Pastor Michael Voigt, Krankenhausseelsorger am Naemi-Wilke-Stift in Guben, möchte den ehrenamtlichen Krankenhausbesuchsdienst im Stift personell stärken. Der Rundschau erklärt er worauf dabei zu achten ist und für welche Menschen das Ehrenamt in Frage kommt.

Pastor Voigt, wozu gibt es einen ehrenamtlichen Krankenhausbesuchsdienst?

Egal ob wegen einer geplanten Operation oder einer ernsthaften Erkrankung: Wer ins Krankenhaus kommt, verliert seine Alltagsroutine. Damit sind innere Sicherheiten oft nicht mehr spürbar. Unerledigtes, Notvolles, Leid meldet sich zu Wort, eine schwere Diagnose ist zu verarbeiten, ältere Trauer bricht neu auf. In solchen Zeiten empfinden es viele als hilfreich, wenn jemand da ist, der zuhört. Unsere Ehrenamtlichen vom Krankenhausbesuchsdienst erleben bei solchen Besuchen, wie buchstäblich geschieht, was das Sprichwort sagt: „Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude.“ Wenn es gelingt, sieht man am Ende in ein erleichtertes, dankbares Gesicht und hört die Worte: „Das hat mir richtig gutgetan.“

Braucht es nicht ein spezielles Fachwissen, um Rat und Trost zu spenden?

Nein. Ein gutes Gespräch am Krankenbett zeichnet sich dadurch aus, dass ich zuhöre und auf Ratschlag und Trostworte verzichte, es sei denn, sie werden ausdrücklich erbeten. Fachleute, Ärzte, Psychologen und Pflegekräfte mit ihrem Fachwissen sind nicht hoch genug zu schätzen und tun ihre Arbeit. Am Krankenbett braucht es aber von unserer Seite Empathie und die Fähigkeit, die Not des Besuchten wahrzunehmen und zuzuhören.

Welche Voraussetzungen sollte man mitbringen?

Nichts Besonderes: Man sollte mit beiden Beinen im Leben stehen, psychisch und physisch einigermaßen belastbar sein, Freude am Kontakt mit Menschen haben, sowie Verständnis für das „Anderssein“ anderer Leute mitbringen und auch etwas Zeit, etwa einen Vormittag oder Nachmittag pro Woche. Ganz wichtig ist, dass man nicht seine eigenen Probleme zu den Besuchten trägt.

Gibt es eine Altersbeschränkung?

Für die Ausbildung nicht. Im Einsatz ist die Regelaltersgrenze 80, ab der man ausscheiden soll. Unsere Gubener Gruppe ist im Durchschnitt unter 60 Jahre alt.

Wird der Einsatz in irgendeiner Art vergütet?

Es gibt keine Vergütung. Die Einsätze sind ehrenamtlich. Pro Tag kann man fünf Euro Aufwandsentschädigung bekommen.

Gerät man als Besucher nicht auch in belastende Situationen?

Ja und nein. Zum einen werden im Krankenhaus natürlich die Nöte der Menschen spürbar. Auf der anderen Seite gehört zur Ausbildung, dass ich lerne, mich auch selbst zu schützen. Warum sollte ein Gespräch, wenn es zu belastend wird, nicht auch vom Krankenhausseelsorger weitergeführt werden? Für eine Sterbebegleitung haben wir ausgebildete Hospizhelfer, die dafür eine eigene Ausbildung erhalten haben.

Das Grundgefühl unserer Ehrenamtlichen nach ihren Besuchen ist die Freude. Denn es erfüllt uns selbst, anderen Freude zu bringen. Wichtig ist, dass man sich während der Ausbildungszeit selbst erproben kann. So bekommt man bald ein Gefühl, ob man dem Besuchsdienst gewachsen ist. Bei den monatlichen Treffen der Ehrenamtlichen gibt es später dann Gelegenheit, über Erfahrungen zu sprechen und sich weiterzubilden.

Muss man eigentlich Christ sein, um mitarbeiten zu können?

Die Ausbildung ist nach dem Leitbild der evangelischen Krankenhaushilfe gestaltet. Insofern sollte man christliche Überzeugungen nicht grundsätzlich ablehnen und das christliche Menschenbild insofern teilen, dass jedes Leben wertvoll und einzigartig ist. Ansonsten geht es um das Zuhören und Zuwenden und nicht darum, eigene Überzeugungen zu Markte zu tragen.

Wie viele Ehrenamtliche gibt es schon im Wilkestift?

Elf Damen und ein Herr sind im Augenblick ehrenamtlich tätig, allerdings nur drei im regelmäßigen Besuchsdienst, die anderen sporadisch, im Hospizdienst, zur Patientenbegleitung oder mit dem Bücherwagen.

Wann startet der nächste Kurs?

Ein neuer Ausbildungskurs startet am 21. Februar in Guben. Interessenten können sich direkt bei mir anmelden.

So können sich Interessenten anmelden


Wer Interesse an einer Ausbildung für den ehrenamtlichen Besuchsdienst hat, kann sich bei Krankenhausseelsorger Michael Voigt unter Telefon 0172 3097373 oder per E-Mail an guben@selk.de melden. Es ist dann ein Kennenlerngespräch vorgesehen, bei dem weitere Informationen gegeben und Fragen beantwortet werden.