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| 07:22 Uhr

Geflüchtete
Arbeit ist Schlüssel zur Integration

Ein früher Einblick in die Arbeitswelt, wie hier bei der Stahlbau Hoffman GmbH, kann Flüchtlingen beim Berufseinstieg helfen.
Ein früher Einblick in die Arbeitswelt, wie hier bei der Stahlbau Hoffman GmbH, kann Flüchtlingen beim Berufseinstieg helfen. FOTO: Sylvia Kunze
Falkenberg. Geflüchtete können nur durch Sprache, Arbeit und Ehrenamtliche in Gesellschaft ankommen. Von Josephine Japke

Was harmonisch begann, endete in einer hitzigen Diskussion: Der von der Friedrich-Ebert-Stiftung initiierte Erfahrungsaustausch zur Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt und das soziale Umfeld sorgte am Montagnachmittag in Falkenberg für reichlich Gesprächsstoff.

„Das Thema ‚Flüchtlinge’ steht seit 2015 auf unserer Tagesordnung“, erklärt Barbara Hackenschmidt, Mitglied des Landtags Brandenburg für die SPD, gleich zu Beginn der Veranstaltung und stellt die Leitfrage des Tages: Wie kann es sein, dass der ländliche Raum einerseits über den Fachkräftemangel klagt und andererseits Flüchtlinge schwierig zu integrieren seien? Laut Claudia Sieber, Bereichsleiterin der Bundesagentur für Arbeit, liege das an Sprachbarrieren, gesundheitlichen Einschränkungen und Traumatisierungen. Vor allem durch Integrationskurse versuche das Jobcenter einige dieser Hindernisse zu überwinden. Viele der Geflüchteten hätten den Kurs schon absolviert oder warten auf dessen Beginn. „Doch viele andere haben rechtlich keinen Zugang zur Sprache. Es scheitert nicht am Willen der Teilnehmer, sondern an der Politik, die ihnen die Teilnahme nicht ermöglicht“, erklärt sie. Wie schwer es ist, Geflüchtete nach ein paar Rückschlägen noch weiterhin zu motivieren, macht Regina Nauck von der Flüchtlingshilfe Herzberg deutlich: „Sie wollen arbeiten gehen und Teil der Gesellschaft werden. Doch weil sie durch die Politik gedrosselt werden, haben sie das Gefühl, dass ihre Mühen umsonst sind.“

Oft werden dann nicht nur die Flüchtlinge müde, sondern auch die Helfer, die ebenfalls keinen Fortschritt erkennen. Dass Deutsch- und Integrationskurse äußerst beliebt sind, kann auch Diana Wolff, Flüchtlingskoordinatorin in Doberlug-Kirchhain, bestätigen und sagt: „Die Nachfrage danach ist enorm groß und wir können gar nicht so viele Kurse anbieten.“ Geflüchtete wüssten, dass Sprache der Schlüssel zur Integration und ein erster Schritt auf dem Arbeitsmarkt sei. Doch zu wenige Unternehmer in Elbe-Elster scheinen das vermeintliche Risiko, das ein Flüchtling mit sich bringt, auf sich nehmen zu wollen. Als die Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte in Elbe-Elster, Stefanie Roth, einen Workshop mit Betrieben zum Thema „Ausbildung von Geflüchteten“ veranstaltete, stieß sie auf breites Desinteresse. „Nur eine handvoll Betriebe meldete sich dafür an, was seltsam und schade war. Denn der Bedarf nach neuen Auszubildenden ist doch da.“ Bei Böllhoff in Sonnewalde hingegen hat man das Potenzial von Geflüchteten erkannt. Einer macht dort eine Ausbildung. „Wir haben mit ihm bisher sehr gute Erfahrungen gemacht. Er möchte hier bleiben und arbeiten. Seine Integration in das Team klappt sehr gut“, berichtet Ausbildungs-Koordinator Hans-Ulrich Müller. Auch, dass ein anderer Geflüchteter die Ausbildung in dem Unternehmen abbrach, um lieber schnell das große Geld verdienen zu wollen, verheimlicht er nicht. Doch das passiere mit deutschen Azubis ebenfalls.

Barbara Hackenschmidt muss sich an diesem Nachmittag häufig kritischen Anmerkungen stellen. Eine kommt von Herzbergs Bürgermeister Karsten Eule-Prütz. „Die Kommunen brauchen mehr als langatmige Förderungen, die Ewigkeiten nicht ankommen. Sie brauchen finanzielle Mittel, auf die sie selber und schneller zugreifen können“, sagt er. Volker Nothing, Kreisvorsitzender der AfD, richtet das Wort ebenfalls an die SPD-Abgeordnete: „Was soll aus der Gesellschaft und Deutschland werden? Wie sicher ist unser Land noch?“, will er den Bogen weit über das Thema des Nachmittags hinaus spannen und sorgt damit für Unruhe.  Einerseits, weil die Moderatorin und Mitarbeiterin der Friedrich-Ebert-Stiftung, Dr. Christina Eisenberg, immer wieder versucht, ihm das Wort abzuschneiden. Andererseits, weil es um diese Frage an diesem Nachmittag in Falkenberg nicht geht, wie Theo Ripplinger, Objektleiter der Erstaufnahmeeinrichtung in Doberlug-Kirchhain verdeutlicht und dafür Applaus bekommt. Weit nach Ablauf der zweistündigen Diskussion fasst Barbara Hackenschmidt zusammen: „Die Zuwanderung ist eine Chance für unsere Gesellschaft und Arbeitgeber, mögliche Lücken zu schließen. Wir müssen nur zugreifen.“