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| 19:00 Uhr

Bürgermeisterwahl Guben
Potenzial noch für beide Bewerber

FOTO: Katrin Janetzko / LR
Guben. Wird Fred Mahro (CDU) Bürgermeister oder Daniel Münschke (AfD)? Alles ist offen.

Mahro hätte die Sache schon in trockenen Tüchern haben können – wenn er über die 50-Prozent-Hürde gekommen wäre. Fürs Quorum hätte es gereicht, also die Minimalzustimmung der Wählerschaft, die an 15 Prozent der Wahlberechtigten festgemacht wird. Erst dann hat es ein Direktkandidat wirklich geschafft

Das Hindernis wurde gerissen, in zwei Wochen sind die Karten wieder vollkommen offen, wenn 15 036 Gubener zum zweiten Mal an die Wahlurne gerufen sind.

Wie ein Sieger darf sich Mahro auf keinen Fall fühlen. Auch wenn er in der Mehrzahl der Gubener Wahlbezirke die meisten Stimmen hatte – es sind manchmal nur einige Dutzend Stimmen Vorsprung, abgesehen von der Briefwahl nie dreistellige  Unterschiede, die den langjährigen amtierenden Bürgermeister und Vizechef in der Stadtverwaltung vom Politik­neuling Daniel Münschke trennen. Wenn sie die Wahlbeteiligung nur geringfügig im einen oder anderen Lager ändert, wenn sich die Wähler von Harald Knoll und Peter Stephan neu orientieren, dann können schon wenige hundert Stimmen den Ausschlag geben.

Ein großes Potenzial an Protestwählern hat Harald Knoll ausgemacht. Wenn es Münschke gelingt, dieses zu aktivieren, könnte das den Ausschlag geben. Allerdings hat Münschke, anders als der AfD-Landratskandidat Steffen Kubitzki, es in einer ersten Stellungnahme vermieden, mit Reizthemen wie der Asylpolitik zu wedeln, auch wenn er auf das Thema Sicherheit an der Grenze setzt. Das bundespolitische Asyl-Thema würde wahrscheinlich nur zu schnell als Ablenkungsmanöver für fehlende kommunalpolitische Kompetenz gewertet. Verkaufsprofi Münschke scheint clever genug auf der kommunalen Ebene zu bleiben und dort zu punkten – und wenn es mithilfe von Beratern im Hintergrund ist.  Münschke muss beides verbinden: Glaubwürdigkeit und das Signal, dass er es anders machen will. Doch wie?

Mahro sieht flächenmäßig wie der Gewinner aus, ist im wahrsten Sinne der Konservative in diesem Wahlkampf. Schließlich führt er die Stadtverwaltung schon mehr als sechs Jahre, ohne mit seinem CDU-Parteibuch herumzuwedeln. Im Gegenteil: Mahro legte bis zur Wahl Wert darauf, als Beigeordneter zu agieren, bei dem es nicht auf die Parteiangehörigkeit ankomme. Er kann nur einen Wahlkampf machen, der auf Kontinuität angelegt ist, wirbt mit „Erfahrung statt Experiment“.

Die Wahl-Karte macht klar, wo es Münschke gelungen ist, an Mahro vorbeizuziehen: Dabei lagen im Wahllokal „Fabrik“ nur acht Stimmen zwischen Münschke und Mahro, in der Europaschule nur elf, in Schlagsdorf sogar nur drei Stimmen.

In Summe hatte Mahro am Sonntag einen Vorsprung von 1099 Stimmen gegenüber Münschke. Bei knapp 1300 Wählern, die sich am vergangenen Sonntag noch  für Peter Stephan oder für Harald Knoll entschieden haben, ist nun ein Potenzial frei, das für sich genommen schon das Zünglein an der Waage sein könnte – aber werden Wähler der Linken wirklich einem CDU-Kandidaten ihre Stimme geben? Ganz zu schweigen von den 7155 Wahlberechtigten, die am Sonntag überhaupt nicht zur Wahl gegangen sind. Wenn die Wahlbeteiligung in zwei Wochen nur annähernd so hoch bleibt, dann ist zumindest eines klar: Guben hat einen Bürgermeister. An der „Mindestbeteiligung“ eines Quorums wird es wohl kaum scheitern.

Die Mitglieder des Gubener Wahlausschusses werden am Dienstag um 16 Uhr in den Räumen der Stadtverwaltung zusammenkommen, um die Ordnungsmäßigkeit der Wahl und  damit das Endergebnis zu bestätigen. Eine reine Formsache, falls es keine Überraschungen geben sollte.