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| 18:08 Uhr

Große Skepsis
Ärztliche Versorgung besser als ihr Ruf?

Elbe-Elster. Laut Kassenärztlicher Vereinigung ist Elbe-Elster zu großen Teilen sogar überversorgt. Die Bürger nehmen das anders wahr. Von Birgit Rudow

Wie gut ist die ärztliche Versorgung in Elbe-Elster? Die Aussagen der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB) dazu stehen laut Iris Schülzke, fraktionslose Landtagsabgeordnete aus Schlieben, „in krassem Gegensatz zu der gefühlten Unterversorgung mit langen Wartezeiten und Schwierigkeiten, als Patient überhaupt noch aufgenommen zu werden.“ Sie hat in einer Kleinen Anfrage an die Landesregierung konkrete Aussagen zur ärztlichen Versorgung eingefordert und wollte unter anderem wissen, wie sich die Anzahl von Haus- und Fachärzten entwickelt hat, welche Arztdichte der Landkreis aufweist, wie viele Hausärzte aus ihrer Praxis ausgeschieden sind und wie viele Ärzte 60 Jahre und älter sind.

Das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie bezieht sich auf Zahlen der KVBB, die für die Sicherstellung der ambulanten Versorgung zuständig ist. Die Vereinigung rechnet nicht in Arztzahlen, sondern in Versorgungsaufträgen (wegen möglicher Teilzeit).  Danach hat sich die Zahl der hausärztlichen Versorgungsaufträge in Elbe-Elster von 90 im Jahr 2010 auf 73,75 im Jahr 2017 verringert. Mit Versorgungsgraden von mehr als 110 Prozent bei Hausärzten gelten der Mittelbereich Elsterwerda-Bad Liebenwerda (120,7 Prozent) und der Mittelbereich Herzberg (110,8) per 31.12.2017 aber dennoch als überversorgt, und der Mittelbereich Finsterwalde mit 107,2 Prozent als überdurchschnittlich gut versorgt. Aktuell ist laut Internetseite der KVBB der Bereich Finsterwalde frei für Zulassungen. Im Bereich Herzberg gibt es eine Ausschreibung zur Praxisübernahme und im Bereich Elsterwerda/Bad Liebenwerda zwei.

Problematisch ist die Altersstruktur der Ärzte im Landkreis. Laut KVBB sind 38,2 Prozent der Hausärzte 60 Jahre und älter. Im Landesdurchschnitt sind es 30,1 Prozent. Im Mittelbereich Bad Liebenwerda/Elsterwerda liegt der Anteil der über 60-jährigen Hausärzte bei 30 Prozent, im Bereich Finsterwalde bei 34,6 Prozent und im Bereich Herzberg sogar bei 50 Prozent. Deshalb  ist Herzberg seit Ende 2017 als Förderregion im hausärztlichen Bereich ausgewiesen, in dem Niederlassungen bzw. Übernahmen von Praxen mit bis zu 55 000 Euro gefördert werden. Von den etwa 60 Fachärzten in Elbe-Elster sind 29,2 Prozent über 60 Jahre alt (Landesdurchschnitt 25,3 Prozent). Im Jahr 2018 haben vier Hausärzte in Elbe-Elster ihre Tätigkeit beendet. Drei Sitze wurden nachbesetzt.

Die KVBB führt weiter auf, dass in Elbe-Elster 2017 auf 755 Einwohner ein Vertragsarzt (Haus- bzw. Facharzt) kam, landesweit waren es 724. Elbe-Elster zeige im Vergleich zur Landesentwicklung eine deutlich positivere Arztdichte, so das Ministerium.

Im Facharztbereich sind laut KVBB in Elbe-Elster aktuell keine Zulassungen möglich, partiell ausgenommen Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendpsychologen in der gesamten Region Lausitz-Spreewald.

Trotz der von der KVBB so gut dargestellten Situation in Elbe-Elster ist die Politikerin Iris Schülzke sehr skeptisch. Einerseits die amtliche Statistik und andererseits eine völlig andere Wahrnehmung durch die Bürger. „Das muss im Sinne der Menschen, die hier leben, entwirrt werden. Das ist ein komplexes Thema,“ sagt sie. Wie komplex, zeigt schon eine kleine Umfrage bei Fachärzten in Elbe-Elster. Während ein Chirurg betont, dass es im Kreis auf diesem Gebiet keinen fachärztlichen Versorgungsnotstand gebe, sagt ein Urologe, dass er und seine Kollegen überrannt werden. Wartezeiten auf Routinetermine würden bis zu einem halben Jahr betragen.