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| 10:37 Uhr

Am Rand einer Katastrophe
Enorme Waldflächen müssen in Annaburger Heide gefällt werden

 Seit weit das Auge reicht, erstrecken sich die Züge, auf denen das Holz am Bahnhof Fermerswalde verladen wird.
Seit weit das Auge reicht, erstrecken sich die Züge, auf denen das Holz am Bahnhof Fermerswalde verladen wird. FOTO: Sven Gückel
Züllsdorf. Erst war die Dürre, dann kam der Käfer. In der Annaburger Heide müssen wegen Trocken- und Käferschäden enorme Waldflächen gefällt werden. Doch wohin mit dem ganzen Holz? Von Sven Gückel

Nach der Dürre kamen die Käfer. In der Annaburger Heide kämpfen die Forstleute gegen den  massiven Fraß des Borkenkäfers an. Es mussten 200 Hektar Wald dem Kahlschlag freigegeben werden. Weiteren 250 Hektar droht ein ähnliches Schicksal. Das Wort Katastrophe möchte René Bruschke dennoch nicht in den Mund nehmen. Doch in dem, wie er den Zustand der Annaburger Heide derzeit beschreibt, ist der Leiter des Bundesforstbetriebes Mittelelbe, Annaburger Heide, damit schon nah dran. Noch vor einigen Monaten, bekennt er, habe man nicht geahnt, wie schlimm sich die Käferplage auf den Waldbestand auswirkt.

Ausbreiten des Borkenkäfers verhindern

Wer allerdings heutzutage den Blick auf die Kiefernbestände der Region lenkt, wird erschreckend feststellen, dass vielerorts ganze Baumkronenfelder braun gefärbt sind. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Bäume absterben und gefällt werden müssen, soll der Borkenkäfer sich von ihnen ausgehend nicht weiter verbreiten.

 Mit besorgtem Blick betrachtet René Bruschke die Äste eines abgestorbenen Baumes, während sich vor ihm die Fläche des Kahlschlags erstreckt.
Mit besorgtem Blick betrachtet René Bruschke die Äste eines abgestorbenen Baumes, während sich vor ihm die Fläche des Kahlschlags erstreckt. FOTO: Sven Gückel

Angesichts der Gesamtfläche der Annaburger Heide von 11 000 Hek­tar könnte man die vorliegenden Zahlen noch immer als gering ansehen. Doch die hiesigen Forstleute betrachten die Entwicklung mit großer Sorge. Zumal ihnen das aktuelle Beispiel im Harz zeigt, welche Folgen das Sterben der Kiefer für die Zukunft des Waldes haben kann.

Bekämpfung aus der Luft macht keinen Sinn

Im Revier Annaburger Heide registriert Bruschke derzeit ein Schadaufkommen von etwa 130 000 Festmeter Holz, das seit dem Sturm Friederike am 18. Januar 2018 angefallen ist. Normal, sagt er, wären im Vergleichszeitraum etwa 50 000 Festmeter. Da der Forstbetrieb noch immer mit Trocken- und Käferschäden zu kämpfen hat, sind weitere Schadholzmengen schon jetzt absehbar. Besonders bitter ist, dass man sich gegen ein so massives Ausbreiten des Borkenkäfers mitunter nur durch das Abholzen der Flächen wehren kann. Eine Bekämpfung aus der Luft hingegen macht keinen Sinn, da sich das Insekt wie sein Name schon sagt, unter der Borke des Baumes aufhält und damit gegen mögliche Gifte von oben geschützt ist.

Waldbesitzer müssen umdenken

 Die Natur gibt sich nicht auf und lässt diese junge Eiche wachsen.
Die Natur gibt sich nicht auf und lässt diese junge Eiche wachsen. FOTO: Sven Gückel

Laut Waldgesetz sind Waldbesitzer bei Kahlschlag schon ab wesentlich geringeren Mengen verpflichtet, Wiederaufforstungsmaßnahmen vorzunehmen. Die gesetzlich vorgeschriebene Zeit hierfür beträgt fünf Jahre. Die einsetzende Veränderung des Klimas zwingt die Forst dabei zu neuen Denkansätzen. „Für die Begrenzung der Waldränder, insbesondere auf der Elbe zugewandten Seite zwischen Rosenfeld und Groß Naundorf, werden als Erstes schützende Heckenstreifen angelegt. Angedacht sind Arten wie Ginster, Gemeine Hasel, Holunder, Sanddorn, Schlehdorn oder diverse Weiden- und Rosenarten“, erläutert René Bruschke. Bei den aufzuforstenden Waldbeständen hingegen wird man schwerpunktmäßig weiter auf die Gemeine Kiefer, aber auch Trauben­eichen und Rot-Eichen zurückgreifen. Letztere vor allem dort, wo Waldbrandriegel am Entstehen sind. Aus der Erfahrung der letzten schweren Waldbrände heraus gilt es, kurzfristig  auf zehn Kilometer neue Brandschutzschneisen anzulegen. Auf weiteren elf Kilometern müssen jedoch erst Entmunitionierungsarbeiten vorgenommen werden. „Darüber hinaus werden wir auf etwa zehn Kilometern alte Brandschutzschneisen wieder reaktivieren beziehungsweise sie verbreitern“, fügt Bruschke an.

Holzpreis im Sinkflug

Wer glaubt, dass der massive Holzabbau der Forstwirtschaft oder den Privatwaldbesitzern viel Geld in die Kasse spült, irrt gewaltig. Die Industrie schafft es kaum, die Holzmengen aus dem Wald zu holen. Zudem hat sich der Preis im Vergleich zum Vorjahr nahezu halbiert. Da auch die Exportwirtschaft schwächelt, dürfte der Preis wohl weiter fallen. Geld für die nötigen Aufforstungen bleibt damit aus. Um zumindest gegen die Brandgefahr zukünftig besser gewappnet zu sein, investiert die Bundesforst viel Geld in neue Löschwasserbrunnen auf dem Gebiet der Annaburger Heide. Acht Löschwasserbrunnen mit einer Tiefe von bis zu 30 Meter wurden in diesem Jahr bereits angelegt, weitere vier sollen bis Jahresende noch folgen. Insgesamt gibt es dann auf dem gesamten Areal 40 Brunnen.