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| 16:42 Uhr

Kalendertürchen
Arbeitsreicher Advent zwischen Chor und Orgel

Solveig und Christopher Lichtenstein an dem Ort, an dem sie besonders gern sind, vor einer Orgel.
Solveig und Christopher Lichtenstein an dem Ort, an dem sie besonders gern sind, vor einer Orgel. FOTO: LR / Lichtenstein
Herzberg. Die Kirchenmusiker Solveig und Christopher Lichtenstein genießen die Weihnachtszeit – auch wenn die Besinnlichkeit etwas zu kurz kommt. Von Birgit Rudow

Der Besuch von Konzerten in Kirchen, vor allem des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach, gehört für viele, nicht gläubige Menschen, zum festen Ritual in der Vorweihnachtszeit. Sie suchen nach Ruhe und Besinnlichkeit. Doch wie besinnlich geht es im Advent eigentlich bei denjenigen zu, die uns diese wunderbaren Konzerte bescheren? Die an der Orgel spielen, mit den Chören proben und die Abläufe organisieren?

Die RUNDSCHAU hat Solveig und Christopher Lichtenstein getroffen. Der Herzberger hat sich als Organist bereits einen Namen weit über die heimatlichen Grenzen hinaus gemacht. Solveig Lichtenstein hat es vor zwei Jahren aus dem Fränkischen an die Schwarze Elster Elster verschlagen. Solveig ist nicht nur seit kurzem die Ehefrau von Christopher Lichtenstein sondern auch selbst eine ausgezeichnete Musikerin und Kantorin der Herzberger Stadtkirchengemeinde.

Für die Lichtensteins bedeutet die Adventszeit viel Arbeit. „Es ist aber nicht die einzige Zeit, in der das so ist. Jeder Teil des Kirchenjahres ist etwas Besonderes“, sagt die Kantorin. Ihr Fokus liegt in diesen Tagen auf dem Weihnachtsoratorium am kommenden Samstag in der Falkenberger Kirche. Schon im September hat sie begonnen, die Musiker für das Orchester zu kontaktieren und Noten zu verschicken. Als Solisten konnte sie Lena Langenbacher (Sopran) und Monika Zens (Alt) aus Leipzig, den ehemaligen Dresdener Kruzianer Christopher Renz (Tenor) und den Lübecker Simeon Nachtsheim (Bass) gewinnen. Den Kern des Chores bilden wieder die Kantorei und die Musikkurse des Herzberger Gymnasiums, dazu einige Gastsänger aus der Region. Die Probenarbeit teilt sich Solveig Lichtenstein mit der Musiklehrerin Daniela Uhlig. Beide hoffen, dass die Falkenberger Kirche am Samstag gut besucht ist.

Das Oratorium ist aber nicht das einzige Projekt der Kantorin. Seit November arbeitet sie mit dem Kinderchor der Gemeinde an einem kleinen Weihnachtsmusical für den Familiengottesdienst am Heiligabend. Die Weihnachtsgeschichte wird musikalisch dargebracht. Einmal in der Woche ist Chorprobe. Die Solisten müssen öfter üben. Gemeindepädagoge Torsten Jachalke hilft Solveig Lichtenstein dabei.

Aufgabe einer Kantorin ist es auch, das Orgelspiel in den Kirchen der Gemeinde zu Weihnachten abzusichern. Sie und ihr Mann können nicht überall sein. Dankbar ist sie, dass ihre Orgelschüler sie unterstützen. Einmal wöchentlich gibt Solveig Lichtenstein sechs Orgelschülern Unterricht. Der jüngste ist in der 11. Klasse, der Ältestes über 50. Einig übernehmen das Spielen zu den Gottesdiensten in den Kirchen.

Auch Christopher Lichtenstein unterrichtet Orgelspiel. Und das nicht nur in Herzberg, sondern auch zwei Mal in der Woche in Köthen sowie in Doberlug und Dahme, zum Teil an den Musikschulen. Und er ist in der Vorweihnachtszeit selbst viel zu Konzerten unterwegs. So hat er am Wochenende in Lebusa zum Musikschulkonzert gespielt. Konzerte stehen noch an in Lübbenau und in Münden. Dazu das Oratorium und traditionell natürlich am Heiligen Abend um 21.30 Uhr die Orgelmusik im Kerzenschein an der Silbermannorgel in Lebusa.

Überhaupt verlangt der Heilige Abend den beiden Kirchenmusikern einiges ab. Erst am Nachmittag der Familiengottesdienst in Herzberg, um 18 Uhr die Christvesper mit der Kantorei und um 22 Uhr spielt die Kantorin in Herzberg selbst die kleine Orgelmusik. Ehe Christopher aus Lebsua zurück ist, ist es 23 Uhr. Dann ist auch endlich bei Lichtensteins in der Uebigauer Straße Bescherung. Am 25. Dezember, dem eigentlichen Feiertag, wird in Alt Herzberg der Singegottesdienst gefeiert. Christopher Lichtenstein spielt zudem auch noch in Uebigau.

Als Belastung sehen die beiden das aber nicht. „Was viel Arbeit macht, ist auch sehr schön. Die Konzerte, die Gottesdienste – wir genießen das“, sagt Solveig Lichtenstein.

Advent, das bedeutet Ankunft. Mit der Besinnlichkeit und Ruhe klappt es zwar nicht immer, aber Zeit zum Plätzchenbacken bleibt Solveig dennoch. Christopher überlegt bereits, was es diesmal als Weihnachtsessen geben soll. Im vergangenen Jahr hat er zum ersten Mal selbst einen Gänsebraten gemacht. Für die beiden symphatischen Kirchenmusiker ist die Weihnachtszeit am 26. Dezember auch nicht zu Ende. Sie geht bis Epiphanias, bis zum 6. Januar. „Und so lange brennen bei uns auch die Kerzen“, sagt Solveig Lichtenstein.