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| 02:38 Uhr

" ... wo noch erbittert gekämpft wird"

Blick zur katholischen Kirche vor 1945.
Blick zur katholischen Kirche vor 1945. FOTO: Sammlung Gunia/ggg1
Guben. Erinnerungen an die Kämpfe in Guben von Februar bis April 1945, die aus nicht militärischer Sicht verfasst wurden, sind wenige überkommen. Daher muss eine Entdeckung gewürdigt werden, die kürzlich in Buchform erschienen ist. ggg1

Unter dem Titel "Unsere Herzen bluten. Tagebücher und Aufzeichnungen aus der katholischen Gemeinde in Guben 1945/46" hat der im Bistum Görlitz wirkende Archivar Dr. Winfried Töpler seine Sammlung redigiert, in deren Mittelpunkt die Tagebücher der Pfarrsekretärin Hildegard Becker (1917-2008) stehen.

Sie war von Ende 1944 bis Februar 1946 als Mitarbeiterin in Kirche und Gemeindehaus in der damaligen Haagstraße bei Pfarrvikar Reinbold Stoll (1914-1965) tätig. Als dieser zum Militärpfarrer berufen wurde, brauchten sie die Stadt Guben nicht verlassen, auch nicht nach dem 20. Juni 1945, als der östliche Teil geräumt werden musste. Die polnischen Behörden, darunter der Stadtkommandant Jan Bomba, gewährten beiden das vorläufige Bleiberecht mit den anstehenden Pflichten in der schwer zerstörten Stadt.

Dass ein Mensch überhaupt in der Lage war, während der wochenlangen Kämpfe akribisch täglich Aufzeichnungen zu machen, ist äußerst ungewöhnlich und bewundernswert. So heißt es am 17. März 1945: "Wir gehen zunächst in das Viertel Triftstraße in Richtung Wolfshöhe, wo noch immer erbittert gekämpft wird. Dieses ist wohl das aller mitgenommenste Viertel, unzählige Male hat es den Besitzer gewechselt…" Diese Stelle wird heute in Gubin als "Todesberg" bezeichnet.

Hildegard Becker wird Augenzeugin der in den Straßen liegenden toten deutschen und russischen Soldaten. Bemerkenswert ist, dass die beiden kirchlichen Vertreter auch Zugang zur Kommandozentrale der Wehrmacht haben, so in den Räumen der Oberschule 6.

Die Publikation gibt zugleich einen Überblick zur Geschichte der katholischen Gemeinde in Guben insgesamt. Wenn am kommenden Dienstag, dem 25. März, 19 Uhr, der Autor Dr. Töpler das zweibändige Werk in der Stadtbibliothek vorstellt, dürfte das eine besondere Stunde für die Heimatgeschichte sein.