| 14:27 Uhr

Zeit läuft für Gubens Wetterfahne

Margit Wojciechowski, Günter Quiel und Barbara Kalutzni (v.l.n.r.) stehen hinter den Modellen der Wetterfahne und der Kirche
Margit Wojciechowski, Günter Quiel und Barbara Kalutzni (v.l.n.r.) stehen hinter den Modellen der Wetterfahne und der Kirche FOTO: Halpick
Guben. Die neue Wetterfahne auf dem Turm der Stadt- und Hauptkirche Guben soll ab dem 10. Juni zeigen, woher der Wind in der deutsch-polnischen Doppelstadt weht. Silke Halpick

Der Einweihungstermin steht bereits dick vermerkt im Kalender von Günter Quiel, dem Vorsitzenden des Fördervereins zum Wiederaufbau. Allerdings müssen vor der feierlichen Zeremonie noch diverse Auflagen der polnischen Denkmalbehörde erfüllt werden. "Wir werden den Termin halten", verspricht Quiel. Wegen baulicher Mängel ist derzeit auch der Aufstieg auf den Turm untersagt.

Eigentlich beginnt zu Ostern alljährlich die Turmsaison. Dann können interessierte Besucher die mehr als 300 Stufen der Außentreppe entlang der beeindruckenden Kirchruine emporsteigen. Belohnt werden sie mit einem fantastischen Ausblick auf die Stadt an der Neiße. In diesem Jahr bleibt die Treppe jedoch gesperrt. Grund ist der zum Teil marode Zustand der Außenwand. Die Gefahr, dass abbröckelndes Mauerwerk herunterfällt, sei zu groß, heißt es.

Ein großer Höhepunkt für den Verein ist die Einweihung der neue Wetterfahne. Doch bevor diese aufs Dach kommt, müssen noch die Laterne auf dem Turm verputzt und der sich anschließende Kuppelbau mit einem Kupferblech überzogen und so vor Witterungseinflüssen wie eindringendem Wasser geschützt werden. Um die Arbeiten durchzuführen, sei ein Gerüst nötig, erklärt Quiel. Mit der Ausführung wurde ein Gubiner Unternehmen beauftragt. Finanziert werde das Projekt über das polnische Denkmalamt, den Förderverein zum Wiederaufbau der Stadt- und Hauptkirche sowie die Partnerstadt Laatzen (Niedersachsen).

Auch die neue Wetterfahne, die aus Edelstahl besteht und rund 1,20 Meter breit sowie 80 Zentimeter hoch ist, wird von den Menschen in Laatzen gesponsert. "Das Geld ist fast zusammen", sagt Quiel. Die Städte Guben, Gubin und Laatzen verbindet eine 20-jährige Partnerschaft. Auf der Wetterfahne zu sehen sind ein Hirsch sowie zwei Obstbäume. Der Legende nach wurde ein weißer Hirsch genau an der Stelle gesichtet, an der später die Stadt- und Hauptkirche gebaut wurde. Der Warraschke-Apfelbaum sowie die Spillingspflaume stehen für die Obstbaugeschichte der Stadt Guben. Als drittes Motiv ist der europäische Sternenkranz zu sehen.

Auch die Komplettsanierung der Kirchenruine könnte sofort beginnen - rein theoretisch. "Die technische Dokumentation liegt uns vor", sagt Quiel. Das ist die Baugenehmigung. Was allerdings fehlt, ist ein Geldgeber. Allein für den ersten Bauabschnitt, der ein lichtdurchlässiges Dach sowie die Stabilisierung der Außenwände beinhaltet, sind 2,5 Millionen Euro nötig. Der Förderverein setzt auf Sonderfördermittel von deutscher und polnischer Seite. Quiel verspricht, dafür "alle Register" ziehen zu wollen.

Zum Thema:
Gubens Stadt- und Hauptkirche wurde 1945 kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges stark zerstört. Nur die Grundpfeiler und der Turm stehen noch. Eigentümer ist die Stadt Gubin, auf deren Territorium die Kirche heute steht. Für den geplanten Umbau zu einem deutsch-polnischen Begegnungszentrum sind insgesamt zehn Millionen Euro nötig.