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| 05:44 Uhr

Natur und Umwelt
Zum Schutz der seltenen Arten

 Mitarbeiter der Stiftung Naturschutz, von Planungsbüros, forstlicher Behörden und der Bundeswehr nahmen an der Zusammenkunft teil.
Mitarbeiter der Stiftung Naturschutz, von Planungsbüros, forstlicher Behörden und der Bundeswehr nahmen an der Zusammenkunft teil. FOTO: Sven Gückel
Herzberg. Naturschützer erarbeiten einen Managementplan für die Annaburger Heide. Von Sven Gückel

Die Annaburger Heide, ein 11 000 Hektar umfassendes Areal, das sich über drei Bundesländer erstreckt, untersteht zum Großteil militärischer Obhut. Interessant ist sie aber auch für Naturschützer, die hier seltene Tier- und Pflanzenarten vorfinden. Ein Managementplan für die in der Heide ausgewiesenen 850 Hektar FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) soll diese Vielfalt langfristig sichern helfen.

Erarbeitet haben den Plan Mitarbeiter der Stiftung Naturschutzfond und das Planungsbüro Rana, ein Büro für Ökologie und Naturschutz aus Halle. Dessen Inhaber, Diplom-Biologe Frank Meyer, hat im Auftrag des Naturschutzfond die Annaburger Heide ausgiebig begutachtet und das Ergebnis nun in Herzberg einem Gremium aus Bediensteten der Stadt Herzberg, der Bundes- und Landesforstbehörden, der umliegenden Landkreise sowie der Bundeswehr vorgestellt.

„In Europa“, so Meyer einleitend, „gibt es über 20 000 FFH-Gebiete, laut EU ausgewiesene spezielle Schutzräume für Pflanzen und Tiere.“ Allein in Brandenburg existieren mehr als 600. In Sachsen-Anhalt sind aktuell 298 Gebiete ausgewiesen. Sie alle gehören zum europaweit zusammenhängenden Netz von Regionen, Natura 2000 genannt, das den Richtlinien der FFH-Gebiete unterliegt.

Zu ihnen gehört auch die Annaburger Heide, in der 887 Hektar als FFH-Gebiet ausgewiesen sind. Das Terrain setzt sich aus drei Teilgebieten zusammen: dem Standortübungsplatz der Bundeswehr, einem Waldgebiet zwischen Buckau und Fermerswalde sowie dem Gebiet Kleinesee, ein Waldgebiet, das sich in Richtung Sachsen erstreckt.

 Um der Heidelandschaft eine Chance zu geben, müssen wild wachsende Bäume immer wieder entfernt werden.
Um der Heidelandschaft eine Chance zu geben, müssen wild wachsende Bäume immer wieder entfernt werden. FOTO: Sven Gückel

Auf ihnen, so Meyer weiter, gibt es viele unterschiedliche Areale, die jedes für sich schützenswert sind. Trockene Sandheiden lassen sich hier ausmachen, ebenso Sanddünen, natürliche Seen, Heideflächen, Flächenlandmähwiesen oder weitläufige Buchen- und Eichenwälder. Erstaunt zeigte sich Meyer darüber, dass auf überaus trockenen Bereichen des Truppenübungsplatzes vielfach Pfeifengras wächst. Das sei angesichts der Wasserarmut dieser Gebiete ein absolutes Novum, erläuterte der Biologe.

Auch über das Vorhandensein von wandernden Sanddünen freuen sich die Naturschützer. Diese, hob Meyer hervor, sollte man unbedingt erhalten. Was wiederum voraussetzt, entsprechende Voraussetzungen zu schaffen. Hölzer, „Windbremsen“, müssten deshalb  in diesen Bereichen entfernt werden, damit die Natur äolische Prozesse, also Transportmechanismen, bei dem Feinmaterial vom Wind über sehr große Entfernungen transportiert wird, in Gang setzen kann. Dies sei innerhalb der Heide natürlich nur da möglich, wo es die militärische Nutzung zulasse, ergänzte er.

Aktuelle Luftbilder zeigten allerdings, dass der Bewuchs in der Annaburger Heide innerhalb der vergangenen zehn Jahre deutlich zugenommen habe. Hier, so der Leiter des Bundesforstbetriebes Mittelelbe Annaburger Heide, René Bruschke, seien allerdings Grenzen aufgezeigt, die man bei der Bewirtschaftung nicht überschreiten könne.

„Innerhalb der Heide gibt es mindestens 1000 Hektar, die mit Restmunition so stark besetzt sind, dass ein Betreten ausgeschlossen ist“, verdeutlichte er. Auch für Bundesforst und Bundeswehr sei dies eine absolute Sperrzone. Gehölzentnahme, Mahd oder gar ein kontrolliertes Abbrennen der Flächen, wie von den Naturschützern gewünscht, sind deshalb völlig ausgeschlossen.

Dennoch gibt es zahlreiche Berührungspunkte, in den sich Naturschutz und Forstwirtschaft nah kommen. Beide sind sich darüber einig, dass die Annaburger Heide ein schützenswertes Areal ist, das selbst vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten wie dem Eisenfarbigen Sandfalter oder dem Federmoos ein Zuhause bietet. Darüber hinaus können Biber, Fischotter oder seltene Fledermausarten hier unbeschwert leben.

Welche Auswirkungen die Wasserknappheit der vergangenen Monate langfristig für die Annaburger Heide haben wird, lässt sich derzeit noch nicht erfassen. Allein das massive Auftreten des Borkenkäfers und die damit notwendig gewordene Abholzung großer Waldflächen zeigt, dass man langfristig neue Bewirtschaftungskonzepte erarbeiten muss. Gleichsam möchte man aber verhindern, dass sich artfremde Gewächse wie die Traubenkirsche, die mit den klimatischen Bedingungen besser zurecht kommen, hier massiv ausbreiten.

In den kommenden Wochen soll der erstellte Managementplan nun intensiv debattiert werden, um so alle Bedenken einzuarbeiten oder auszuräumen. Erst dann gilt er als beschlossen und verbindlich.