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Auch Kleingärtner müssen mit Leerstand leben

Gabi und Michael Hinzer in ihrem Kleingarten in der Anlage "Am Winterberg" in Elsterwerda. Sie haben die Lust am Gärtnern nicht verloren. Andere schon. Oder Gärten werden aus Altersgründen aufgegeben. Leerstand stellt die Vereine vor neue Herausforderungen.
Gabi und Michael Hinzer in ihrem Kleingarten in der Anlage "Am Winterberg" in Elsterwerda. Sie haben die Lust am Gärtnern nicht verloren. Andere schon. Oder Gärten werden aus Altersgründen aufgegeben. Leerstand stellt die Vereine vor neue Herausforderungen. FOTO: Brautschek
Elbe-Elster. Die Frühlingszeit treibt die Gartenfans wieder aus den Stuben. Doch wie steht es um diese Spezies überhaupt? Wie sieht es insbesondere in den Gartensparten der Region aus? Die RUNDSCHAU hat sich umgehört. Dieter Babbe, Anja Brautschek, Sylvia Kunze und Birgit Rudow

In der Anlage an der Eichholzer Straße in Finsterwalde war es lange schwer, ein Gärtchen zu bekommen. Selbst wer es auf die Warteliste geschafft hatte, wartete oft vergebens. "Diese Zeiten sind vorbei", sagt Wolfgang Buchheim, der Vorsitzende des Kleingartenvereins. Inzwischen sind von 96 Gärten fünf ungenutzt.

Holger Kesselschläger, amtierender Vorsitzender des Bezirksverbandes der Kleingärtner und Siedler im Altkreis Finsterwalde, will nicht jammern - noch nicht. "Wir haben noch immer 13 intakte Kleingartenvereine in fünf Orten in und um Finsterwalde mit insgesamt 820 Parzellen. Hier stehen zusammen 50 Gärten leer, das sind erst fünf Prozent."

Der Verein Gartenbau 1911, dessen Gärten auf das Stadtgebiet verteilt waren, war der älteste in Finsterwalde. "Er wäre 2011 100 Jahre alt geworden, hat das Jubiläum aber nicht mehr erlebt", bedauert Holger Kesselschläger die Auflösung des Vereins. In Rückersdorf, wo die Einwohnerzahl in den Neubaublöcken drastisch zurückgegangen ist, hat es vor Jahren schon den ersten Teilrückbau von Kleingärten gegeben, weil sie keine Pächter mehr fanden und die Anlage zu verwildern drohte. "Hier sind Streuobstwiesen oder sogenannte Tafelgärten angelegt worden", erklärt Holger Kesselschläger.

Es gibt Kleingärten in der Anlage an der Eichholzer Straße, in denen es vier, fünf Wechsel gegeben hat - "in einem Garten gab es sogar sechs verschiedene Pächter", berichtet Wolfgang Buchheim - der sich immer wieder freut, wenn junge Familien Interesse für einen Garten zeigen. Dieser Tage erst hat ein junges Ehepaar mit drei Kindern einen Garten bekommen. Das hoffentlich lange durchhält, denn seit der Wende gibt es "ein Kommen und Gehen" in den Kleingartenanlagen. "Viele starten mit falschen Vorstellungen. Sie fangen forsch an zu graben und lassen den Spaten dann bald stecken. Dass ein Garten Arbeit macht, bevor man sich daran erfreuen kann, hat man sich vorher nicht überlegt. Wenn dann nur noch Gartenpartys gefeiert werden und sich andere Kleingärtner gestört fühlen", sei der Ärger groß, weiß der Bezirksvorsitzende. Tendenz steigend.

In der Kleingartenanlage "Am Winterberg" in Elsterwerda herrscht grüne Idylle. Die Anlage liegt zwar etwas abseits des Stadtkerns, aber für die Kleingärtner ist genau das der Reiz. Weg vom stressigen Alltag, raus in die Natur. Alle 27 Parzellen sind momentan verpachtet. "Das ist jedoch nicht überall so. Kleingartenanlagen in Mühlberg und Elsterwerda sind recht gut ausgelastet", sagt Claudia Schlegel, Vorsitzende des Kreisverbandes der Gartenfreunde Bad Liebenwerda. Schwieriger ist es da schon in Bad Liebenwerda. "Im Moment nimmt der Leerstand nicht weiter zu. Wenn Pachtverträge aufgelöst werden, suchen die Kleingärtner meist einen Nachmieter", sagt sie.

Stehen doch einmal Gärten leer, werden dafür neue Lösungen gesucht. In Elsterwerda setzen Gärtner mit der Grundschule ein Schulgartenprojekt um. Gemeinsam mit den Kindern bauen sie Kartoffeln an und pflegen die Beete. In der Kleingartenanlage "Allen zur Freude" in Mühlberg werden sechs von zwölf leeren Gärten als Tafelgärten genutzt.

Vermehrt sind auch wieder jüngere Leute in den grünen Oasen zu sehen. Sie lernen von den alten Hasen, wie Tomaten- und Gurkenpflanzen behandelt werden müssen und was bei Beerensträuchern zu beachten ist. "Sehr gute Erfahrungen haben wir auch mit Russlanddeutschen gemacht. Die sind sehr fleißig und haben mitunter die meisten Erträge", berichtet Claudia Schlegel. Doch eines darf man bei der Nachwuchssuche nicht vergessen: "Die ältere Generation ist der treibende Motor einer Kleingartenanlage."

60 Plus ist das Durchschnittsalter der Laubenpieper in der Herzberger Region, weiß Rolf-Jürgen Herrmann, Vorsitzender des Regionalverbandes der Kleingärtner Herzberg und Umgebung. Zündstoff für die nächsten Jahre. Er fordert ein Umdenken. Kleingärten müssten noch mehr zu Orten der Erholung werden, ohne dabei ganz von der Grundidee des Kleingartenwesens abzukommen. Ein gutes Einvernehmen mit den Kommunen vorausgesetzt.

Das bewahrt die Sparten im Herzberger Bereich dennoch nicht vor Leerstand. Ideenreich arbeiten die Kleingärtner in Falkenberg und Uebigau seit Monaten mit Projekten in Zusammenarbeit mit Kitas, Schulen und jungen Eltern dagegen. Aber die Nachfrage nach Gärten sei dadurch leider nicht gestiegen, muss Herrmann resümieren. In der Uebigauer Sparte, wo der Leerstand auf mehr als ein Drittel angestiegen sei, wird deshalb renaturiert. Die Hälfte der Anlage dient als Kompensationsfläche für Windkraftanlagen und wird zu einer Streuobstwiese. Ähnliche Ideen gibt es in Falkenberg und für die aufgegebenen Gärten in Schmerkendorf.

In der Sparte "Frohes Schaffen" in Herzberg wird etwa die Hälfte der leerstehenden Parzellen von Gartennachbarn mitgepflegt, sagt Spartenchef Peter Müller. Ab und an würde auch ein Garten neu verpachtet. "Viele Neupächter geben sich auch Mühe. Aber der alte echte Kleingärtner stirbt aus."