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Zwischen Kupferhammer und Konditorei

Guben. Da müssen wir über 250 Jahre zurückgehen. Von der kleinen Fließbrücke fällt unser Blick auf die verwitterte Wehranlage der einstigen Kupferhammermühle.

Die Stätte mit dem gelben Klinkerbau - flankiert von nüchternen Anbauten - kündet von versunkenen Tagen, von fleißigen Leuten, von Leid und Freuden zugleich. Dicht vor uns der Bahnübergang der Strecke nach Frankfurt/Oder und südwärts, eingeschlossen vom Schwarzen Fließ, eine Parkanlage. Standort des einst beliebten Ausflugslokals "Kupferhammer", heute von Eigenheimen eingenommen.

Das Schwarze Fließ, bei Bärenklau entspringend, nach 15 Kilometern Länge in die Neiße mündend, trieb früher viele Mühlen an - darunter in Atterwasch, Deulowitz sowie die bekannte Sprucker Mühle noch bis 1970 (aber ohne Mühlenrad).

Errichtet wurde der Kupferhammer im Jahr 1751 unter Kurfürst Friedrich August II., verbunden mit einer Münzstätte, wo, nachzulesen im Heimatkalender 1992, kupferne polnische Schillinge, 3 zu einem polnischen Groschen, 90 auf einen polnischen Gulden geprägt wurden.

Ein König im Kupferhammer

Überliefert ist die Übernachtung des Preußenkönigs Friedrich II. im Gebäude der Münze am 14. Oktober 1760 - mitten im Siebenjährigen Krieg - bei seinem Rückzug aus Schlesien.

Die Stadt und Umgebung von Guben wurden damals heimgesucht von Plünderungen, Übergriffen und Zahlungen - eine bittere Zeit für die kleinen Leute. Während die Münzstätte offenbar nur wenige Jahre bestand, existierte der Kupferhammer in der Folgezeit als Schmiede und Mühle weiter (ähnlich wie der damalige Granoer Hammer, später eine Spinnerei). Verarbeitet wurde für technische und Haushaltsgeräte Kupfer aus dem Erzgebirge - sowohl reines als auch Altkupfer.

Über die weitere Epoche ist wenig bekannt. Im Jahr 1890 registriert der Gubener Wohnungsanzeiger ein Getreide-Mahlgeschäft unter Wilhelm Schulz, bis schließlich im Jahr 1911 das Grundstück Nr. 22 vom Zentralverband deutscher Konsumvereine, Zweigstelle Guben, übernommen wurde. Um 1930 befanden sich hier das Kontor, die Bäckerei und Konditorei, Mühle und Sparkasse.

Fortgeführt wurde die Tradition nach dem Krieg als Konsum-Bäckerei, geleitet von Horst Lange bis zur Auflösung im Juni 1991. Sein Mitarbeiter, Dieter Reuter, besitzt noch einige Aufnahmen, von denen eine hier zu sehen ist. Das weiträumige, ländlich wirkende Anwesen, liegt heute in privater Nutzung.