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| 11:20 Uhr

Ahlsdorf
Ahlsdorf rettet seine Jungstörche

Die beiden Jungstörche in Ahlsdorf schauen neugierig aus dem Horst. Die Ahlsdorfer hoffen, dass der Nachwuchs es diesmal schafft und flügge wird.
Die beiden Jungstörche in Ahlsdorf schauen neugierig aus dem Horst. Die Ahlsdorfer hoffen, dass der Nachwuchs es diesmal schafft und flügge wird. FOTO: LR / Rudow
Ahlsdorf. Werner Thinius versorgt die Tiere regelmäßig mit Wasser und Hühnchenfleisch. Von Birgit Rudow

Werner Thinius ist ein ausgesprochener Tierfreund. Ob Hund, Katze, Wildschwein oder Vögel – bei Familie Thinius in Ahlsdorf wurde schon so manchem Tier geholfen. Besonders am Herzen liegen dem 78-Jährigen, der von 1972 bis 2004 Bürgermeister des Ortes war, die Störche. Obwohl die es in Ahlsdorf gar nicht so leicht haben. „Wir haben es noch nie erlebt, dass unsere Störche ihre Jungen zum Fliegen gebracht haben. Sie haben nie überlebt“, erzählt er. Warum das so ist, das können sich die Ahlsdorfer eigentlich nicht erklären. Vor etwa zehn Jahren, nach der Erdverkabelung der Stromleitungen, haben sie den Störchen extra einen Mast aufgestellt. Den haben sie auch angenommen. Die Jungen sind dennoch nie flügge geworden. „Unsere Gegend ist nicht sehr storchenfreundlich. Sie ist sehr trocken, es gibt keine Niederungen und keine Sumpfgebiete. Ich wundere mich, dass die Störche den Horst überhaupt belegen“, so der Ahlsdorfer. Und in diesem Jahr ist es mit der Trockenheit besonders schlimm.

Vor gut drei Wochen war es, als Werner Thinius in seinem Garten saß, und Adebar im Tiefflug vorbei kam. „Ich hatte das Gefühl, er hat abgebremst und mich mit traurigen Augen angesehen, als wollte er sagen: Hilf mir. Da musste ich etwas unternehmen. Egal, ob es klappt oder nicht. Ich habe mir auch Rat bei Storchenkennern geholt“, erzählt er.

Im Ergebnis hat Werner Thinius eine Plastikwanne, in der früher die Flugenten gebadet haben, hervorgeholt, zum Mast gebracht und mit Wasser und einigen der vielen Goldfische aus seinem Teich gefüllt. Doch die Störche haben nur die kleinen Fische rausgepickt. Dann ist Tochter Heike die Idee mit dem geschnetzelten Hühnchenfleisch gekommen. Sie hat gleich drei Packungen aus dem Supermarkt geholt. „Das haben die Störche sofort angenommen. Die Alten haben das Wasser und das Fleisch aus der Wanne zu ihren Jungen gebracht“, so der Ahlsdorfer. Seitdem schafft er jeden zweiten Tag im Handwagen drei Gießkannen Wasser und Hühnchenfleisch zu den Adebars. „Von dem Fleisch aber nicht zuviel. Nur als Überlebenshilfe. Es soll die Tiere nicht satt machen. Sie sollen schließlich ihren Jagdinstinkt behalten“, sagt er. Auch Nachbarn füllen die Wanne ab und an mit Wasser. Die Störche und andere Vögel nutzen es mitunter sogar zu einem Bad in der Sommerhitze.

Das Experiment funktioniert. Die beiden Jungvögel auf dem Horst sind quicklebendig. Werner Thinius will sie auch weiterhin versorgen, bis sie ihre Flugschule beendet haben.

Ganz Ahlsdorf nimmt Anteil an dem Versuch der Storchenrettung. „Die Leute freuen sich und hoffen mit uns, dass wir die Jungen mit vereinter Kraft diesmal durchbekommen. Das wäre das erste Mal“, sagt Werner Thinius, und für den Tierfreund aus Ahlsdorf ein ganz besonderer Erfolg.

All zwei Tage füllt Werner Thinius die Plastikwanne am Horst mit frischem Wasser und Hühnerfleisch auf.
All zwei Tage füllt Werner Thinius die Plastikwanne am Horst mit frischem Wasser und Hühnerfleisch auf. FOTO: LR / Rudow
Freund Adebar lässt dann nicht lange auf sich warten und versorgt die Jungen mit der bereitgestellten „Überlebenshilfe“.
Freund Adebar lässt dann nicht lange auf sich warten und versorgt die Jungen mit der bereitgestellten „Überlebenshilfe“. FOTO: LR / Jürgen Thinius