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| 02:42 Uhr

Am Kiebitzer soll es lockerer zugehen

Wer am Kiebitzsee an seinem Wochenendgrundstück Umgestaltungen vornehmen will, muss vorher im Bebauungsplan beziehungsweise in der Gestaltungssatzung nachlesen, was statthaft ist.
Wer am Kiebitzsee an seinem Wochenendgrundstück Umgestaltungen vornehmen will, muss vorher im Bebauungsplan beziehungsweise in der Gestaltungssatzung nachlesen, was statthaft ist. FOTO: Dieter Müller/dmu1
Falkenberg. Aktuell regeln ein Bebauungsplan für einen Teil des Kiebitz-Geländes und eine Gestaltungssatzung für den anderen Teil rund um den See, was Grundstückseigentümer auf ihren Parzellen baulich tun dürfen und was nicht. Die Vorgaben seien zu eng bemessen, bemängeln nun immer mehr Stadtverantwortliche und Anlieger. Die Idee ist aufgekommen zu prüfen, ob künftig der Gestaltungsspielraum vergrößert werden kann. Sylvia Kunze

Die Zeiten haben sich gravierend geändert. Glaubte man kurz nach der Wende noch an den großen Aufschwung am Falkenberger Kiebitz-See und große Nachfrage nach den Wochenendgrundstücken darum herum, so ist die Situation heute eine ganz andere. Die übergroße Konkurrenz aus den aufstrebenden und territorial recht nah gelegenen Lausitzer und ebenso Leipziger Seenland lässt die Falkenberger Stadtverantwortlichen die Situation vor Ort am See sehr viel nüchterner betrachten. "Wir sind froh, wenn dort alles bewirtschaftet ist und in Schuss bleibt", sagt Bürgermeister Herold Quick, worauf jetzt das Hauptaugenmerk liegt.

Was heißt, dass die Randbedingungen stimmen müssen. Als eine wichtige wird der Gestaltungsspielraum auf den Parzellen angesehen — von Stadtverantwortlichen ebenso wie von Eigentümern der Grundstücke. Erst ein jüngst gestellter Bauantrag zeigte auf, dass Vorschriften so manchem Wunschdenken einen Strich durch die Rechnung machen könnten. Beispiel: Bei einer Modernisierung soll das Nebengebäude nicht separat und aus Holz errichtet werden, sondern gleich massiv an das Wochenendhaus anschließen. Auch die geplante Dachneigung weicht von der Vorgabe ab.

Die Abgeordneten haben sich entschieden, eine Ausnahme zu machen und dem Ansinnen zuzustimmen. Zugleich haben sie bei der Diskussion die Verwaltung beauftragt zu prüfen, welche Lockerungen generell möglich wären. "Wir gehen das an", sagt das Stadtoberhaupt. "Aber ordentliche Aussagen können wir dazu nicht sofort treffen", sagt Bauamtsleiterin Gundula Manigk.

Es soll keine Hau-Ruck-Aktion werden, denn das Areal des Erholungsgebietes "Kiebitz" befindet sich zum einen in einem Landschaftsschutzgebiet und zum anderen in einem Außenbereich. Allein aus diesen beiden Einstufungen leiten sich Vorgaben ab, an denen bei bestem Willen nicht gerüttelt werden könne. Gundula Manigk benennt spontan als ein Beispiel das Detail Einfriedung. Dazu habe es schon häufiger Dispute gegeben. Denn dem oft geäußerten Wunsch, eine Thuja-Hecke als Objektbegrenzung wachsen zu lassen, konnte nicht entsprochen werden. "In einem Landschaftsschutzgebiet nicht machbar", sagt die Bauamtschefin. "Daran werden wir auch zukünftig nichts ändern können. Da würden die verantwortlichen Behörden nie mitgehen."

Spielraum sieht sie schon eher bei solchen Details wie Dachgestaltung, Höhenvorgaben, Fassadenansichten. "Wir werden jetzt erst einmal zusammentragen, welche Änderungswünsche am häufigsten vorgebracht werden und dann anhand der Bauvorschriften prüfen, was machbar ist", sagt die Verwaltungsangestellte. "Darüber hinaus muss auch darüber nachgedacht werden, ob wir nur die Gestaltungssatzung anfassen oder auch den Bebauungsplan. Aber das würde bedeuten, dass wir dafür richtig Geld in die Hand nehmen müssten", macht der Bürgermeister deutlich.

Zum Thema:
Knapp 180 Bungalows gehören zu den drei Siedlungen am Kiebitz-See. Lediglich um die 20 sind noch nicht verkauft. Die anderen befinden sich inzwischen alle (abgesehen von den wenigen der Stadt) in privater Hand.Regelrechten Streit um die Gestaltungsvorgaben hat es in der zurückliegenden Zeit nicht gegeben. "Die Grundstückseigentümer wissen um die Einschränkungen und haben sich weitgehend darauf eingestellt", heißt es dazu aus dem Rathaus.Baudisziplin sei hauptsächlich auch eingezogen, seitdem regelmäßig mithilfe von Luftbildern überprüft werde, ob man sich an die Vorgaben halte, hat man im städtischen Bauamt beobachtet.