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Wohnen im Alter
Pilotprojekt für eine Million Euro

GWG-Chef Thomas Gerstmeier hat am Montagnachmittag feierlich den Gemeinschaftsraum zum Projekt „Altersgerechtert Umbau“ in Goethestraße 84 bis 84b an die Bewohner übergeben.
GWG-Chef Thomas Gerstmeier hat am Montagnachmittag feierlich den Gemeinschaftsraum zum Projekt „Altersgerechtert Umbau“ in Goethestraße 84 bis 84b an die Bewohner übergeben. FOTO: Michèle-Cathrin Zeidler
Guben. Neuen Wohnungen der GWG punkten mit Fahrstuhl und wohnbegleitenden Dienstleistungen.

Knapp über eine Million Euro hat die Gubener Wohnungsbaugenossenschaft (GWG) in das Projekt „Altersgerechter Umbau“ in der Goethestraße 84 bis 84b investiert. Die neun neuen Zwei-Raum-Wohnungen mit 33,5 Quadratmetern Wohnfläche punkten mit ebenerdiger Dusche, Gemeinschaftsraum und Fahrstuhl. Fünf Monate hat der Umbau des zu DDR-Zeiten gebauten Blocks vom Typ Lübbenau gedauert. „Das zentrale Element des Projektes ist der Fahrstuhl“, sagt GWG-Chef Thomas Gerstmeier, der am Montagnachmittag feierlich den Gemeinschaftsraum an die Bewohner übergeben hat. „Durch einen Mittelgang, der auf allen Etagen quer durch das gesamte Haus erfolgt, ist der Wohnungszugang barrierefrei.“

Statt den ehemals 49 Wohneinheiten sind nun 44 Wohnungen und ein Gemeinschaftsraum in dem Komplex untergebracht. „Bis auf eine sind alle neuen Wohnungen schon vermietet“, gibt Thomas Gerstmeier einen Einblick in die Vermarktung. Auch die Attraktivität der anderen Wohnungen habe sich durch den Fahrstuhl für viele Interessenten erhöht. „Von den Bestandswohnungen ist ebenfalls nur noch eine frei. Vor dem Umbau hatten wir über 30 Prozent Leerstand“, so der Immobilienexperte weiter.

275 Euro beträgt die Brutto-Warm-Miete für die neuen Wohnungen. Ein „akzeptabler Preis“, wie Thomas Gerstmeier findet: „Schließlich hat jede Wohnung auch noch einen Balkon.“ Um den Bewohnern mehr Platz zu verschaffen, gibt es Abstellräume auf jeder Etage, zusätzlich zu dem Keller.

Einen weiteren Mehrwert bietet  der Gemeinschaftsraum. „Hier werden wir wohnbegleitende Dienstleistungen anbieten“, sagt der GWG-Chef. Jeden Montag von 14 bis 16 Uhr veranstaltet die Volkssolidarität künftig eine Kaffee-Nachmittag mit den Bewohnern. „Wir werden ein wenig plauschen und uns erst einmal besser kennenlernen“, erklärt Sozialarbeiterin Birgit Kuchling. Sie würde gerne Spielenachmittage und Vorträge organisieren. „Auch kleine Ausflüge mit den Bewohnern wären eine Idee“, sagt Birgit Kuchling. „Alles was Freude macht.“ Sie hält den Umbau für eine gute Idee. „Viele Bewohner sind wirklich wegen des Fahrstuhls hergezogen“, weiß Birgit Kuchling. „Außerdem ist es wichtig, im Alter Kontakte zu halten. Dafür ist der Gemeinschaftsraum ideal.“

Auch die Gubener Haar- und Hautdesign GmbH kommt auf Wunsch jeden ersten Dienstag im Monat zum Haare schneiden in den Gemeinschaftsraum und bietet jeden ersten Freitag im Monat Fußpflege an. „In der Planung wurde sogar an einen Arbeitsplatz für den Friseur mit Stuhl und großem Spiegel gedacht“, sagt Sylke Schulz. Auch wenn es bisher noch keine Anfragen für ihren Service gibt, ist sie überzeugt, dass sich der Termin in einem halben Jahr etabliert haben wird. „Unser Salon in der Schillerstraße ist zwar nicht weit, aber manche Bewohner sind nicht mehr so mobil“, weiß die Inhaberin von vier Friseursalons in Guben. Ihr Team kennt die Bedürfnisse und Ansprüche von Senioren gut. „Wir machen Hausbesuche und betreuen mehrere Seniorenheime in Guben, dadurch ist das Team auf ältere Kunden eingestellt“, so Sylke Schulz.

Thomas Gerstmeier kann sich noch mehr Dienstleistungen vorstellen. „Die Angebote der Volkssolidarität und der Friseur sind die ersten Bausteine“, sagt er. „Auch eine Essensversorgung wäre für mich gut denkbar.“ Dafür will er aber die Reaktionen der Bewohner abwarten und ihre Wünsche. „Wir haben einen Versuch gestartet und müssen jetzt schauen, was sich in Zukunft ergibt.“ Die GWG sieht sich dabei als Vermittler: „Wir werden sehen, wo wir den Service rund ums Wohnen noch weiter unterstützen können.“

Generell sieht die GWG in dem Projekt „Altersgerechter Umbau“ Potenzial. „„Die Stadt Guben wird immer älter“, weiß Thomas Gerstmeier. „Im Schnitt sind unsere Mitglieder heute 62,4 Jahre alt.“ Die Nachfrage nach altersgerechten Wohnungen steige. „Für uns ist die Goethestraße daher ein Pilotprojekt“, so der Vorstandvorsitzende. „Wenn es funktioniert und alle Faktoren stimmen, kann ich mir das Projekt auch in anderen Liegenschaften vorstellen.“

Bisher gab es nur positive Meinungen. Auch Renate Pohland gefällt der Umbau gut. „Ich ziehe im März ein“, erzählt sie. Nach 50 Jahren muss sie ihre alte Guwo-Wohnung verlassen. „Ich habe großen Wert darauf gelegt, dass Küche und Bad ein Fenster haben“, so die ehemalige Buchhändlerin. „Der Gemeinschaftsraum ist schön. Da kann man die anderen Bewohner besser kennenlernen.“