Januar 1972 und kennt natürlich das dreigeschossige Bauwerk des einstigen Central-Hotels mit dem Café Schönberger ganz genau mit allen Phasen seiner Veränderung bis zur heutigen modernen Gestaltung.
Ganz anders die Situation vor über 60 Jahren - im Frühjahr 1945. Die Neißebrücke war von der Wehrmacht gesprengt, die Stadt geteilt. Die Tochter des damals dort wohnenden Chefarztes Dr. Franz Ayrer (1865-1949) erinnert sich: „Türen und Wände waren herausgerissen, alle Möbel zerstört, und ihr Inhalt an Porzellan, Gläsern, Büchern u. a. lag in Scherben und Fetzen dazwischen. Das noch Brauchbare war größtenteils gestohlen.“ (Gubener Humanisten 20/1982).
Vielfältige Nutzung fanden in der Folgezeit die inzwischen reparierten, umgebauten Räumlichkeiten. Zeitweilig gab es dort unter der Firmierung „Hotel Stadt Guben“ Gastronomie mit musikalischer Umrahmung und Tanz. Die „Gubener Nachrichten“ vom 24. Februar 1950 verkündeten in einer Anzeige die Verabschiedung der Tanzkapelle Wenske und das Auftreten der neuen Hauskapelle mit dem „Mika-Bar-Trio“ . Geboten wurde gehobene Unterhaltungsmusik aus Operette, Film und gängigen Schlagern; von Johann Strauß bis zu den Caprifischern, die bei „roter Sonne“ auf's Meer hinausziehen; von Rosamunde, die doch ihr Herz verschenken möge, bis zu den „Beinen von Dolores“ , die die Senores nicht ruhen lassen.
Das Fernsehen war in den Fünfzigern noch unbekannt, umso mehr gefüllt die Kinos, häufig ausverkauft (die Kammer-Lichtspiele brachten gerade „Die Stalingrader Schlacht“ ), und Radiomusik war ohnehin beliebt.
Wie lange dort musiziert und getanzt wurde, konnte bisher nicht ermittelt werden. Fest steht die weitere Nutzung der Räume durch das Foto- Atelier von Richard Simon (vorher im Lindengraben), durch ein Lebensmittelgeschäft und die Konsum-Konditorei. Der Zeitzeuge Erhard Noack, im anliegenden Malergeschäft von Seuring tätig (inzwischen zur Inselstraße umgezogen), erinnert sich an die dortige Backstube in den Kellergewölben, wo Kuchen und Torten für Guben und Umgebung (darunter für das neue Eisenhüttenkombinat in Fürstenberg) hergestellt und versendet wurden. Später verschwanden viele Gerätschaften, Geschirr und selbst Dokumentationen, wie Gästebücher des Hotels. Zum Glück konnte Erhard Noack noch ein Kaffeeservice (und anderes) bergen mit den Inschriften „Central-Hotel“ und mit grünfarbigem Gubener Stadtwappen verziert (Abb.).
Jahrzehnte sind ins Land gegangen bis zur jetzigen Einrichtung des Bundespolizeiamtes Frankfurt (Oder). Klaus Heinrich zeigt an einer Karte die vielfältigen Aufgabengebiete bei Bahn, Schifffahrt, Auto- und Besucherverkehr und umreißt Kontroll- und Sicherheitsaufgaben im Grenzgebiet.
1997 erfolgte eine weitere Umgestaltung des einstmals im Kriege beschädigten Anwesens. Eine neue Konzeption veränderte die Außenfront ebenso wie die Innenanlage. Die historische Balkonfront wird nun von einem einfachen Durchgang eingenommen, und unter dem metallischen Dachgeschoss befinden sich Umkleideräume für die Beamten.
Verklungen sind die Lieder der Caprifischer, Rosamunde hat ihr Herz verschenkt (oder wieder verloren), und die damals 20-Jährigen haben jetzt die 70 überschritten. Und das ist der Trost der Geschichte: dass es einen jeden trifft und einige Geheimnisse bleiben, die der Historiker nicht unbedingt wissen muss.