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| 14:13 Uhr

Dorffest
60 Jahre und (zum Glück) kein Ende

Roland Claus hat es mehrere Jahre geschafft, die Strecke als Sieger zu bezwingen.
Roland Claus hat es mehrere Jahre geschafft, die Strecke als Sieger zu bezwingen. FOTO: Gemeinde / privat
Kolochau. Kolochauer Teichfahren feiert Jubiläum und wird deshalb in diesem Jahr in die Nacht verlegt. Von Sylvia Kunze

Als wäre so eine Fahrt über den Teich nicht schon herausfordernd für den Fahrer und spaßig für das Publikum genug — die Kolochauer wollen zum 60. Event dieser Art noch einen draufsetzen. Mit einem Nachtfahren. Am Samstag, 18. August, ab 19.30 Uhr. Das Motto: „Übern Teich seit 60 Jahren, nur in Kolochau wird bei Nacht gefahren“. Diverse Erfahrungen hat man bei vorangegangenen Jubiläen mit der besonderen Herausforderung schon gesammelt. Deshalb steht es außer Frage, dass auch das diesjährige Teichfahren wieder eine ganz besonders unterhaltsame Veranstaltung wird.

Und wer hätte einst geahnt, dass es ein Besucher- und Spaßgarant über so viele Jahre wird und sicherlich auch noch einige Zeit bleiben dürfte? Werner Enigk jedenfalls nicht. Er gehörte mit seinem Bruder Klaus sozusagen zu den Teichfahrern der 1. Stunde. Werner, der Ältere von beiden, fuhr schon als Aktiver auf dem dünnen Brettersteg über den Teich. Klaus, der drei Jahre Jüngere, erst einmal nur als Zuschauer.

Das hat dann wohl nicht so gut geklappt.
Das hat dann wohl nicht so gut geklappt. FOTO: Gemeinde / privat

Weil die Kolochauer ein ehrliches Volk sind, geben sie unumwunden zu, dass sie sich den Spaß von den Ossakern abgeschaut haben. „Vorher gab’s im Dorf als Höhepunkt das Pfingstreiten. Aber mit der Gründung der LPG wurden die Pferde abgeschafft. Es musste eine neue Unterhaltung gefunden werden“, berichtet Klaus Enigk. Bruder Werner ergänzt: „Wir wussten von dem Teichfahren in Ossak. Also sind wir mit den Rädern hingefahren, haben uns das angeschaut — und eine neue Tradition im Dorf begründet.“

Über all die Jahre hat es nie an Mutigen, die sich der Herausforderung stellten, erst über den nur etwa 40 Meter und später dann über 70 Meter langen Steg radfahrend zu balancieren und eingebaute Hindernisse möglichst aufrecht und damit trocken bleibend zu überwinden, noch an zahlreich versammelten Zuschauen gefehlt. Starter seien es immer so um die 20 gewesen, bei den Zuschauern habe man auch mal die 1000er-Marke gekratzt, berichten die beiden Kolochauer stolz. Sie kennen genau die Anspannung der Fahrer und das doofe Gefühl, vom Steg in den Dorfteich zu kippen. Schließlich haben sie sich selbst einige Jahre unter die Teilnehmenden gemischt. Als es mit dem Fahrrad nicht mehr ging, haben sie zumindest noch versucht, per Fuß — selbstverständlich außerhalb der Wertung, aber dennoch zum Spaß der Zuschauer — die schmale Bretterpiste über den Teich zu bezwingen.

Viele Einwohner zeigen kreativ, wie wichtig für sie das Teichfahren ist.
Viele Einwohner zeigen kreativ, wie wichtig für sie das Teichfahren ist. FOTO: Gemeinde / privat

Was dieses Jahr zum Jubiläum wird? Sie wissen es noch nicht. Aber man sieht ihnen an, dass sie gern wieder mit dabei sein würden. Als Zuschauer sowieso. Waren sie doch bei allen Entscheidungen vor Ort. Sie können sich jedenfalls nicht erinnern, irgendwann ein Kolochauer Teichfahren verpasst zu haben. Doch vielleicht sieht man sie auch als Aktive. Man wird letztlich sehen, wie sich die beiden Enigks entscheiden.

Die Vorfreude auf das 60. ist sowohl bei ihnen, als auch bei vielen Kolochauern und Stammgästen des Festes groß. Und die Organisatoren haben alles getan, dass das Jubiläumsfahren wieder ein tolles Erlebnis wird. Zur Eröffnung soll es eine Maxi-Playback-Show geben. Auch die Ehrenrunde der Starter um den Teich wird nicht fehlen. Die Moderation übernehmen Kai-Uwe Graf und Gerd Brzoza. Und während der Pause soll es eine Show geben, die von Jugendlichen des Dorfes gestaltet wird.

Wer hat, kann die Kolochauer Teichfahr-Organisatoren auch gern mit Fotos von den Aktionen der Vorjahre überraschen. Insbesondere Fotografien aus den Anfangsjahren werden gesucht. Die sind nämlich rar beziehungsweise aktuell gar nicht vorhanden. „Schade“, sagen nicht nur Werner und Klaus Enigk, die sich fest vorgenommen haben, im Dorf mal „rumzuhorchen“, ob nicht doch noch jemand derartige Schätze aufbewahrt.