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| 02:47 Uhr

"Aqua Phönix" ist eine Schiffs-Baustelle

Der komplette Fußboden im Fahrgastraum muss neu verlegt werden. Nach Erfahrungen auf der "Norwegian Jewel" und der "Aida Diva" für André Duschka (Mitte) und Thomas Bunar aus der Tischlerei Duschka in Burg kein Problem. Reederin Marianne Löwa freut sich über den Baufortschritt.
Der komplette Fußboden im Fahrgastraum muss neu verlegt werden. Nach Erfahrungen auf der "Norwegian Jewel" und der "Aida Diva" für André Duschka (Mitte) und Thomas Bunar aus der Tischlerei Duschka in Burg kein Problem. Reederin Marianne Löwa freut sich über den Baufortschritt. FOTO: Rasche
Großkoschen. Der Solarkatamaran vom Senftenberger und Geierswalder See muss über den Winter aufgetakelt werden. Die Reederin Marianne Löwa will mit dem neu ausgestatteten Fahrgastraum ab Karfreitag in die neue Saison starten. Andrea Budich

Ruhiges Fahrwasser, weniger Turbulenzen und volle Kraft voraus - davon ist die "Aqua Phönix" noch seemeilenweit entfernt. Die Jungfernsaison im Vorjahr war dank des Septembers, der alles rausgerissen hat, durchwachsen. Das Geschäft ist noch gut ausbaufähig, wie die Reederin Marianne Löwa zugibt. Zu sehr hatten die anderthalbjährigen Turbulenzen und Stürme mit der einhergehenden Ungewissheit, wann überhaupt erstmals in See gestochen werden kann, Festbuchungen, Hochzeiten und Charterfahrten gedämpft.

Endgültig über Bord werfen kann die 34-Jährige die Last dieser schweren Monate auch jetzt noch nicht. Denn die nicht enden wollende Mängelliste mit amtlich verordneten Nacharbeiten am Fahrgastschiff ist noch längst nicht abgearbeitet. Die Zulassung für die Jungfernsaison war nur eine vorläufige. Die nicht seetauglichen und damit im Fahrgastraum nicht zugelassenen verarbeiteten Materialien müssen schleunigst herunter vom Schiff. "Der insolvente Hauptauftragnehmer hatte billiges Zeug verbaut, mir aber teuerste Materialien in Rechnung gestellt", erklärt die Reederin den Umbau nach nur einem Sommer.

Seit November wird daher im Winterquartier der "Aqua Phönix" klar Schiff gemacht und der Solarkatamaran mit dem Namen des mystischen Vogels ordentlich aufgetakelt. Dazu mussten der Fußbodenaufbau, sämtliche Trennwände und das komplette Mobilar vom Steuerhaus bis zum Thekenbereich herausgerissen werden. Die Holzarbeiten liegen jetzt in den Händen der Fachleute von der Tischlerei Duschka aus Burg. Die Spreewälder kennen sich aus in der Schiffsbranche. Sie haben schon auf Kreuzfahrt-Riesen ihr sicheres Händchen für alles Seemännische bewiesen. Für die "Aqua Phönix" hat Meister André Duschka Bootsbausperrholz in Mahagoni aus Italien ausgewählt. "Die Bretter sind selbst für Außendecks geeignet", erklärt der Chef. Zu den Nacharbeiten im Holzbereich kommt zusätzlich noch die Überprüfung der Elektro-Anlage. Alles in allem wird es für die junge Reederin ein teurer Winter. 140 000 Euro muss sie für die Nacharbeiten und die Abnahme durch verschiedene Sachverständige erneut auf den Tisch legen. Geld, das sie nach der Insolvenz ihres Schiffbauers jetzt komplett aus eigener Kraft aufbringen muss.

Auf der Schiffs-Baustelle wird trotz Eisschicht auf dem See rangeklotzt, damit die Prüfer von der Zentralen Schiffsuntersuchungskommission (ZSUK) aus Mainz im März zufrieden sind und das auf fünf Jahre befristete Schiffsattest ausstellen. Damit will Marianne Löwa dann mit Volldampf voraus zu Karfreitag, von allen Fesseln befreit, endlich beherzt in See stechen. Mit an Bord ist dann auch ein neuer Schiffsführer aus der Rostocker Ecke, der die bisherige Crew verstärkt.

Kurs hält die "Aqua Phönix" wie im Vorjahr zwischen dem Stadthafen Senftenberg und dem Badestrand Geierswalde. Der aktuelle Fahrplan der Schiffslinie wurde für alle vier Touren jeweils um eine halbe Stunde nach vorn geschoben. Damit geht es mit der Tour I um 10 Uhr am Senftenberger Stadthafen los und endet mit der Tour IV um 17.45 Uhr gleichfalls am Stadthafen. Den von den Gästen viel gewünschten Stopp am Anleger Großkoschen wird es im Linienbetrieb nicht geben. "Die Phönix kommt sich ansonsten mit der Barbara in die Quere", erklärt Marianne Löwa. Der Stopp in Großkoschen bleibt die Ausnahme an drei gemeinsam mit aktivtours vorbereiteten Touren.

Dass ihr Schiff mit der großzügigen Panoramaverglasung trotz aller Wellen längst zur schwimmenden Attraktion im Seenland geworden ist, zeigen die vielen Buchungsanfragen, die täglich für die Saison bei Marianne Löwa eingehen. Bis ins Jahr 2018 hat sie schon Termine in ihrem Reservierungsbuch stehen. Darunter auch die erste Hochzeit an Bord. Ein Paar aus Dresden will sich im April auf den Schiffsplanken das Ja-Wort geben. Zum Muttertag sticht die Phönix dann sogar mit Liveband an Bord in See.

Die Reederin, die nebenbei auch daran bastelt, in Großkoschen endgültig heimisch zu werden, wünscht sich für ihre zweite Saison nur eins: Endlich das ruhige Fahrwasser erreichen und jedwede Turbulenzen sicher umschiffen.

Die "Aqua Phönix" und die Santa Barbara im Winterquartier im Hafencamp Großkoschen.
Die "Aqua Phönix" und die Santa Barbara im Winterquartier im Hafencamp Großkoschen. FOTO: Rasche