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| 01:05 Uhr

Aus der Bilderkiste quellender farbiger Segen

Altenau.. „Mach weiter so, wir werden schon sehen, wohin das führt“ , schloss Herbert Schirmer mit ironischem Augenzwinkern seine Laudatio auf einen, der nicht daran denkt, altersweise im üblichen bürgerlichen Sinne zu werden. Jürgen Weser

Zuvor hatte Künstlerkollege Paul Böckelmann in einer launigen Begrüßungsrede am Sonnabend den Saxdorfer Maler und Gartenkünstler Hans-peter Bethke gewürdigt. Aus Anlass seines 70. Geburtstages vor wenigen Tagen, gestalteten E.R.N.A. und Paul Böckelmann in ihrer Altenauer Galerie eine Retrospektive als Hommage an das Lebenswerk Bethkes.
Die Besucher kamen in Scharen, füllten das Altenauer Künstlerrefugium. Familie, Freunde, Wegbegleiter und Künstlerkollegen, allen war es ein Herzensbedürfnis, Hanspeter Bethke zu gratulieren und ihm Dank zu sagen für ein reiches malerisches Werk, mit dem er Spuren in der Kunstlandschaft und in ihren Herzen hinterlassen hat. Spuren hat Betkes Frühwerk vor allem bei Paul Böckelmann hinterlassen, der ihn als seinen ersten Lehrer bezeichnet.
„Ich konnte mich nicht satt sehen an immer neuen Farbkompositionen. Die vielen kleinen bunten Bilder in der Langen Straße 19 in Halle glühten vor Farbigkeiten.“ So erinnerte sich Böckelmann an seine Eindrücke als Zwanzigjähriger, wie sich die Bilderwelt Bethkes vom farblosen sozialistischen Realismus Anfang der 70-er Jahre abhob. Jahre enger Freundschaft folgten, bevor die Künstler eigene Wege, wenn auch nur wenige Kilometer voneinander entfernt, gingen.
Der Laudatio des ehemaligen Kulturministers und Beeskower Burgherren Herbert Schirmer konnten die Besucher der Vernissage mit den Augen folgen, denn die mehr als siebzig ausgestellten Arbeiten zeichnen exemplarisch Beth-kes Weg als Maler über fast fünfzig Jahre nach. Da sind die experimentellen Frühbilder als Fluchtweg vor dem Zugriff kulturpolitischer Indoktrination.
Es folgen die expressiven Farbkompositionen der siebziger Jahre, welche auch in den Landschaftsbildern die innere Unruhe des Malers bezeugen, dem „eine Skepsis gegen die realen Erscheinungen innewohnt“ , wie es Schirmer beschreibt. Es folgen die fast monochromen Bilder Anfang der achtziger Jahre, die in ihrer Nebelhaftigkeit wieder unwirklich erscheinen. Viele Freunde der Bethke-Bilder mögen vor allem die wieder in vorsichtige Farbigkeit getauchten Ostseebilder, von denen einige der schönsten in der Ausstellung zu sehen sind.
Das „Experimentieren im gesellschaftlichen Randbereich“ beherrschte Hanspeter Bethke in der DDR in Perfektion, nach der Wende kommt eine neue Nuance hinzu. Er malt auf Millimeterpapier, Packpapier und Kalenderblättern, gibt seinen farbigen Figuren archaische Grundformen, zeigt den Kokon umhüllten und wieder der Wirklichkeit entfliehenden Menschen. Skurrilität als Malprinzip: Widerspiegelung des Lebens?
Geblieben sind Bethkes Malwut und sein Humor. Man darf sich getrost Schirmers Wunsch anschließen: „Mach weiter so, wir werden schon sehen, wohin das noch führt.“ Bethke blieb an diesem Tag der herzliche Dank an die Ausstellungsmacher.
Ganz im Sinne von Beth-ke geriet die Ausstellungseröffnung zum fröhlichen Happening. Dafür sorgten vor allem die Musikclowns sowie Entertainer Wolfgang Lasch und Frank Deutscher als „Lebbsch und Debbsch“ . Lebenspartner Karlheinz Zahn, Freunde und Bekannte hatten dieses Präsent für Hanspeter Bethke möglich gemacht. Kostümiert und, ähnlich Bethkes neuesten Figurinen, körperlich deformiert, spielten sie blind auf Akkordeon und Schlagzeug und karikierten zur Freude des musikkundigen Jubilars die Genres vom Schlager über das Volkslied bis zu Adamos „Gute Reise, schöne Reise“ . Nicht nur zur „Katjuscha“ wurde stilecht getanzt. In fröhlicher Runde und bestens von den Helfern des Saxdorfer Kunst- und Kulturvereins vorbereitet, klang der Ausstellungstag im Saxdorfer Musikpavillon für Hanspeter Bethke aus. Seine Gäste versäumten nicht, noch eine Runde durch das von ihm geschaffene Gartenkunstwerk zu drehen.