worden. Die negativen „Knackpunkte“ reichen von der unzugänglichen Lage von Versorgungsleitungen bis zu unzureichenden Raumgrößen und Raumanordnungen. Die Stadt steht also vor der Entscheidung: Sanierung oder Neubau? Was bisher in dem gesamten Prozess der Betrachtung noch keine Rolle gespielt hat, sind konkrete Fakten zu Kosten. Die zu ermitteln war Aufgabe des letzten Teils der Machbarkeitsstudie. Dazu, zumindest für die Kita „Spatzennest“, werden sich die Mitglieder des Herzberger Bauausschusses und des Bildungs- und Kulturausschusses am 28. August in einer gemeinsamen Sitzung mit der Beratungsgesellschaft verständigen.

Es ist kaum anzunehmen, dass bei allen drei Kitas eine umfassende Sanierung zu bevorzugen ist. Besonders große Mängel weist die Kita „Märchenland“ auf, die als Integrationseinrichtung schlichtweg unzureichend ausgerüstet ist.

Wie Bürgermeister Karsten Eule-Prütz zur RUNDSCHAU noch vor der Sommerpause sagte, wolle die Stadt nicht nur Neubau- und Sanierungskosten gegenüberstellen, sondern auch die Betriebs- und Reparaturkosten heranziehen. „Wir wollen die Betriebs- und Reparaturkosten der Kitas „Märchenland“ und „Spatzennest“ der letzten fünf Jahre mit einem neu gebauten Referenzobjekt vergleichen.“

Die Stadtverwaltung hat eine Variante für das Kita-Problem im Hinterkopf, die aber noch lange nicht in Sack und Tüten ist, weil es dazu vieler Partner bedarf. Ihr Kernpunkt ist der Neubau einer Kita im Bereich des alten Herzberger Busbahnhofs. Bauen könnte sie die Herzberger Wohnungsbaugesellschaft (WBG) und sie dann an die Stadt vermieten. Das setzt aber voraus, dass die WBG dazu auch bereit und finanziell in der Lage ist. Außerdem müssen die anderen WBG-Gesellschafter wie Falkenberg, Schönewalde oder Uebigau-Wahrenbrück zu Gunsten von Herzberg mitziehen.

In diesen Neubau könnte die Integrationskita „Märchenland“ ziehen. Das hätte den Vorteil, dass das Gebäude gleich in allen Belangen behindertengerecht gebaut werden könnte. Das Gebäude der Kita „Märchenland“ in der Clara-Zetkin-Straße müsste dann saniert werden. Hierhin könnte „Flax und Krümel“ umziehen. Der Standort in der Karl-Liebknecht-Straße hat zwar einen besonderen Charme, ist aber vom Grundstück her als Kita wenig geeignet. Diesen Standort würde die Stadt als Kindereinrichtung dann wohl aufgeben.

Für das „Spatzennest“ schwebt der Verwaltung ebenfalls ein kompletter Neubau auf dem jetzigen Gelände vor, das dafür groß genug ist. Hier würde die Stadt selbst bauen bzw. einen Investor suchen.

Insgesamt scheint der Plan schlüssig, ist aber vorerst noch reine Theorie. Eines aber ist sicher. Die Lösung des Kita-Problems in Herzberg wird viel Geld kosten. Aber so langsam müssen aus Visionen konkrete Vorhaben angegangen werden. Billiger wird es nicht, und die Zeit drängt.