| 02:38 Uhr

70 Jahre Spaß mit Rassekaninchen

Der erfahrene Preisrichter Willi Stolze (l.) schaut genau hin. Siegward Richter und Andreas Golm (r.) wissen das. Man kennt sich gut.
Der erfahrene Preisrichter Willi Stolze (l.) schaut genau hin. Siegward Richter und Andreas Golm (r.) wissen das. Man kennt sich gut. FOTO: Dieter Müller/dmu1
Schönewalde. Der Schönewalder Kaninchenzüchterverein besteht seit 70 Jahren. Am Wochenende hatte er zu seiner Vereinsschau geladen und viele kamen. Birgit Rudow

Das Wochenende und der Ort, an dem die Schönewalder Kaninchenzüchter ihre alljährliche Vereinsschau ausrichten, sind gut gewählt. Sie haben sich in die Aula der Grundschule "eingemietet", in der am Samstagvormittag der Tag der offenen Tür stattfand. Klar, dass die Schulbesucher auch bei den Kaninchenzüchtern vorbeigeschaut haben. "Heute Vormittag war es richtig voll", sagt der Vereinsvorsitzende Andreas Golm am frühen Samstagnachmittag, als der erste große Ansturm gerade vorbei ist.

Dass der Schönewalder Kaninchenzüchterverein in diesem Jahr mit seinem 70-jährigen Bestehen einen runden Geburtstag begeht, ist der Schau nicht unbedingt anzusehen. "Das ist uns eher nebenbei aufgefallen. Das Jubiläum zum 75. zählt bei Vereinen wie dem unseren mehr", sagt der Vorsitzende. Die Schönewalder veranstalten auch keine sehr große Schau. Ihr Verein hat aktuell acht Mitglieder, und sie sind froh, diese Zahl in den letzten Jahren nahezu konstant gehalten zu haben. Nachwuchszüchter sind in der Branche rar. Deshalb freuen sich die Züchter, mit Christina Hofmann aus Brandis ein neues Mitglied in ihren Reihen haben. Sie ist nicht nur die Jüngste, sondern auch die einzige Frau im Verein. Sie habe von einem Züchter einmal ein zur Zucht nicht geeignetes Kaninchen bekommen, erzählt die junge Frau, die jetzt in Brandis wohnt, aber eigentlich aus der Uckermark stammt. Das habe bei ihr das Interesse an der Kaninchenzucht geweckt. Und künftig möchte sie schwarz-weiße Holländer züchten. Andreas Golm ringt das Respekt ab. "Diese Rasse ist nicht einfach zu handhaben", sagt er.

Der Älteste im Verein ist Siegward Richter. Er führt das Zuchtbuch, züchtet schon seit 1968 Kaninchen und kann sich noch gut an die "alten Zeiten" erinnern. "Der Verein wurde 1947 gegründet. Zu Spitzenzeiten hatte er 52 Mitglieder", erzählt er. Siegward Richter kennt wie auch Andreas Golm noch Züchter der ersten Stunde wie Werner Härtel, Fritz Gutsche oder Bäcker Ewald. Viele Jahre habe Bernd Lehmann den Verein geführt, bis 1989, so Siegward Richter. Danach hat Andreas Golm die Leitung übernommen. Zu DDR-Zeiten sei die Kaninchenzucht sehr lukrativ gewesen, erzählen Richter und Golm. Nicht unbedingt, was die Zuchtresultate betraf, weil es nur sehr schwer gute Zuchttiere zu kaufen gab, sondern vielmehr in Bezug auf die Versorgung der Bevölkerung mit Kaninchenfleisch. So mancher hat sich zu seinem kargen Lohn in der Landwirtschaft mit der Zucht etwas dazuverdient.

Heutzutage ringen die Züchter wieder mehr um herausragende Zuchtergebnisse. Da geht es bei den verschiedenen Rassen um Größe und Gewicht, Körperform und Körperbau, Kopf und Ohren, ein gleichmäßiges Fell oder seine Unterfarbe. "Das ist der Reiz", so Andreas Golm. "Man ist immer auf die Ergebnisse eines ganzen Jahres gespannt."

Für die Zucht, so sagt er, reiche es nicht, nur mal so nebenbei etwas zu versuchen. Da müsse man sich intensiv mit beschäftigen. Nicht mehr viele machen das zu ihrem Hobby. Zumal es auch etwas Geld kostet. "Wenn einem mal ein ganzer Jahrgang wegbricht, dann hören viele Züchter auf", so Golm. Er weiß, wovon er spricht. Im vergangenen Jahr hat er etwa 80 Jungtiere seiner Blauen Wiener durch die sogenannte Chinaseuche, die Virusinfektion RHD 2 verloren. Sie führt bei fast allen betroffenen Kaninchen zum Tod. Die Alttiere sind ihm erhalten geblieben, sie waren zweimal geimpft. Die Jungen erst einmal. Wie Andreas Golm erging es vielen Züchtern, auch in der Region Herzberg. Die Schönewalder Schau ist 2016 deshalb ausgefallen.

In diesem Jahr aber war sie wieder ein voller Erfolg für den kleinen Verein. Es kamen viele Besucher, die Tombola war gefragt. Der erste Preis war schließlich ein Spanferkel. 62 Tiere verschiedener Rassen wurden ausgestellt, auch von Züchtern aus befreundeten Vereinen aus der Umgebung. Begutachtet hat sie der Preisrichter Willi Stolze aus Reinsdorf bei Wittenberg. Und nach dessen Ergebnis ging der Wanderpokal des Schönewalder Vereins diesmal an Lutz Noack aus Grauwinkel für seine Deutsche Riesen Wildfarben.