Erika Möller, die Jubilarin selbst, war es, die die Regie führte. Eine durch und durch starke Frau, die ihre Kraft auch aus dem tief verwurzelten Glauben schöpft. Nicht ohne Grund hatte sie sich für ihre Jubelfeier das fein hergerichtete Pfarrhaus der Gemeinde ausgewählt. Der dortige Saal bot auch den notwendigen Platz für die besonderen Gratulanten: die drei Tanzgruppen, die die Jubilarin betreut. Sie waren selbstverständlich nicht gekommen, ohne der „Chefin“ etwas vorzutanzen. 36 Frauen aus Buchhain, Oelsig und Lebusa tanzen seit 1994 nach Erika Möller's Pfeife. Und sie tun das sehr gern, versicherten sie. Wie die Oelsigerin Ramona Heese (44) betonte, wird der Elan der Jubilarin von allen bewundert und geschätzt: „Sie reißt uns alle mit, und wir haben viel Spaß mit ihr. Aber sie ist auch eine ganz liebe. Bei Geburtstagen denkt sie an jeden persönlich und lässt sich immer etwas einfallen. Heute haben wir uns für sie extra etwas einfallen lassen. Ich finde, sie ist einfach klasse. So fit möchte ich mit 80 auch gern noch sein.“
Dieser Wunsch kam angesichts der agilen Jubilarin sicher bei so manchem auf. Und nach ihrem Ver ständnis muss das kein Wunsch bleiben, geht man nur den Weg, den sie bisher gegangen ist: Körper und Geist müssen in Harmonie miteinander stehen. Sich allein körperlich fit zu halten, reicht nicht. Aber auch nur im Sessel sitzen und den Grips anstrengen, bringe für sich gesehen nichts. Erika Möller ist geistig und körperlich in einem Zustand, der ihre Hausärztin sie auf der Straße mahnen lässt: „Frau Möller, sie müssten mal wieder zu mir kommen.“ Aber nicht, weil Frau Möller ein Wehwehchen haben könnte, sondern weil sie so selten beim Arzt anzutreffen ist. Oftmals hat sie dazu gar keine Zeit, denn wenn sie nicht ihre Tanzgruppen trainiert und Schritte probt, was auch eine Art geistiges Trimmen ist, dann sitzt sie auf ihrem Fahrrad und strampelt kilometerweit. Beispielsweise nach Oelsig. Dort sieht man sie dann fast täglich mit zwei Stöcken bewaffnet durch die Natur wandern. Natürlich nicht etwa gemächlich. Nein, sie hat sich dem Nordic Walking verschrieben. Erika Möller geht mit der Zeit. Aber auch in Haus und Garten macht sie alles allein. „Die Wohnung habe ich kürzlich tapeziert und ringsum Paneele angebracht. Meine Muskeln sind arbeiten gewöhnt“ , sagt die schlanke und drahtige Frau über sich.
In der bunten Stadt am Harz, in Wernigerode, geboren, kam sie als Kindergärtnerin vor 40 Jahren nach Schlieben. Schon in den Zeiten der DDR bewegte sie zehn Jahre lang Mitbürger bei ihrer Gymnastik für Senioren. Nach der Wende entdeckte sie dann den Seniorentanz als ideale Möglichkeit, Bewegung, Koordinations- und geistiges Leistungsvermögen zu erhalten. „Ich dachte“ , so sagt sie heute, „das wär doch auch was für uns. So viele waren arbeitslos geworden und verloren die Kontakte. Da habe ich kurzerhand in den alten Bundesländern Tanzkurse belegt. Mit Zertifikaten und allem und hier das Tanzen angeboten. Ist das nicht schön, was daraus geworden ist?“