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| 18:49 Uhr

Guben
Zwerge, Riesen und Widder

Vor allem bei Kindern kamen die Tiere gut an – wobei ihre Bewertungskriterien weniger scharf gewesen sein dürften als die der Wertungsrichter bei der Landesrammlerschau.
Vor allem bei Kindern kamen die Tiere gut an – wobei ihre Bewertungskriterien weniger scharf gewesen sein dürften als die der Wertungsrichter bei der Landesrammlerschau. FOTO: Silke Halpick / LR
Kerkwitz. 300 Tiere und 400 Besucher machen Landesrammlerschau am Wochenende in Kerkwitz zum Erlebnis.

Die schönsten Rammler des Landes Brandenburg sind Hasenkaninchen aus Nauen (Havelland). Ihr Züchter Lutz Schropsdorff hat mit 292 Gesamtpunkten den größten aller Pokale auf der diesjährigen Landesschau in Kerkwitz gewonnen. Gesponsert wurde der Preis vom Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD).

„Die Kleintierzucht ist ein wichtiges Hobby im ländlichen Raum“, sagt Woidke. Er habe sich schon am Freitag, als die anstrengenden Sondierungsgesprächen zur Regierungsbildung noch in Berlin liefen, auf seinen Besuch hier in Kerkwitz „schon gefreut“, wie er sagt. Für Woidke steht der ortsansässige Verein, der im Vorjahr sein 70-jähriges Bestehen feierte, ohnehin für viel mehr als nur Kleintierzucht.  „Der Verein hat das Dorf vorangebracht“, stellt der Ministerpräsident fest.

Auch die Ausstellungshalle, in der jetzt knapp 300 Tiere zu sehen sind und in der auch schon namhafte Bands wie Rockhaus oder Bell, Book & Candle ihren Auftritt hatten, wurde vom Verein mit Geld aus dem Leader-Programm des Landes Brandenburg gebaut.  „Die Fördermittel zu bekommen, war schwierig“, erinnert sich Steffen Krautz, SPD-Kreistagsabgeordneter und Vereinsmitglied. Auch der Dorfladen als einzige Nahversorgungseinheit im weiteren Umkreis wird vom Kleintierzuchtverein betrieben.

„In Kerkwitz ist immer viel los“, betont Spree-Neiße-Landrat Harald Altekrüger (CDU). Er erinnert an den Stationenweg, der im Luther-Jubiläumsjahr 2017 auch in dem kleinen Dorf der Gemeinde Schenkendöbern Halt gemacht und Reformationsgeschichten eingesammelt hatte, die später Bestandteil der Weltausstellung in Wittenberg wurden. Altekrüger lobt die „wertvolle Vereinsarbeit“ der Kleintierzüchter, mit der schließlich auch das Erbgut der verschiedenen Kaninchenrassen erhalten werde.

Knapp 300 Tiere haben um die Gunst der Preisrichter gerungen, darunter Englische Schecken, Russen, Lohkaninchen, Zwerg-Rexe oder deutsche Kleinwidder. Mit so einer großen Beteiligung hatte Wolfgang Straße gar nicht gerechnet, wie er sagt. Der Vorsitzende des Kleintierzüchtervereins gehörte zu den Preisrichtern und spricht von einer „guten Qualität“ der ausgestellten Tiere. Die Züchter kamen aus ganz Brandenburg und Berlin. Auch sieben Jugendmeister wurden ausgezeichnet, darunter Leon Schropfsdorff aus Nauen und Leonie Blasche aus Jamlitz (Dahme-Spreewald). Die Zwölfjährige hat 16 Tiere und wird vom ihrem Großvater bei der Zucht unterstützt.

„Das ist nach wie vor der klassische Weg“, sagt Martin Groß, Vorsitzender des Landesverbandes der Rassekaninchenzüchter Berlin-Brandenburg. Allerdings gebe es mittlerweile in allen Verbänden Nachwuchssorgen. Vielen Menschen in den Dörfern, die meist berufsbedingt pendeln, fehle es an Kapazität für das zeitintensive Hobby. Rund 2500 organisierte Züchter gibt es in Brandenburg. Die schönsten 3000 Tiere werden regelmäßig bei der Landesschau in Paare-Glien (Havelland) gezeigt. Der Standort für die Rammler-Ausstellung wechselt von Jahr zu Jahr. Bereits zum zweiten Mal sind die Kerkwitzer Ausrichter der Schau.

Viele der Besucher sind aber auch am Kauf neuer Tiere interessiert. Allein bis Samstagmittag gab es 30 Verkaufsabschlüsse. Der Grund für die hohe Nachfrage ist die Kaninchenseuche, die im vergangenen Jahr in  der Region grassierte und die Bestände der Züchter fast gänzlich vernichtete. Auch Wolfgang Straße, der noch bei der vergangenen Landesrammlerschau mit seinen „Hellen Großsilber“ einen Meistertitel holte, war betroffen. Nur fünf Tiere überlebten die Seuche, mehr als 30 starben damals. Langsam erhole sich der Bestand, wie er erzählt. Eine der Häsinnen hat jetzt acht Junge geworfen. Nun hofft er auf einen Neuanfang für seine Zucht.

Völlig unbeeindruckt vom ganzen Rummel sind die Sieger selbst: Die rot-braunen Hasenkaninchen aus Nauen sitzen in den Käfigen, machen Männchen oder beschnuppern neugierig die Besucher. Ihr schlanker Körper und hoher Sitz erinnert tatsächlich eher an Hasen. Erst 1900 wurden Hasenkaninchen, die aus Belgien stammen, erstmals bei einer Ausstellung in Deutschland gezeigt. 1933 wurden sie aber vom Reichsverband Deutscher Kleintierzüchter als Sportrasse eingestuf und verloren so zunächst an Bedeutung. Mittlerweile sind Hasenkaninchen wieder auf vielen Ausstellungen zu sehen.