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Alles beim Alten oder völlig neu?

Der Herzberger Neumarkt ist ein besonderes Fleckchen in der Innenstadt, der saniert werden soll. Nur wie?
Der Herzberger Neumarkt ist ein besonderes Fleckchen in der Innenstadt, der saniert werden soll. Nur wie? FOTO: Rudow
Herzberg. Über den Herzberger Neumarkt wird in nächster Zeit viel zu reden sein. Er ist einer der wenigen Bereiche im Sanierungsgebiet der Herzberger Innenstadt, an den noch nicht Hand angelegt wurde. Birgit Rudow

Doch das soll sich ändern. Das Planungsbüro und die Bauverwaltung arbeiten derzeit an der Vorplanung und haben zum jüngsten Bauausschuss zur Vorstellung einiger Varianten die Anwohner eingeladen. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass es ein langer Weg wird, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.

Den Ist-Zustand des Neumarktes beschreibt Michael Haß vom Planungsbüro Steinbacher Consult so: Das historische Pflaster in der etwa 125 Meter langen Straße ist total uneben, es kommt zu Wasseransammlungen. Den Bäumen fehlt Raum, sie können kaum noch Nährstoffe aufnehmen. Die Baumkronen sind ein Hindernis für Lkw, die Straßenbeleuchtung ist unpassend, ebenso die Straßenraum-Ausstattung. Ziel sei es, so der Planer, die historische Funktion des Marktes aufzugreifen und an Dingen wie dem Natursteinpflaster, der Schwingelpumpe, dem Pferdeanbinder vor der Gaststätte und der individuellen Randgestaltung festzuhalten. Die Straße könnte in zwei Abschnitte geteilt werden. In den verkehrstechnisch mehr genutzten Bereich zwischen Torgauer Straße und Einfahrt Sparkasse, und in den hinteren Bereich bis zur Nordpromenade. Dort könnte die Straße geschwungen nur einspurig verlaufen. Die gesamte Fläche würde angehoben werden und so an Breite und Gestaltungsmöglichkeiten gewinnen, wie zum Beispiel Sitzgelegenheiten rund um die Pumpe. Die Zahl der Stellplätze würde minimiert. Alle Verkehrsteilnehmer - Autos, Radfahrer und Fußgänger - sollen gleichberechtigt sein.

Problematisch wird die Sache bei den Bäumen. Ihr Lebensraum sei sehr eng. Man müsste in den Wurzelbereich eingreifen, was ihre Lebensdauer begrenzen würde, so der Planer. Er schlug vor, Neuanpflanzungen vorzunehmen, die sich auch dem Straßenbild besser anpassen, sprich dichter an die Häuser rücken würden. Außerdem sei vorgesehen, auch am Neumarkt die ortsübliche Beleuchtung wie in der Apothekergasse weiterzuführen.

Michael Haß hat aber auch aufgezeigt, was zuständige Behörden zu diesen Vorschlägen mitgeteilt haben. Die untere Naturschutzbehörde des Kreises empfiehlt zu prüfen, ob der Baumbestand nicht erhalten bleiben kann, sagt er. Wenn nicht, solle der Alleencharakter aber wieder hergestellt werden. Die untere Denkmalschutzbehörde habe den Herzberger Altstadtkern als Denkmalbereich ausdrücklich hervorgehoben, so Haß. Sie fordert eine Orientierung am Bestand, also die Beibehaltung der Bordhöhe, Parkplätze nur in Längsrichtung, keine geschwungene Fahrbahn und Wahrung des Baumbestandes. Diese Forderungen, so Haß, ließen die Planungen stagnieren. "Wir müssen Kontakt zu den Behörden aufnehmen", sagt er.

Die Anwohner des Neumarktes - so viele sind es bei 16 Häusern nicht - scheinen sich mit den Vorschlägen der Planer auch nicht besonders anfreunden zu können. In der Straße gibt es viele Diskussionen. Am morgigen Samstag wollen sie sich um 18 Uhr in der Gaststätte "Bohemia" treffen und gemeinsam beraten. Anwohner Harald Donath hat mit einigen Mitstreitern in einem 10-Punkte-Programm Meinungen und Vorschläge in Richtung Stadtverwaltung und Planungsbüro erarbeitet. "Wir sind in Kontakt und reden ganz sachlich miteinander", beugt er dem Anschein vor, dass es Streit gebe. Aber die Bürger wollen den Charakter ihrer Straße so behalten, wie er ist, als Alleestraße. "Die Bäume bräuchten nicht weg. Die Einfriedungen müssten nur vergrößert und die Bäume regelmäßig geschnitten werden", sagt Donath. Gehwege und Pflasterung sollen in jetziger Form saniert werden. Eine Sitzgruppe an der Pumpe brauche man nicht. Harald Donath hat eine Skizze zu den Vorstellungen der Anwohner angefertigt. Es wird noch viel zu reden sein über den Neumarkt.