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| 14:43 Uhr

Extremfolgen der Hitzewelle
25 Millionen Euro Dürreverluste

Rinder finden auf vertrockneten Weiden kaum noch Nahrung. Auch für die Winter-Reserve sieht es schlecht aus.
Rinder finden auf vertrockneten Weiden kaum noch Nahrung. Auch für die Winter-Reserve sieht es schlecht aus. FOTO: dpa / Monika Skolimowska
Elbe-Elster. Chef des Kreisbauernverbandes kritisiert Gängelband von Politik und Bürokratie. Von Birgit Rudow

Auf etwa 25 Millionen Euro schätzt der Kreisbauernverband Elbe-Elster die finanziellen Verluste durch die ausgeprägte Dürre auf den Feldern und durch Leistungsdepressionen in den Ställen des Landkreises bis jetzt und für die nahe Zukunft. Der Vorsitzende des Verbandes Dorsten Höhne zeichnete am Montag im Kreistag ein dramatisches Bild zur Situation in den landwirtschaftlichen Betrieben.

Nach einem noch normalen ersten Grünschnitt seien die weiteren Schnitte spärlich bis Totalausfälle gewesen. Ab Juli sei auf den Weiden zugefüttert worden, was die vorhandenen Reserven stark geschmälert habe. Auch sei es schwierig, Grobfutter zuzukaufen. Die Nachfrage bestimme den Preis, so Höhne. „Viehabstockungen und Leistungseinbußen sind oder werden die Folge sein“, sagte er.

Laut Höhne liegen die Verluste beim Korn zwischen 30 und 50 Prozent, regional auch darüber. Die Ertragsverluste beim Mais bewegten sich zwischen 50 bis 100 Prozent. „Diese Lücke in der Futterversorgung ist nicht so ohne weiteres zu schließen“, so der Bauernverbandschef. Da würden auch die Winterzwischenfrüchte nicht helfen, weil die Trockenheit bis heute anhält und sich daran auch in den nächsten zehn Tagen nichts ändern wird. Es seien zwar Winterzwischenfrüchte gesät worden, die aber nur spärlich auflaufen. Der Winterraps wurde örtlich erst gar nicht ausgesät oder zum Teil wegen des schlechten Aufgangs schon wieder umgebrochen. „Die Aussaat des Wintergetreides kommt nur schleppend voran, die Entwicklung der Pflanzen ist mangelhaft und hängt der Zeit hinterher“, so Höhne.

Um die Probleme der Landwirte noch weiter zu verdeutlichen, verwies er auch auf die vergangenen Jahre. Schon die Milchkrise 2016/16 mit Erzeugerpreisen von um die 20 Cent je Liter hätte den Bauern in Elbe-Elster Verluste von 8 bis 10 Millionen Euro beschert, sagte er. Seit 2017 bis heute gebe es keine kostendeckenden Erlöse in der Sauenhaltung und Schweinefleischproduktion. Auch 2017 habe es trockenheitsbedingte Ausfälle beim Getreide gegeben. Lediglich die Maisernte sei reichlich ausgefallen. Die dadurch angelegten Reserven seien zwar jetzt goldwert, würden aber nicht ausreichen.

Dorsten Höhne sieht aber nicht nur im Wetter den Grund für massive Schwierigkeiten in der Landwirtschaft. Höhere Anforderungen wie gentechnikfreie Fütterung, hohe Standards bei der Tierproduktion, überbordende Dokumentationspflichten, neue zum Teil überzogene Vorschriften und Gesetze, würden einen Mehraufwand darstellen, der weder finanziell noch personell zu bewältigen sei, sagte er, zumal dadurch keine Mehreinnahmen erzielt würden. „Ohne Not werden Betriebe, ob klein oder groß, an die Wand gedrückt“, so Höhne. Haupthindernisse für eine schnellere Modernisierung vor allem in der Tierproduktion seien die Bürokratie und die Verschärfung gesetzlicher Vorschriften. Damit verbundene Verteuerungen von tiergerechten und arbeitstechnisch besseren Ställen und Nebenanlagen würden zumeist zu „genehmigungstechnischen Achterbahnfahrten und ökonomischen Wagnissen“. Die aktive Landwirtschaft im Elbe-Elster-Kreis sei Rückgrat und Basis des ländlichen Raums. „Wir sind gerade dabei, sie aufs Spiel zu setzen“, so der Bauernverbandsvorsitzende.

Allzu düster wollte er die Situation dann aber auch nicht malen, zumal sie regional sehr unterschiedlich sei, sagte er. Aber man müsse aufpassen, dass niemand abgehängt werde. Alle seien angehalten, die Attraktivität des ländlichen Raumes wieder mehr zu stärken. Von der Kreisverwaltung wünsche er sich eine noch bessere Zusammenarbeit vor allem beim Ringen um Lösungen im Einklang von Ökonomie, Ökologie und sozialer Abwägung.

Die Landwirtschaft wolle von Politik und Bürokratie nicht an der langen Leine gehalten werden und in der Lage sein, selbst Vorsorge für schlechte Zeiten und Witterungsunbilden treffen können, so Dorsten Höhne. „Wir wollen ein verlässlicher Partner sein und fordern Anerkennung für unsere Arbeit“, sagte er.