"1991 haben wir eröffnet - drei Tage später war der erste Reisebus aus den alten Bundesländern da", erinnert sich Fritz Gäbler. Mit seiner Geschäftstüchtigkeit hat er am Rosenende der Stadt Spuren hinterlassen. Jetzt zieht er einen Schlussstrich unter dieses Kapitel. Ohne große Wehmut, wie er sagt. Der vielseitige und bodenständige Unternehmer weiß: Alles hat seine Zeit. Und die für das Hotel Rose ist abgelaufen, der Verkauf abgewickelt. "Bis zum 31. Dezember 2012 ist das Hotel trotz Höhen und Tiefen gut gelaufen", sagt Fritz Gäbler. Die schlechten Umsatzzahlen von 2013 schiebt er auch auf den langen Winter. Vor wenigen Tagen fand eine letzte Feier im Hotel statt. Die Betten sind frisch bezogen, die Handtücher ausgewechselt. Doch das mit 52 Betten größte Hotel im Elbe-Elster-Kreis gibt es seit gestern nicht mehr. Die Jugendhilfe wird einziehen. Neuer Nutzer sind die Schultz-Hencke-Heime. "Wir wollen hier im Herbst eine lernpsychotherapeutische Einrichtung eröffnen. In wenigen Tagen beginnen die notwendigen Umbauten", sagte am gestrigen Montag Bernd Sander, Geschäftsführer für den Bereich Brandenburg, auf RUNDSCHAU-Nachfrage. Mehrere Wendungen hat es in der familiären Hotelgeschichte gegeben. Mit seiner Frau Rosemarie hat Fritz Gäbler 1990 das Hotel Rose aufgebaut. Bis 1954 war eine Tischlerei im Erdgeschoss, später nutzte die Wohnungsgesellschaft die Räume. Mit acht Zimmern und dem Restaurant haben Gäblers angefangen. Bis 1996 wurde auf dem inzwischen erworbenen Nachbargrundstück das Bettenhaus errichtet. Sechs Jahre später brach die Ehe entzwei. Rosemarie stieg aus. Fritz Gäbler meldete selbst das Gewerbe an und machte allein mit den Angestellten weiter, in der festen Hoffnung, dass Tochter Heike einsteigen würde. Heike ist inzwischen 27 Jahre alt, hat einen guten Job bei einem großen Konzern, einen festen Freundeskreis und ihren Lebensmittelpunkt in Hamburg gefunden. Seit etwa drei Jahren ist klar: Sie wird Vaters Hotel nicht übernehmen. Sohn Frank ist 34 und arbeitet in der Mont GmbH, ein europaweit agierendes Unternehmen für Kunststofftechnik und Gäblers eigentliches unternehmerisches Standbein. "Er hat jetzt die Entwicklungsabteilung unter sich", sagt der Vater stolz. Im Hotel Rose wurden aber jahrelang auch Hotelfachleute und Köche ausgebildet, wollte von denen keiner das Haus weiterführen? "Ich habe so viele gefragt", sagt der Noch-Wirt. Angebissen hat keiner. Also trug er sich seit Längerem schon mit dem Gedanken, das Haus zu verkaufen. Zuletzt hatte er noch zwei Vollbeschäftigte und eine Aushilfskraft. Die Abschiedsfahrt machte er mit ihnen in die Feinschmecker-Abteilung des KaDeWe nach Berlin. Jede Menge Geschichten kann Gäbler aus den 23 Jahren erzählen. Gern stiegen ehemalige Kirchhainer im Hotel ab, um die Entwicklung ihrer alten Heimat aus der Nähe zu verfolgen. Die Bürgermeister der Partnerstädte von Doberlug-Kirchhain waren zu Gast. Gospel-Chöre und die Don-Kosaken nahmen Quartier. "Die Sänger von einem Chor aus den USA hatten Angst in Deutschland, die haben sich nicht vor die Tür getraut", erinnert sich Fritz Gäbler. Irische Step-Dancer tanzten auf den Hoteltischen und mischten die ganze Bude auf. Ivan Rebroff hat sich im Gästebuch verewigt.

Mit Max Strauß, dem Sohn vom einstigen bayrischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, hat Gäbler Bier getrunken. Auch Hermann Graf von Pückler schlief im Hotel Rose. Die Pudhys, die Prinzen, Andy Borg, Maria und Margot Hellwig - die prominente Gästeliste ist lang. Jetzt ist sie aber auch geschlossen.