ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:57 Uhr

Woidke in Guben
Politik. Post.Papier.

  Volles Haus bei Dietmar Woidkes Bürgerdialog im Gubener Volkshaus. Die Themen waren vielfälltig, der Abend lang. Drei Stunden diskutierten die Gubener mit dem Landeschef.
Volles Haus bei Dietmar Woidkes Bürgerdialog im Gubener Volkshaus. Die Themen waren vielfälltig, der Abend lang. Drei Stunden diskutierten die Gubener mit dem Landeschef. FOTO: LR / Daniel Schauff
Guben. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) kommt nach Guben, um mit Interessierten zu diskutieren. Und Interessierte gibt es viele. Die erleben zwar einerseits einen Ministerpräsidenten im Wahlkampf, erfahren aber auch Neues aus Potsdam über die Entwicklung der Neißestadt. Von Daniel Schauff

Politikverdrossenheit? Von wegen. Volles Haus im Volkshaus, als Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am Dienstagabend den Saal betritt. Weit über 100 Gäste waren gekommen. Die meisten aus Guben, einige aus Schenkendöbern, einige aus dem Forster Umland. Einer sogar aus Frankfurt (Oder). Erst drei Stunden später wird Woidke das Volkshaus wieder verlassen. Bis dahin werden er und Gubens Bürgermeister Fred Mahro (CDU) Dutzende Fragen der Gäste beantworten. Bis dahin wird Woidke Kritik einstecken müssen. Bis dahin wird er aber auch Applaus ernten. Und einige Neuigkeiten in der Neißestadt zurücklassen.

Die Post beschäftigt die Gubener weiterhin. Mitte des Monats schließt die Geschäftsstelle in der Berliner Straße. Das erzählt Werner Fröhlich dem Ministerpräsidenten, bittet ihn um Hilfe. „Das ist immer auch ein Stück Lebensqualität, das verlorengeht“, sagt Woidke, erzählt auch von der Schließung in seiner Heimatstadt Forst und in anderen Orten im Land. „Wir werden das tun, was wir können“, sagt er, verweist aber auch darauf, dass die Postbank ein Privatunternehmen sei, die Handlungsspielräume der Landesregierung daher klein. Mahro berichtet von einem Brief, den er und sein Gubiner Amtskollege Bartlomiej Bartczak an die Geschäftsführung der Post geschrieben haben, nachdem die Übergabe der Unterschriftenliste an einen Verantwortlichen des Unternehmens gescheitert war. Mahro kritisiert: Offenbar gebe es  Menschen, die bereits vor zwei Jahren von der Schließung wussten. Er selbst habe erst – wie die meisten – Ende des vergangenen Jahres davon erfahren.

Die lange angekündigte Hygienepapierfabrik treibt FDP-Stadtparlamentskandidat Thomas Schreiter um. „Das Land schläft und schläft und schläft“, wirft er Woidke vor. Der weist die Kritik zurück. Es gehe immerhin um einen zweistelligen Millionen-Förderbetrag. Dafür müsse der Investor „alles Notwendige auf den Tisch legen“, so Woidke. Offenbar ist das bisher nicht geschehen. Eine Fristverlängerung laufe Mitte des Monats aus, sagt der Ministerpräsident. Auf das „Prinzip Hoffnung“ könne sich die Landesregierung nicht stützen, wenn es schlussendlich um Steuergelder gehe.“

 Dietmar Woidke
Dietmar Woidke FOTO: dpa / Patrick Pleul

Wie er zu der russischen Gaspipeline Nord Stream 2 stehe, will der Sachkundige Einwohner Wilfried Pansow von Woidke wissen. Woidke verweist auf die Verpflichtung Deutschlands gegenüber Russland – einerseits wegen der vielen Toten im Weltkrieg, andererseits wegen der Zustimmung der Russen zur Wiedervereinigung. Aber auch abgesehen davon sei er davon überzeugt, dass die Pipeline ein gutes Projekt für die Energieversorgung in Europa sei.

Der Stadtverordnete Günter Krause (FDP) wünscht sich eine Außenstelle der Brandenburgischen Technischen Universität in Guben. Eine Zusage macht Woidke Krause nicht, wohl aber berichtet er von dem Plan, Peitz, Guben und Forst zu einem Regionalen Wachtumskern (RWK) zu machen. Die zeichnen sich auch durch eine Präsenzstelle einer Hochschule aus. Welche das sei, sei abhängig von der Ausrichtung des Wachtumskerns. In RWK werden wirtschaftliche und wissenschaftliche Potenziale gezielt durch das Land unterstützt.

 Fred Mahro
Fred Mahro FOTO: FOTO-WERNER

Um eine Beschleunigung des Verfahrens um einen Förderantrag fürs Gubener Tierheim bittet Stadtparlamentsmitglied Gerhard Lehmann (Linke). Fördermittel sind für den Bau eines Hundehauses beantragt, der Antrag allerdings liegt bereits länger bei der Landesregierung. Fred Mahro kündigt in diesem Zusammenhang eine Aktion in Zusammenarbeit mit einem Fernsehsender an, bei der das Tierheim sich „sehr öffentlichkeitswirksam“ präsentieren könne. Genauer wird der Gubener Verwaltungschef noch nicht.

Der Hochwasserschutz interessiert den Stadtverordneten Klaus Schneider (parteilos). Er will wissen, wann er mit dem Beginn des Zweiten Bauabschnitts rechnen kann. Dabei wird die bereits bestehende Spundwand in der Alten Poststraße auf einer Länge von 160 Metern weitergeführt. Die Maßnahme ist stark im Verzug, 2014 war Bauabschnitt eins fertiggestellt worden. Woidke spricht nur von einem zeitnahen Baubeginn, Mahro nennt den Herbst als Starttermin. Für den Dritten Bauabschnitt zwischen Plastinarium und Nordbrücke rechnet Mahro mit einem Baubeginn 2022.