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Zwischen Neißebrücke und Ostfriedhof

Guben.. In der Veranstaltung „Historische Stätten in Guben und Gubin“ am Mittwoch erinnerte Gerhard Gunia an den Januar 1972, als vor 35 Jahren der visafreie Grenzverkehr nach Gubin über die Neißebrücke eröffnet wurde. Archivfoto: Gunia

Nachfolgend ein Auszug aus seinem Vortrag „Friedhöfe sind aufgeschlagene Geschichtsbücher“ .
Versunken in der Geschichte - Vergangenheit und Vergänglichkeit; Spuren sind geblieben, aus Chronik und Erinnerung zusammengefügt. „Auf dem Stande“ hieß die Straße vor dem Ersten Weltkrieg, die jetzt den Namen des polnischen Dramatikers (und Malers) Stanislaw Wyspianski (1869-1907) trägt. Sie mündet in die Lubelska (ehemals Scheegelner Straße) und führt auf die Anhöhe direkt zum Eingang des Friedhofes, der schon 1869 angelegt worden war. Eine Tafel weist aus: „Cmentarna kommunalnego w Gubinie“ (Örtlicher Friedhof von Gubin), auf dem sich, wie zu erfahren ist, mehrere tausend Grabstätten aus Gubin und Umgebung befinden, Kreuze und steinerne Platten dicht gedrängt. . .
Im verschneiten Januar 1972 zeigte der einstige Ostfriedhof (ferner gibt es den Alten Friedhof „Vor dem Crossener Tor“ ) eine bizarre Mischung aus deutscher und nunmehr polnischer Nachkriegszeit. Erhalten war bis dahin die Grabstätte des Gubener Oberbürgermeisters Paul Bollmann, dessen 24-jähriges erfolgreiches Wirken in der Kommunalpolitik Gubens von 1887 bis 1911 hervorzuheben ist (unter anderem Wasserwerk, Schlachthof, Straßenbahn, Pestalozzischule). Sein Grabmal mit einer drei Meter hohen Christusfigur wurde geschaffen von Prof. Karl Donndorf aus Stuttgart, dem auch das Corona-Schröter-Denkmal auf der Schützeninsel zu verdanken war (1905, Fragment erhalten).
Der Königliche Musikdirektor Fritz Zierau (gest. 1931), Komponist und Organist, erhielt einen granitenen Stein des Gubener Sängerbundes und der Liedertafel. Einsam neben versunkenen Gräbern war er 1972 noch erhalten.
An der nördlichen Umfriedung befand sich der bald danach abgetragene Obelisk zu Ehren des 1879 verstorbenen Begründers des Männerturnvereins Guben, Erasmus Vogel, Rektor der Stadtschule und einst bekannter Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung von der Fraktion der Linken.
Die beiden Grabstätten der während des Kapp-Putsches im März 1920 gefallenen Gubener Arbeiter Otto Thiele und Franz Blümke, die beim Begräbniszug auch von russischen Kriegsgefangenen des Lagers Groß Breesen begleitet wurden, befanden sich an der westlichen Seite des Friedhofes und wurden bald danach zum Platz der Befreiung (jetzt Platz des Gedenkens) umgebettet.
Heute sind keine deutschen Grabstätten mehr vorhanden, auch nicht das hölzerne Gedenkkreuz für die 175 gefallenen bzw. verstorbenen Soldaten des Ersten Weltkrieges. Inzwischen ist - seit der Wende 1989/90 - von polnischer Seite ein differenziertes Verständnis zu deutschen historischen Stätten und Überlieferungen eingetreten, was sich auch in der Museumskammer in Gubin widerspiegelt.