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| 01:07 Uhr

Zwei Opfer, die auch Täter sind

Guben.. Die Geschichte eines verzwickten Kriminalfalles der Gubener Polizei beginnt am 16. Dezember 2002. Es ist schon dunkel, da radelt Roland R. mit seinem Fahrrad zum „Kaufland“ an der Schillerstraße. Er geht ins Geschäft. (si)

Als er wenige Minuten später wiederkommt, ist der Drahtesel weg.
Klare Sache für ihn: Das Fahrrad ist gestohlen. R. meldet den Verlust bei der Polizei, bei seiner Versicherung und kassiert natürlich die Prämie.
Doch schon nach wenigen Tagen glaubt Roland R. seinen Augen nicht zu trauen. Da radelt doch Herbert S., ein Bekannter, mit seinem gestohlen gemeldeten Fahrrad heran. Roland R. stellt ihn zur Rede und nimmt sich sein Fahrrad wieder.
Herbert S. zuckt auch nicht lange, schließlich hat er ein schlechtes Gewissen. Er war nämlich am gleichen Abend einkaufen. Als er den Markt verließ, war sein Fahrrad ebenfalls gestohlen. Doch S. fragte nicht lange, sondern nahm sich den erstbesten Drahtesel, der nicht angeschlossen war, und fuhr davon.
Der Fall wäre kein Fall für die Kripo geworden, wenn sich nicht einer gemeldet hätte, der Roland R. kennt. „Der hat doch sein Fahrrad als gestohlen gemeldet und die Versicherungssumme kassiert, jetzt fährt er mit dem Rad herum“ , sagte er den Polizisten.
Eine Hausdurchsuchung bei Roland R. bestätigte den Verdacht.
Die Polizei rollte den Fall akribisch auf und fand schnell heraus, dass sie es mit zwei Opfern zu tun hat, die gleichzeitig Täter sind.
Gegen Roland R. ermittelt der Staatsanwalt jetzt wegen Versicherungsbetrugs. Tückisch für R. ist in diesem Zusammenhang auch die Tatsache, dass sich bei den Ermittlungen herausgestellt hatte, dass sein Fahrrad nicht angeschlossen war. In der Anzeige bei der Polizei aber hatte sich das noch ganz anders gelesen. Dort hatte R. angegeben, den Drahtesel ordnungsgemäß abgeschlossen zu haben.
Aber auch auf Herbert S. hat die Staatsanwaltschaft ein Auge geworfen. Er hat schließlich einfach ein Fahrrad mitgenommen, das ihm nicht gehörte.
Auch der Frust über den Verlust des eigenen Fahrrades entschuldigt aus der Sicht der Juristen die Tat nicht.
In den nächsten Wochen werden die Staatsanwälte entscheiden, ob sie Anklage erheben oder den beiden Opfer-Tätern jeweils einen Strafbefehl zukommen lassen.