Von Frank Claus

Eine Legislaturperiode ist darum gekämpft worden, jetzt liegt sie vor – Brandenburgs neue Gartenbaukonzeption. Auf Druck des Landtages ist sie erarbeitet worden. Und Dr. Andreas Jende, der Geschäftsführer des Gartenbauverbandes Berlin-Brandenburg, sagt: „Das war ein hartes Stück Arbeit. Wir haben eine Legislaturperiode dafür gebraucht. Aber, mit dieser Konzeption sind viele Forderungen der gärtnerischen Betriebe zu großen Teilen umgesetzt worden.“ In einigen Punkten setze Brandenburg mit der neuen Gartenbaukonzeption sogar bundesweit Akzente.

So sei der Fördersatz von 45 Prozent für Unternehmen des Gartenbaus eine echte Hausnummer. „Das ist bundesweit spitze“, so Andreas Jende. Erstmals würde zum Beispiel der Erwerb von neuen Spezialmaschinen für die Außenwirtschaft förderfähig. Für Dr. Klaus Henschel, Präsident des Gartenbauverbandes, ist das längst überfällig. „Während bei uns eine Mindestlohnsteigerung nach der anderen folgte, müssen wir den Wettbewerb mit Polen und der Ukraine bestehen, wo Erntehelfer mit vier beziehungsweise zwei Euro in der Stunde entlohnt werden.“ Er wolle nicht falsch verstanden werden, er stehe für eine faire Entlohnung. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssten dann aber auch Unterstützungen her. Moderne Technik könne da vor allem im Obst-, Gemüse- und Beerenanbau helfen.

Investitionen zur Lagerung, Kühlung, Trocknung, Aufbereitung und Vermarktung seien nun ebenso förderfähig. Auch das förderfähige Investitionsvolumen sei auf eine Millionen Euro erhöht worden.

Doch profitieren auch kleinere Unternehmen wie in Elbe-Elster von der neuen Konzeption? Dr. Andreas Jende sagt: „Auf jeden Fall.“ Und das aus mehrerer Hinsicht. Das Mindestinvestitionsvolumen sei auf 5000 Euro herabgesetzt worden. Bis zu 30 000 Euro Investitionsvolumen sei ein vereinfachter Förderantrag ohne Erarbeitung eines Investitionskonzeptes möglich. Und bei Anträgen bis zu 100 000 Euro sei nicht mehr wie bisher ein Betriebsberater notwendig.

Silvia und Peter Schulze, die einen Gartenbaubetrieb in Stechau betreiben, sind dennoch skeptisch. „Ohne Betriebsberater kriegst du einen chancenreichen Förderantrag kaum hin. Die geforderten Unterlagen zu erbringen, ist nach wie vor anspruchsvoll.“

Dem widerspricht Andreas Jende nicht. „Wir wollen unseren kleinen Mitgliedsbetrieben als Verband beratend zur Seite stehen.“ Auch Rüdiger Winde in Schönborn will investieren. „Ich muss meine kostenintensive Heizungsanlage umbauen, plane ein ökologisches Heizsystem.“ Er sei gegenwärtig bei der Erarbeitung der Unterlagen. „Ich möchte schon zum ersten Stichtag, 31. März, alles fertig haben.“ Bereits zu diesem Termin seien eine Million Euro im Fördertopf. Dieses Geld werde im Jahresverlauf aufgestockt.

Dr. Lutz Kraushaar ist einer der Gartenbauberater im Land und hat an der Erarbeitung der neuen Konzeption mitgearbeitet. Auch er weiß, dass kleinere Unternehmen den bürokratischen Aufwand oft scheuen. „Das ist verkehrt. Ich beobachte sehr oft, dass kleine Betriebe aus dem Bauch heraus investieren, kaum strategisch denken. Wenn es ein Jahr mal gut lief, gute Umsätze verzeichnet wurden, wird durch ungeförderte Investitionen die Liquidität schnell wieder aufgefressen.“ Mit den jetzt äußerst attraktiven Konditionen sollte man sich zumindest die Zeit für ein Beratungsgespräch nehmen. „Ich jedenfalls sage dann schon, wenn ein Förderantrag wenig sinnvoll erscheint.“

Dr. Andreas Jende fordert die Unternehmen auf, sich jetzt mit der Gartenbaukonzeption zu beschäftigen, denn da sei weitaus mehr geregelt. „Wir wollen einen Nachwuchsberater einstellen, um zu helfen, das Fachkräfteproblem abzumildern und in puncto biologischer Pflanzenschutz unterstützen.“ Er verhehlt nicht, dass nicht alles gelungen sei. „In puncto vereinfachtes Baurecht für Gewächshausanlagen und Wasserentnahme sind wir nicht viel weiter gekommen.“