ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:38 Uhr

Angekommen und angenommen

Hans-Peter Klie (l.) hat zur Eröffnung seines Ateliers in Kolochau und seiner Ausstellung "Synopse" viele Besucher begrüßen können.
Hans-Peter Klie (l.) hat zur Eröffnung seines Ateliers in Kolochau und seiner Ausstellung "Synopse" viele Besucher begrüßen können. FOTO: dmu
Kolochau. Die Kunstlandschaft in Elbe-Elster ist um eine Anlaufstelle reicher. In Kolochau hat der aus Berlin stammende Künstler Hans-Peter Klie sein Atelier und Kunstarchiv und zeitgleich auch seine Ausstellung unter dem Thema "Synopse" eröffnet. Sylvia Kunze

"Ich fühle mich angenommen", atmet Hans-Peter Klie nach all dem Trubel erleichtert durch. Angenommen in seinem neuen Zuhause. Angenommen aber auch in seiner Kunst.

"Synopse" - darunter versteht der aus Berlin stammende Künstler, der sich in Kolochau niedergelassen hat und hier Ruhe für sein Leben, aber auch für sein weiteres Schaffen sucht, Malerei, Fotografie, Video und Installationen aus vier Jahrzehnten seines Wirkens. Drei Monate hat er damit zugebracht, Exponate zu begutachten, zu beurteilen und auszuwählen, denn in seinen 40 Berufsjahren ist einiges zusammengekommen. Wie einen roten Faden finden? Wo anfangen? Was weglassen?

Die Antworten auf diese und viele andere Fragen im Zusammenhang mit der Auswahl der zu präsentierenden Objekte findet der Besucher in der Ausstellung. Die bestenfalls unter fachkundiger Führung des Künstlers selbst stattfindet, wie am Wochenende mehrfach geschehen. Hans-Peter Klie begrüßte dazu sowohl Interessierte aus der Region als auch Gäste aus dem Berliner Raum. "Ich bin auf viele offene Ohren gestoßen und guten Mutes", sagt er mit Blick auf sein weiteres Schaffen vor Ort.

Gemeinsam mit den Kolochauern

Das soll unbedingt weiter in engem Kontakt mit den Kolochauern erfolgen. Klie ist nicht aufs Land gezogen, um sich einzuigeln und in einer eigenen Welt zu leben. Klie will teilhaben und mitgestalten. Ebenso, wie am vergangenen Wochenende, als er vor die Atelier- und Ausstellungseröffnung am Samstag noch zu einem Konzert in der Dorfkirche eingeladen hat, oder als er gemeinsam mit der Interessengemeinschaft "Historisches Feld" am Sonntag agierte.

Seine Verbundenheit, sein Dabeisein, sein Mittun fällt auf und fällt ins Auge. "Hans-Peter Klie hatte von Anfang an eine Affinität zum alten Pfarrhaus der Gemeinde Kolochau, die eine wechselvolle Geschichte gesehen hat und sich im 19. Jahrhundert noch mit ,C' schrieb. Das Ambiente des Ortes war Klie wichtig, das Nebenan der kunsthistorisch bedeutenden, sorgfältig restaurierten Kirche, das Gegenüber des ehemals repräsentativen Herrenhauses, heute ein Kulturort mit musealen Schätzen, etwa einem alten Schulzimmer, und Sitz der rührigen Interessengemeinschaft Historisches Feld.

Hier fand Klie eine alte Ansicht des Kolochauer Bahnhofs, die er als Einladung verschickte, nicht ohne mit altdeutscher Schrift darauf seinen Namenszug zu ergänzen, ,mit freundlichen Grüßen, ... Ihr H.P. Klie', ganz so, als wäre er immer hier ansässig gewesen.

Großer Fundus

Wenn das keine Liebeserklärung an Kolochau ist!", stellte auch Kunsthistorikerin Barbara Straka aus Potsdam in ihrer Eröffnungsrede fest. Und sie hat auch eine Erklärung dafür: "Mit anderen Worten: Klie hat hier seinen Ort gefunden. Wie kommt es nun aber zu dieser Sympathie, zu dieser Identifikation? Man muss wissen, Klie ist ein leidenschaftlicher Sammler. Schon in seinem Berliner Arbeitszimmer sah es aus wie in einem gut geführten Kontor. Vielleicht nennen ihn seine Freunde deshalb auch ‚Hanno'. Familiengeschichte à la Buddenbrooks hatte sich dort manifestiert: meterweise Regale, Arbeitstische und Archivschränke. Solides Handwerkszeug reihte sich an skurrile Fundstücke und schlichte Gebrauchsgegenstände, ein lebendiger, unerschöpflicher und ständig wachsender Fundus, aus dem sich Hans-Peter Klie in seiner Kunst bedient. Nun ist das alles hier in Kolochau versammelt: Kunst und Archiv, Kunst als Archiv, eine Sammlung, die zum Archiv wurde, ein Archiv, das heute zur Kunst wird."

Zum Thema:
Geöffnet ist das Atelierhaus in Kolochau an folgenden Terminen jeweils von 11 bis 18 Uhr: 11./12. Juni, am 16./17. Juli, am 17./18. September sowie am 15./16. Oktober (Finissage mit Kunst-Videos) sowie nach Vereinbarung: Telefon 0163 9702657 oder E-Mail klieart@gmx.de