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Leerstand
Zuschauen beim langsamen Zerfall

Die ehemalige Grundschule steht leer, einen Nutzungsplan gibt es nicht. Die Gemeinde sucht einen Mieter.
Die ehemalige Grundschule steht leer, einen Nutzungsplan gibt es nicht. Die Gemeinde sucht einen Mieter. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler / Zeidler,Michèle-Cathrin
Schenkendöbern. Für die ehemalige Grundschule in Groß Gastrose gibt es aktuell kein Nachnutzungskonzept.

8000 Euro muss die Gemeinde Schenkendöbern jedes Jahr für die ehemalige Kleine Grundschule in Groß Gastrose bezahlen. „Über zwei Drittel der Räumlichkeiten stehen leer“, erzählt Peter Jeschke, Bürgermeister der Gemeinde Schenkendöbern. „Wir machen Verluste und schauen zu, wie das Gebäude langsam zerfällt.“

Das Namensschild hängt noch immer leicht verwittert über dem Eingang. Doch unterrichtet wird hier seit Juli 2015 nicht mehr. Mit einer letzten Zeugnisübergabe ging damals eine 124 Jahre währende Schulära zu Ende. Seither ist es still geworden am Mühlengraben. Nur vom benachbarten Kinderhaus schallt noch Gelächter herüber.

„Aktuell nutzt ein örtlicher Friseur einen kleinen Teil der Räumlichkeiten als Salon“, sagt Peter Jeschke. Die Turnhalle und der Schulsportplatz können außerdem von Vereinen gemietet werden. „Die Volkssolidarität führt regelmäßig Veranstaltungen durch,  unsere Linedance-Gruppe probt hier, und eine Frauensport-Gruppe trifft sich jede Woche in der Turnhalle“, berichtet der 59-Jährige. Weiterhin werde der Versammlungsraum hin und wieder von der Gemeinde genutzt.  Dennoch reiche diese Belegung bei Weitem nicht, um die Kosten zu decken. „Wir können die Heizung ja nicht einfach abstellen, und die Nebenkosten werden trotzdem Monat für Monat fällig“, begründet Peter Jeschke. Ein Konzept für die weitere Nutzung gibt es in der Gemeinde aktuell nicht. „Wir sind offen für jede Mietanfrage“, betont der Bürgermeister. „Das Gebäude ist völlig in Ordnung, und auch das Dach ist in einem guten Zustand.“

Die Kleine Grundschule wurde 2015 geschlossen, weil es nicht mehr genügend Erstklässler gab. Das Landesschulamt hatte die Gemeinde als Schulträger daraufhin aufgefordert, die Schließung auf den Weg zu bringen. „Dieser Schritt fiel mir damals sehr schwer“, gesteht Peter Jeschke. Auch er selbst hatte in Groß Gastrose Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt. Heute besuchen die jungen Groß Gastroser die Grundschulen in Grano, Jänschwalde und Guben.

Ursprünglich gab es für die Grundschule in Groß Gastrose einen Nachnutzungsplan, sagt Jeschke. „Wir wollten hier für Groß Gastrose und Markosice sowie deren Umland in der Euroregion Spree-Neiße-Bober ein deutsch-polnisches Bildungshaus aufbauen“, führt er weiter aus. „Unser Ziel war es, ein Angebot von der Kita bis zum Rentenalter zu schaffen und somit auch den Generationen jenseits des Schulalters durch Kultur- und Bildungsangebote eine Annäherung beider Völker zu ermöglichen.“ Doch das Vorhaben scheiterte.

Schon das deutsch-polnische Projekt am Kinderhaus Groß Gastrose sorgte für viel Wirbel in der Gemeinde. Da es für die Betreuung der polnischen Kinder keinen Personalkostenzuschuss vom Landkreis Spree-Neiße-Kreis gab, musste die Gemeinde die Mehrkosten in Höhe von 21 000 Euro selbst schultern. Ausgeglichen wurde das Defizit letztlich durch Mittel des Energiekonzerns Vattenfall, die dieser im Rahmen einer Dachvereinbarung für die Unterstützung des Gemeinschaftslebens zur Verfügung gestellt hatte.

Gegen den Bürgermeister ermittelte damals die Staatsanwaltschaft, weil er das Projekt auf eigene Faust und ohne den dafür zwingend nötigen Beschluss der Gemeindevertreter gestartet hatte. Das Verfahren gegen ihn wurde gegen die Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 3000 Euro im Sommer 2017 eingestellt.

„Wir waren alle Feuer und Flamme für das Projekt, aber nun ist die Luft einfach raus“, sagt Peter Jeschke. „Einen zweiten Anlauf wird es nicht geben.“ Jeschke verweist darauf, dass ähnliche Projekte andernorts von Erfolg gekrönt sind. So hatte die Euroregion im Jahr 2012 rund zwei Millionen Euro Fördermittel für das Projekt „Bildung ohne Grenzen“ in Frankfurt (Oder) und Slubice zur Verfügung gestellt. Das Geld wurde in zwei Kindergärten investiert, die gemeinsam ein polnisch-deutsches Vorschulbildungssystem aufbauen.

Peter Jeschke, Carmen Mönchinger und Claudia Groba (v.l.) in einem der neu gestalteten Klassenräume in der Grundschule Grano.
Peter Jeschke, Carmen Mönchinger und Claudia Groba (v.l.) in einem der neu gestalteten Klassenräume in der Grundschule Grano. FOTO: Daniel Schauff