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Verein NH-HH-Recycling
Alte Sicherungen für junge Leute

Ein Lernzirkelwagen für eine noch bessere Ausbildung. Alle Beteiligten freuen sich darauf: Birgit Zwicknagel, Fritz Schmidt, Harald Kownatzky, Petra Schäfer und Jens Jäger (v.l.)
Ein Lernzirkelwagen für eine noch bessere Ausbildung. Alle Beteiligten freuen sich darauf: Birgit Zwicknagel, Fritz Schmidt, Harald Kownatzky, Petra Schäfer und Jens Jäger (v.l.) FOTO: Rico Meißner
Uebigau. Der Verein NH-HH- Recycling hat einen Lern- zirkelwagen an die Ausbildungsstätten der Uebigauer Firmen Efen und Uesa übergeben. Rico Meißner

"Sie sind einfach zu schade für den Müll." Was Harald Kownatzky bei seinem kürzlichen Besuch der Efen GmbH in Uebigau damit meint, sind Sicherungen. Um genau zu sein, Sicherungen vom Typ NH und HH (Niederspannungs- und Hochspannungshochleistungssicherungen). Kownatzky ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Vereins NH-HH-Recycling. Der 1995 gegründete Verein hat sich seit mehr als 20 Jahren auf die Fahnen geschrieben, abgeschaltete Sicherungseinsätze sinnvoll wiederzuverwerten.

Als ein Ergebnis dessen hat er vor einigen Tagen einen "Lernzirkelwagen Überstromschutzorgane" an die Firmen Efen und Uesa übergeben. Der Wagen verfügt über sieben Koffer, die für die Ausbildung gedacht sind. Vor allen Dingen geht es darum, dass Auszubildende plastische Anschauungsobjekte wie Sicherungseinsätze und Schutzschalter selbst in der Hand halten können. Lehrbücher und Formelsammlungen ergänzen das Ganze. Der Gegenwert des Wagens liegt bei ungefähr 7000 Euro. Mehr als 100 solcher Wagen sind bereits an Ausbildungsstätten gegangen. "Das Gute hierbei ist, dass es ein learning by doing ergibt", macht Birgit Zwicknagel vom Verein deutlich. "Das ist sehr wertvoll für uns. Wir arbeiten ja auch daran, selber eigene Lehrmittel zu bauen. Von daher passt ein so komplett durchdachter Lernzirkelwagen prima in unser Konzept", so Jens Jäger, Ausbildungsleiter bei der Uesa GmbH, bei der Übergabe. Die Lehrmittel werden die Uesa und Efen nun gemeinsam für die Ausbildung nutzen. Harald Kownatzky wirbt gleichzeitig für eine noch größere Beteiligung an der Initiative "Sammeln Sie mit". Brandenburg sei mit der bisherigen Leistung vorbildlich in den neuen Bundesländern, allerdings sei "überall noch Luft nach oben", sagt er.

Bundesweit unterhält der Verein NH-HH-Recycling ein Netz von Sammelstellen für ausgediente Schmelzsicherungen. Viele davon sind mehr als 30 Jahre alt. In erster Linie geht es dabei um die Wiedergewinnung von Kupfer und Silber. Die restlichen Bestandteile werden als Schlacke verwendet. Dies "schont unsere Umwelt, spart Energie und wertvolle natürliche Ressourcen", so der Verein. Seit der Gründung zieht er folgende Bilanz: etwa 3500 Tonnen gesammelte Schmelzsicherungen und daraus gewonnene etwa 570 Tonnen Kupfer und ungefähr acht Tonnen Silber. Die Einsparung von Erz und Abraum wird mit mehr als 480 000 Tonnen, die Energieeinsparung mit etwa 10 000 MWh angegeben. Das Einsammeln der Sicherungen erfolgt über Gitterboxen, in die teilnehmende Unternehmen, wie die in Uebigau, ihre demontierten Sicherungseinsätze geben. "Wir leben diesen Kreislauf", so Kownatzky. "Wir verwerten die Sicherungen zu hundert Prozent. Ich glaube, das ist eine beispiellose Geschichte." Probleme bereiteten in der Regel beim Recycling die gesundheitsgefährdenden Stoffe. "Da haben wir bei älteren Exemplaren etwa Cadmium, Asbest und teilweise halogenhaltige Kunststoffe". Abzüglich aller Kosten gehen die Erträge aus der Wiederverwertung komplett in die praktische Ausbildungsförderung von Berufen in der Elektrobranche und als Spenden für Lehre und Bildung im Bereich Elektrotechnik.

Fachleute sind immer wieder amüsiert darüber, dass Laien davon sprechen, dass Sicherungen kaputt seien. Dem widerspricht Harald Kownatzky: "Eine Sicherung geht nicht kaputt, sie hat einfach nur ihren Job gemacht." Also: Sie ist viel zu schade für den Müll.