Der von den Nazis geächtete und zum Tode verurteilte jüdische Professor der Romanistik und Nationalpreisträger von 1952 hat sich vor allem als Herausgeber moderner französischer Literatur Verdienste erworben.
Eindrücklich ist auch sein Buch „Lingua Tertii Imperii“ - „Die Sprache des Dritten Reiches“ , in dem er kritisch die nachlässige Sondersprache des Nationalsozialismus unter die Lupe nahm.
Grundlage dafür waren seine „Tagebücher von 1933 bis 1945“ , die heute als ein wichtiges Dokument der Zeitgeschichte gelten und Standartwerk für den Geschichtsunterricht sind.
Die Tagebuchnotizen führte Klemperer als lose Blattsammlung, die er in regelmäßigen Abständen durch seine Frau Eva bei einer Freundin verstecken ließ, da eine Entdeckung durch die Gestapo bei den permanent drohenden Haussuchungen fatale Folgen gehabt hätte. In seinen Notizen beschrieb er auch Eindrücke aus der hiesigen Umgebung. Auf der Durchreise nach Berlin weilte er 1937 auf einem Sprung in Sembten und kam dabei auch durch Guben.
Für den 22. Mai heißt es in seinen Reisenotizen: „Dann also Guben - die Straße bog aber vorher ab. Wir hielten endlich an einem richtigen Dorfgasthaus in Sembten. Mittagszeit vorbei, alle Räume leer, Radiomusik, gelegentlich ein Soldat oder ein Dorfjüngling. Es gebe noch Klöße, allenfalls ein bisschen Fleisch dazu. Es erschien ein Teller Suppe, ein riesiger Teller Kalbsbraten, eine Schüssel mit fünf Klößen, Kompott und Glibber und all das kostete eine Mark, und mein Kümmel kostete dreißig Pfennig.“
Die Bedeutung seiner Tagebücher würdigte auch die Wochenzeitung „Die Zeit“ : „Es ist ein ganz außergewöhnliches Werk, wahrscheinlich, neben dem Tagebuch der Anne Frank, das bedeutendste, das sich aus jener finsteren Epoche erhalten hat.“
Victor Klemperer, 1881 in Landsberg an der Warthe als achtes Kind eines Rabbiners geboren, starb 1950 geachtet als Kenner der Wissenschaft von den romanischen Sprachen und Literaturen in Dresden.