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| 16:32 Uhr

Nach dem Abriss Kita-Pläne
Abschied vom alten Herzberger Busbahnhof

Zwei Busfahrergenerationen: Roland Bartl und Vicky Stengl vor der letzten Abfahrt vom Herzberger Busbahnhof.
Zwei Busfahrergenerationen: Roland Bartl und Vicky Stengl vor der letzten Abfahrt vom Herzberger Busbahnhof. FOTO: LR / Rudow
Herzberg. Bürger feierten eine kleine Abrissparty. Die Stadt möchte an dieser Stelle gern eine Kita haben. Von Birgit Rudow

Busse halten am Herzberger Busbahnhof in der Rosa-Luxemburg-Straße schon ein Jahr lang nicht mehr, seit das Gymnasium von der Innenstadt in die Anhalter Straße gezogen ist. Nun wird er abgerissen. Die Bagger haben schon Aufstellung genommen. Vom einstigen Glanz, den das Areal zu seiner Eröffnung am 7. Oktober 1979 einmal ausgestrahlt haben soll, ist nicht mehr viel geblieben. Doch im Angesicht des Endes des fast 39 Jahre währenden Busbahnhofdaseins war es vielen Herzbergern am Mittwoch eine Herzenssache, den sechs Bussteigen und dem Fahrkartenhaus adieu zu sagen. So mancher hat sich zur Erinnerung sogar ein Stückchen aus dem Beton der Bus­steige gehämmert. Ein kleines Kapitel Verkehrsgeschichte in Herzberg geht zu Ende. Darum hat die Nahverkehrsgesellschaft auch die Linie 522 von Trebbus nach Herzberg, die jetzt eigentlich am Krankenhaus endet, noch einmal bis zum Busbahnhof fahren lassen. Damit hatte der Bahnhof um 15.20 Uhr am Mittwoch auch symbolisch seinen Dienst endgültig quittiert.

Herzbergs Stadtoberhaupt Karsten Eule-Prütz hatte zu einer kleinen Abrissfeier eingeladen. Und zu denen, die gekommen waren, zählten viele, die eine jahrelange Beziehung zum Busverkehr im Allgemeinen, zum Busbahnhof im Besonderen und zu Busfahrern im Speziellen hatten. So erkannte die Chefin der benachbarten Wohnungsbaugesellschaft Sabine Endemann sofort „ihren Busfahrer“ wieder, den sie etwa 30 Jahre nicht mehr gesehen hatte. „Er hat mich jahrelang von Freileben zur Schule nach Hohenbucko gefahren“, sagt sie. „Er“ – das ist Roland Bartl, von 1967 bis 2002 Busfahrer aus Leidenschaft, wie er selbst sagt. Da er gleich um die Ecke in Neunaundorf wohnt, ist er natürlich zur Abrissparty gekommen. Vom Robur, über IFA und Ikarus bis zum Secra hat er mit allen Bustypen den Busbahnhof angesteuert. Es gab auch Linien nach Wittenberg oder Leipzig. „Sonntags sind wir zwei Mal nach Dresden gefahren. Da waren die Busse voll“, erzählt Roland Bartl. Im Schülerverkehr habe man die Kinder damals regelrecht „reingestapelt“. Probleme mit den Fahrgästen habe er fast nie gehabt. Und gut sei auch gewesen, dass es früher am Busbahnhof eine Kantine gab. „Wenn wir eine halbe Stunde Pause hatten, dann haben wir Fahrer dort Kaffee getrunken. Es gab auch gutes Essen“, berichtet der 78-Jährige.

Bei Eis, Pizza oder einem Bier tauschten einige Herzberger am Mittwoch ihre Erinnerungen an den Busbahnhof aus. So richtig wehmütig wurde dabei aber  niemandem.
Bei Eis, Pizza oder einem Bier tauschten einige Herzberger am Mittwoch ihre Erinnerungen an den Busbahnhof aus. So richtig wehmütig wurde dabei aber  niemandem. FOTO: LR / Rudow

Die Kantine kennt Vicky Stengl nicht mehr. Sie hat am Mittwoch die 522 zum Busbahnhof gesteuert. Die 41-jährige gelernte Köchin aus Theisa hat beruflich umgesattelt und ist seit drei Jahren Busfahrerin. Oft fängt ihr Tag morgens um 3 Uhr an, damit sie um 4.45 Uhr von der Dienststelle Herzberg aus ihre Tour beginnen kann. Sie muss jede Linie im Landkreis kennen und fahren können, sagt sie. Bereut hat sie den Umstieg auf den Bus nicht. „Das ist ein schöner Job. Man hat Kontakt zu vielen Leuten und auch mit den Schulkindern macht es Spaß“, so Vicky Stengl. Sie könne gut mit ihnen umgehen, auch wenn sie dem einen oder anderen erst beibringen musste, freundlich zu grüßen, wenn er den Bus besteigt, sagt sie. Die Busfahrerin ist schon gespannt, wie der neue Busbahnhof in der Anhalter Straße aussehen wird. Doch bis der anfahrbereit ist, werden noch einige Monate ins Land gehen.

Erstmal wird der alte Busbahnhof dem Boden gleich gemacht. Die Abrissmänner aus Plessa machen das Areal zu einer Wiese. Wenn es nach Karsten Eule-Prütz geht, soll das aber nur eine Zwischenlösung sein. Und hier schließt sich der Kreis wieder zu Roland Bartls einstigem Dauerfahrgast Sabine Endemann. Die Stadt spielt mit dem Gedanken, dass die Wohnungsbaugesellschaft an dieser Stelle eine Kita baut. Dann wäre wieder Leben auf dem Platz.

Wer wollte, der konnte auch ein kleines Stückchen Busbahnhof als Souvenir mit nach Hause nehmen.
Wer wollte, der konnte auch ein kleines Stückchen Busbahnhof als Souvenir mit nach Hause nehmen. FOTO: LR / Rudow