(sk) So viele Fahrradfahrer auf einem Fleck hat man in Marxdorf schon lange nicht mehr gesehen. Dass sie zusammengekommen sind, hat einen guten Grund. Bei einer Fahrraddemo soll auf den nötigen Bau eines straßenbegleitenden Radweges entlang der B 183 von Marxdorf über Bönitz bis nach Lausitz aufmerksam gemacht werden. An die 100 Fahrradfahrer sind der Aufforderung der Wählergruppe LAW (steht für Leben, Arbeiten und Wohnen auf dem Land in Uebigau-Wahrenbrück) gefolgt und wollen der Forderung nach einem solchen Radweg Nachdruck verleihen.

„Auf der Bundesstraße bei dem vielen Lkw-Verkehr zu fahren, das traut man sich nicht mehr“, sagt Helga Kühn. Die Seniorin nutzt für Fahrradausflüge deshalb eher Schleichwege. Auch Thilo Rudat aus Marxdorf sagt unumwunden: „Wer auf der Bundesstraße mit dem Fahrrad unterwegs ist, muss lebensmüde sein. Der Verkehr ist außerirdisch.“ Insbesondere für die Kinder, die von und zur Schule gelangen und mal nicht auf den Bus angewiesen sein wollen, wünscht er sich eine schnelle Lösung des Problems.

Das Bemühen um einen solchen Radweg reicht schon viele Jahre zurück. Wie Hans Ulrich Nink, für die Wählergruppe gerade frisch in das neu gewählte Stadtparlament von Uebigau-Wahrenbrück eingezogen, in einer Bestandsaufnahme auflistet, steht der Radweg bereits seit 2006 auf einer kreislichen Prioritätenlisten, das Stück von Lausitz nach Bönitz damals mit Priorität 3 versehen, das von Bönitz nach Marxdorf mit Priorität 4. Eine Unterschriftensammlung 2009 in Bönitz, Marxdorf und Umgebung hatte ein schnelles Bearbeiten gefordert.

Bei einer erneuten Beschlussfassung 2011 auf Kreisebene folgte ein bitteres Erwachen. Lausitz-Bönitz war noch auf der Prioritätenliste, Bönitz-Marxdorf nicht mehr. Und es sollte noch schlimmer kommen. Auf Landesebene ist zwei Jahre später in der Bedarfsliste die B 183 gar nicht mehr aufgeführt. Das hat für viel Empörung gesorgt und zahlreiche Aktionen und Gespräche nach sich gezogen. Bürgermeister Andreas Claus versichert nachdrücklich, dass er seit dem jede mögliche Gelegenheit nutzt, um diesen und andere wichtige Radwege im Stadtgebiet einzufordern.

Aktuell, das ergeben Ninks Recherchen, ist der Radweg Lausitz-Bönitz mit einer Länge von 4,434 Kilometern in der Kategorie des vordringlichen Bedarfs in den Jahren 2026-2030 eingeordnet. „Das erleben wir nicht mehr“, winken zwei Rentner, die das Geschehen vom Rande verfolgen, ab.

Aber geht es nach den Anwesenden, soll es auch gar nicht mehr so lange dauern. Sie fordern eine Überarbeiten der Bedarfs- und Prioritätenlisten. „Der Radweg Lausitz-Marx­dorf“ muss in die Kategorie der in Planung und Umsetzung befindlichen Maßnahmen des Landesamtes für Straßenwesen spätestens für den Zeitraum 2021-2025 rutschen“, heißt es. Und außerdem: „Weiterhin muss der Radweg entlang der L 672 zwischen Marxdorf und Schmerkendorf umgehend wieder auf die Prioritätenliste des Landkreises und des Landes, nachdem auch er 2010/2011 gestrichen wurde.“

Doch damit nicht genug. Mit dem Blick auf das Umland wird die Neuaufnahme der Radwege entlang der Kreisstraße K 6215 von Bönitz nach Zinsdorf als Lückenschluss und zur Schulwegsicherung sowie entlang der L 662 von Uebigau über Beiersdorf, Bönitz, Kauxdorf, Saxdorf und weiter nach Langenrieth bis zur L 66 Burxdorf (Mühlberg) in den vordringlichen Bedarf gefordert.

„Wir Bürger der Ortsteile Beiersdorf, Bönitz, Kauxdorf, Marxdorf und Saxdorf haben in den letzten Jahren viel Geduld und Kompromissbereitschaft bewiesen. Aber die sind aufgebraucht“, sagt Nink.