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Wohin mit Gubens Kindern?

Nicht unwahrscheinlich ist der Ausbau eines weiteren Guwo-Gebäudes zum Hort in der Schulstraße.
Nicht unwahrscheinlich ist der Ausbau eines weiteren Guwo-Gebäudes zum Hort in der Schulstraße. FOTO: dsf
Guben. Zu viele Kinder, zu wenig Platz. Was sich zunächst wie ein bitterböser Kommentar zum Neißestadt-Nachwuchs anhört, ist eigentlich ein Grund zur Freude. Daniel Schauff

Zumindest sieht es der amtierende Bürgermeister Gubens, Fred Mahro, so. Und wer will ihm widersprechen - Guben wird in den nächsten Jahren mehr Kinder haben, als die Prognosen vorhersagen konnten.

Das allerdings führt zu Problemen bei der Unterbringung im Hort - vor allem in der Gubener Friedensschule, einer von zwei Grundschulen in der Neißestadt. Die wird künftig weiterhin - und entgegen aller Vorhersehbarkeit - dreizügig laufen. Schon jetzt gibt es eine Sondergenehmigung für die Hortbetreuung der Friedensschüler. Und die wird aller Voraussicht nach im Herbst 2019 auslaufen. Summa summarum 68 Plätze würden in der Folge fehlen. Um ganz sicher zu gehen, will die Stadtverwaltung nun Möglichkeiten für die Unterbringung von rund 100 Hort-Kindern prüfen. Grünes Licht dafür haben die bisherigen Fachausschüsse gegeben - der Hauptausschuss hat erst in dieser Woche zum Vorhaben der Stadt diskutiert.

Ziemlich "charmant" fand zu Beginn der Diskussion die Stadtverordnete Christiane Fritzschka (CDU) die Idee von Gerhard Lehmann (Linke), auch die jetzige Fabrik auf ihre Tauglichkeit als Hort zu prüfen. Immerhin stehe das einstige Werk zwei leer, die Sanitäranlagen etwa seien auf dem neuesten Stand, und eine Nutzung als Hort würde die seit Ewigkeiten andauernde Diskussion über die Finanzierbarkeit eines hochwertigen Kulturprogramms in der Altstadt ad acta legen, so die Argumentation. Die Idee der Linken war neu, bis dahin schien mehr oder weniger klar, dass ein an die Friedensschule und den Hort an der Friedensschule angrenzendes Gebäude der Gubener Wohnungsgesellschaft (Guwo) in der Schulstraße die sinnvollste und finanzierbarste Lösung für das Problem sein würde.

Dass die Stadtverwaltung sich darauf aber noch nicht vollends eingeschossen hatte, zeigt die schnelle Prüfung der Räumlichkeiten in der Mittelstraße durch den zuständigen Fachbereich. Man habe sich die heutige Fabrik einschließlich Werk zwei genau angesehen, berichtete am Montag Fachbereichsleiterin Mandy Große den Hauptausschussmitgliedern und konnte das mit ziemlich aussagekräftigen Zahlen belegen. Gerade einmal 42 Kinder könnten im Werk zwei untergebracht werden, 98 Kinder in allen betrachteten heutigen Fabrik-Räumen. Zum Vergleich: Im infrage kommenden Gebäude in der Schulstraße würden 96 Kinder Platz finden.

Darüber hinaus gäbe es für die Erweiterung des Hortes in der Schulstraße wohl Fördermittel, bei einer Neunutzung der heutigen Fabrik hingegen müssten bereits ausgezahlte Fördermittel für die Jugend- und Kulturarbeit in Guben zurückgezahlt werden - Höhe ungewiss. Außerdem, das machte Mandy Große ebenfalls deutlich, würde die räumliche Trennung zwischen Schule und Hort zu einem größeren Personalaufwand führen, ebenso müsste die Neu-Einrichtung in der und um die Mittelstraße 18 aus Haushaltsmitteln finanziert werden. Und die sind in Guben knapp bemessen. "Außerdem hätten wird dann keine Kultur mehr in der Innenstadt", fügte Mandy Große hinzu. Das Werk eins könnte schließlich kein Ort für Musik, Kabarett oder Tanzabende mehr sein, würde es künftig als Hort genutzt. Das geplante Interessenbekundungsverfahren, bei dem ein neuer Betreiber für die Fabrik gefunden werden soll, sieht vor, dass die Mittelstraße 18 weiterhin als Kultur-, Jugendarbeits- und Gastronomiestätte betrieben wird (die RUNDSCHAU berichtete).

Der Ausbau der jetzigen Fabrik zum Hort scheint demnach vom Tisch, der Ausbau in der Schulstraße direkt neben der Schule hingegen immer wahrscheinlicher. Zunächst aber werden die Stadtverordneten am 21. Juni aller Voraussicht nach die Stadtverwaltung mit der Prüfung vieler möglicher Varianten zur Unterbringung der rund 70 Kinder beauftragen. Ein Ausbau in der Schulstraße ist nur eine davon, die erneut einen Stadtratsbeschluss nötig machen wird, mit dem die Hortbetreuung in Guben auch künftig gesichert werden soll.