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| 14:11 Uhr

Elbe-Elster-Kreis
Verschlechterung der Situation oder die beste Lösung?

Elbe-Elster-Kreis. Arbeit an einheitlichem Befehlsstellenkonzept wird sehr unterschiedlich gesehen. Von Sylvia Kunze

Die zurückliegenden Stürme haben Handlungsbedarf aufgezeigt. Die Kritik vieler Kameraden, dass die Leitstelle Lausitz nicht mehr hinterherkam, die Einsätze vor Ort zu koordinieren, ist in Erinnerung geblieben. Die aktuelle Arbeit an einem einheitlichen Befehlsstellenkonzept für die Lausitz lässt erneute Kritik aufkommen. Andreas Claus, Bürgermeister in Uebigau-Wahrenbrück, hat für das Drängen des Landkreises, jetzt kommunale Befehlsstellen zu errichten, „kein Verständnis“. Was auf großer Ebene nicht funktioniere, werde wieder mal auf die Kommunen abgewälzt. „Das ist eine absolute Verschlechterung der Situation“, schimpfte Claus in der zurückliegenden Sitzung der Stadtverordneten von Uebigau-Wahrenbrück.

Aber so sei es gar nicht, stellt Reiner Sehring, Leiter des kreislichen Ordnungsamtes, richtig. Er verweist auf die Feuerwehrdienstvorschrift 100. In dieser sei für alle Träger der örtlichen Gefahrenabwehr, also die amtsfreien Gemeinden, die Ämter und kreisfreien Städte, „bindend, die Vorhaltung und Ausstattung von Befehlsstellen als Führungsmittel ihrer Einsatzleitungen vorgegeben“, so Sehring. Man unterhalte sich also über nichts Neues, sondern über seit langem Geltendes. „Hinsichtlich der offensichtlichen klimatischen Veränderungen führt an der Erhöhung der Eigenverantwortlichkeit, der Nutzung modernerer technischer Möglichkeiten und der besseren gemeinsamen Nutzung vorhandener Datenbestände kein Weg vorbei. Zum Vergleich: In den letzten zwölf Monaten gab es vier großflächige Unwetterereignisse, so viel wie in den vier Jahren davor insgesamt,“ begründet Sehring, warum nun das von der Leitstelle Lausitz konzipierte Konzept in Zusammenarbeit mit den Landkreisen und den Kommunen umgesetzt werden soll.

Das Konzept selbst zielt darauf ab, Festlegungen aus der Feuerwehrdienstvorschrift dem Stand der Technik und den neuen Herausforderungen anzupassen. Da gehe es zum Beispiel um Software oder auch um die Anbindung der Befehlsstellen an die Leitstelle und mehr. Andreas Claus meldet dazu dringenden Kommunikationsbedarf an. „Kümmert euch selbst!“, könne aus seiner Sicht keine Ansage sein. Kritik äußert er bezüglich der Erreichbarkeit der Befehlsstelle und an der finanziellen Last, die die Stadt einmal mehr zur Erfüllung der Aufgabe tragen müsse.

Auch da hat Sehring eine klare Ansage: „Zuerst ist es per Gesetz und nachfolgender Rechtsvorschriften so, dass es Sache der Kommunen ist, diese Stellen einzurichten.“ Und die ja längst da sein müssten. Aber er setzt auch hinzu, dass man trotzdem nach Möglichkeiten der materiellen bzw. finanziellen Unterstützung suchen wolle, ohne zum jetzigen Zeitpunkt nähere Details zu nennen.

Anderenorts wird das Befehlsstellen-Konzept weniger kritisch gesehen. „Bei uns funktioniert das schon“, sagt der Schliebener Amtsdirektor Andreas Polz und ergänzt, dass die Befehlsstelle ja nicht ständig gefordert sei, sondern doch nur bei Großschadenslagen. „Wenn ich schnell helfen will, ist das die beste Lösung für den Bürger“, argumentiert Polz. Auch Bärbel Ziehlke, Leiterin des Ordnungsamtes in Bad Liebenwerda, sieht „das positiv. Wir haben gute Voraussetzungen vor Ort und eine schlagkräftige Truppe.“ Man müsse keinesfalls bei Null anfangen, werde womöglich aber künftig organisatorisch einen größeren Bereich abdecken und deshalb nacharbeiten.

Der größere Bereich ist auch für den Finsterwalder Stadtbrandmeister Michael Kamenz ein wichtiger Aspekt. Für ihn kommt die Zusammenarbeit der beiden Städte Finsterwalde und Sonnewalde und des Amtes Kleine Elster zum Tragen. Sie wollen eine gemeinsame Befehlsstelle einrichten. „Das Land macht es sich zu einfach. Es müsste finanzielle Hilfen geben“, fordert auch er.

Für den Hilfe suchenden Bürger ändert sich nichts. Er wählt die Notrufnummer, der die Leitstelle erreicht und von dort bei einer Großschadenslage gegebenenfalls gleich direkt oder auf anderem Weg an die Befehlsstelle weitergeleitet wird.