Bleibt zu erwähnen, dass selbst die Vereinsmitglieder vom Herzberger Kultur- und Heimatverein, die einen Großteil der Gruppe von Zuhörern ausmachten, bis vor kurzem diesen Namen selbst noch nie gehört hatten. Im Zuge ihres Wert zu schätzenden Vorhabens herauszufinden, welche bedeutenden Persönlichkeiten in vergangener Zeit in Herzberg geboren wurden oder in der Elsterstadt logierten - und vor allem in welchen Häusern - ist man auch auf den Arzt Eugen Rahnenführer aufmerksam geworden. Und für Horst Gutsche, den nimmermüden Heimatforscher, war es geradezu faszinierend zu erfahren, dass dieser Mann auch ein bekannter Numismatiker war, und damit dem selben Hobby frönte, wie hierzulande die Herzberger Münzfreunde, deren Vorsitzender eben Horst Gutsche ist.
Mit nahezu detektivischem Vorgehen hat der Heimatfreund Stück um Stück eines Knäuels entwirrt, bis der Faden - also der Lebensweg des Eugen Rahnenführer - offen vor ihm lag. Und in Herzberg hatte alles angefangen. Gutsche berichtet: „Unbekannt war, wo dieser Mann in Herzberg geboren wurde. So forschte ich im Standesamt in alten Eintragungen und machte eine überraschende Entdeckung: Tatsächlich fand ich den von mir gesuchten Namen, doch nicht den Geburtsort.“ Auch die Standesbeamtin habe erstaunt reagiert, als in der Spalte „Geboren“ der Vermerk „in der Wohnung“ stand.
So suchte Horst Gutsche kopfschüttelnd und dennoch schmunzelnd über diese Merkwürdigkeit einen anderen Weg und hatte die Idee, in den Wählerlisten der damaligen Zeit nachzuschauen. Mit der aufgeregten Entdeckerfreude, die sich vor jedem neuen Schritt vor allem auch zu Hause zeigte, steckte er auch seine Frau an, die ihm seit vielen Jahrzehnten auch bei seinem Hobby treue Weggefährtin ist.
Der tiefe Atemzug, der dann seine Lunge füllte, als er im Städtischen Archiv tatsächlich einen Hinweis fand, wurde sogar noch spürbar, als er vor wenigen Tagen in der Redaktion davon erzählte: „Ich wusste, dass es im Jahr 1887 eine Wahl in Herzberg gegeben hatte. Und in diesen Unterlagen stand in einer Spalte der Wählerlisten auch der Name Ferdinand Rahnenführer. Es war der Vater von Eugen.“ Doch nur einen Moment lang glaubte er, am Ziel zu sein und auch zu erfahren, wo denn die Familie damals gelebt hatte. Vermerkt war das zwar, doch als Hausnummer war die Zahl 276 zu lesen. Wo in aller Welt mochte in Herzberg eine so lange Straße sein? Horst Gutsche kam die Erleuchtung sehr rasch: „Mir war aus früheren Recherchen bekannt, dass alle Häuser durch eine preußische Verordnung im Jahr 1898 von der Ziffer 1 an neu nummeriert wurden.“
Das war der Zeitpunkt, wo er als „Detektiv in historischer Mission“ auf den Nachlass seines Freundes und Mitstreiters Kurt Hartwich zurückgreifen musste und an dessen Wohnungstür bei seiner Witwe klingelte. Bewegt erzählt er: „Elfi hat keinen Moment gezögert, und es dauerte gar nicht lange, da präsentierte sie mir genau das, was ich suchte: Das Haus mit der früheren Nummer 276 ist das Gebäude in der heutigen Torgauer Straße 4.“
Mit dieser Erkenntnis und dem Wissen, dass es sich bei dem Autor eines bekannten numismatischen Werkes um den in Herzberg geborenen Eugen Rahnenführer handelt, war der „Fall“ gelöst. „Naja, nicht ganz“ , fügt Horst Gutsche schnell an. Denn unbekannt ist bisher, wo jene Münzsammlung verblieben ist, die Eugen von seinem Vater nach dessen Tod im Jahr 1911 geerbt hat. „Diese muss wohl auch Anlass dafür gegeben haben, dass sich der junge Mann fortan und Zeit seines Lebens neben der Medizin mit der Numismatik beschäftigt hat“ , mutmaßt Horst Gutsche. Der Herzberger Heimatforscher hat sich jetzt aus dem Internet Personen mit dem Namen „Rahnenführer“ herausgesucht und führt mit einigen bereits Korrespondenz. Es wäre dem Heimatverein, den Münzfreunden, vor allem aber dem „Detektiv“ Horst Gutsche zu wünschen, dass er auf diese Weise noch für eine Überraschung sorgen kann.
(Die Leser des neuen Heimatkalenders dürfen sich übrigens über einen Artikel von Horst Gutsche freuen, in dem er ausführlich auf das Leben und Wirken von Rahnenführer eingeht.)

Gut zu wissen Arzt und Numismatiker
 Im Alter von acht Jahren verließ Eugen Rahnenführer Herzberg, besuchte in Halle das Gymnasium, studierte Medizin und praktizierte als Psychiater. Er war in Kliniken des sächsischen und mitteldeutschen Raumes tätig, wirkte pflichtbewusst als leitender Arzt, wurde Regierungsobermedizinalrat. Erst nach seinem Tod hat man sein umfangreiches numismatisches Manuskript als Buch herausgegeben.