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Ärztehaus mitten in der Stadt

Der Eingang zum MVZ befindet sich in der Schliebener Straße.
Der Eingang zum MVZ befindet sich in der Schliebener Straße. FOTO: Rudow
Herzberg. Ein Altbau sei immer etwas Besonderes. Aber extrem schwierig sei es nicht gewesen, das Gebäude an der Ecke Schliebener Straße/Rosa-Luxemburg-Straße umzubauen, sagt Architekt Ulrich Weineck, der den Umbau der ehemaligen Bibliothek zum Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) des Elbe-Elster-Klinikums unter seinen Fittichen hat. Birgit Rudow

Anfang April soll das MVZ mitten in der Herzberger Innenstadt in Betrieb gehen. Wie es mit dem Baufortschritt aussieht, davon haben sich Montag Landrat Christian Heinrich-Jaschinski (CDU), Herzbergs Bürgermeister Michael Oecknigk (CDU), seine Stellvertreterin Gabi Lang und Klinik-Geschäftsführer Michael Neugebauer vor Ort informiert. Der Architekt und Bauherrin Sabine Endemann, Chefin der Herzberger Wohnungsbaugesellschaft, führten die Gäste durch das Gebäude, in das als erstes die beiden Gynäkologen Dr. Stephanie Zaussinger und Dipl. med. Günter Kranke einziehen werden. Die Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie Dr. Birgit Kittel wird ihre Dienstag-Sprechstunde künftig ebenfalls im neuen MVZ abhalten. Am 15. März beginnt der Einzug, so Sabine Endemann.

Wenn man sich jetzt auf der Baustelle umschaut, kann man sich das kaum vorstellen. Fußbodenleger und Maler sind noch am Werk, der Fahrstuhl muss noch rein und natürlich fehlt noch die gesamte Inneneinrichtung. Aber es sind ja auch noch ein paar Wochen Zeit.

Der Haupteingang zum MVZ befindet sich in der Schliebener Straße. Der enge Eingangsbereich hat den Architekten einiges abverlangt. Über eine kleine (in Handarbeit gefertigte) Treppe geht es zum Anmeldetresen und in den Wartebereich. Gleich gegenüber vom Eingang ist der Fahrstuhl, der die Patienten auf die erste Ebene bzw. in die zweite Etage bringt. In der unteren Ebene musste ein Höhenversatz von 18 Zentimetern ausgeglichen werden. Eine Stufe gibt es hier jetzt aber nicht mehr. Die untere Etage ist den Behandlungsräumen für Hausärzte vorbehalten. Sie werden allerdings zum April noch nicht belegt sein. "Der Bereich Herzberg ist derzeit mit Allgemeinmedizinern belegt. Deshalb haben wir mehr Praxisräume, als benötigt, wenn wir am 1. April an den Start gehen. Aber ich hoffe, dass wir die Praxen im nächsten Jahr besetzen können. Wir haben dazu unsere Erfahrungen aus dem MVZ in Elsterwerda", sagt Michael Neugebauer.

Im ersten Obergeschoss werden sich die gynäkologischen Praxen befinden, ebenso ein kleines Labor, Personalräume und eine Teeküche. Wenn das MVZ Anfang April in Betrieb geht, sollen im Marktbereich auch weitere Parkplätze zur Verfügung stehen, so Bürgermeister Michael Oecknigk. "Wir prüfen mit dem Straßenverkehrsamt, dem Ordnungsamt und der Polizei, wie wir das am besten hinbekommen", sagt er.

Die Wohnungsbaugesellschaft wird nach Abschluss der Bauarbeiten am MVZ im zweiten Obergeschoss des Gebäudes noch zwei Wohnungen ausbauen. "Insgesamt investieren wir in die Baumaßnahme 1,076 Millionen Euro. 462 000 Euro im ersten Bauabschnitt für den Umbau des MVZ und 614 000 Euro im zweiten Bauabschnitt für den Ausbau der Wohnungen, das Dach und die Fassade", sagt Sabine Endemann. Und wie Michael Neugebauer sagt, stellt das Elbe-Elster-Klinikum 200 000 Euro für die Innenausgestaltung einschließlich der Möbel zur Verfügung.

Das Versorgungszentrum fand auch im Landrat einen Fürsprecher. "Was hier in der Herzberger Innenstadt entsteht, ist nachhaltig", sagte er. Der Bürgermeister richtete den Blick noch gleich in die unmittelbare Nachbarschaft. Wenn das Medizinische Versorgungszentrum eröffnet wird, beginnt auf der anderen Straßenseite der Abriss der verfallenen Häuser Markt 6 und 7. Mit Hilfe der Sparkasse Elbe-Elster soll hier ein neuer Gebäudekomplex entstehen. "Für die Innenstadt ist das großartig", so Oecknigk.

Zum Thema:
Das Eckgebäude in der Schliebener Straße 89 gegenüber vom Rathaus hat eine wechselvolle Geschichte. Wie der Herzberger Chronist Ulf Lehmann herausgefunden hat, war 1620 der Stadtsenator Egydius Jentzsch der Eigentümer. Stadtrichter, Bürgermeister Kaufleute, Buchhändler und Drogisten haben in dem Gebäude gelebt und gearbeitet. Von 1831 bis 1835 befand sich hier die Herzberger Poststation. Zweimal ist das historische Gebäude abgebrannt und wurde wieder aufgebaut. Dem letzten Eigentümer, dem Drogisten Karl Schönn, verdankt es auch seinen heute noch gebräuchlichen Namen "Schönns Ecke". 1975 wurde das historische Gebäude abgerissen und hier die Kreisbibliothek (später Stadtbibliothek) neu errichtet. 2011 haben sich mit dem Umzug der Bibliothek in das neue Bürgerzentrum die Türen geschlossen. Nach fünfeinhalb Jahren werden sie nun wieder geöffnet.