ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 08:31 Uhr

Wissenschaftler untersuchen die Gefühlswelt von Hunden

Auch Hunde haben Gefühle. Auf diese Erkenntnis stützt sich eine Verhaltensstudie, die zurzeit Tierärztinnen der Freien Universität Berlin auf dem Gelände der Hundeschule von Klaus-Dieter Bigalke im Norden von Cottbus vornehmen. Ziel ihrer Untersuchung: Sie wollen erkennen, welchen Belastungen der Mensch einen Schäferhund aussetzen kann, ohne ihm unnötigen Stress zuzufügen. René Wappler

Eignet sich die quirlige Schäferhündin Jana als Begleiter für Blinde? Eine Frage, die der Mensch vielleicht schon in naher Zukunft mit einem einfachen Messgerät beantworten könnte, das Auskunft über das seelische Befinden des Tieres gibt. Deshalb untersuchen zwei Doktorantinnen der Freien Universität Berlin mehr als 50 Schäferhunde aus Cottbus und Umgebung: Sie zeichnen über mehrere Stunden typische Verhaltensweisen der Tiere mit der Videokamera auf, untersuchen die Herzfrequenz, die Muskelaktivität, die Hauttemperatur und die Bewegung. Anschließend führen die Tiere mit ihren Besitzern Kommandos wie "Platz!" oder "Sitz!" aus.

Klaus-Dieter Bigalke von der Hundeschule erläutert: "Wir wollen erfahren, wie es unseren Hunden geht. So bedeutet das Kommando ,Platz!’ eigentlich negativen Stress für das Tier. Unsere Messungen haben jedoch ergeben, dass es sich in vielen Fällen um positiven Stress handeln kann. Mögliche Erklärung: Der Hund merkt, dass sich sein Herrchen freut, wenn er den Befehl richtig ausführt – und das führt beim Tier zu wünschenswerten Emotionen."

Dr. Andreas Pietzko, Arzt für Neurologie und Psychiatrie in Cottbus, gehört zu den Begründern des Projekts. "Im Normalfall erkennt man nur schwer, wann ein Hund überfordert ist. Dieses Problem tritt bei vielen Diensthunden auf, die extrem lange unter negativem Stress leiden, weil sie sich einfach nicht für diese Aufgabe eignen. Selbst wir Menschen sind ja oft nicht in der Lage einzuschätzen, wie viel Stress wir vertragen." Die Verhaltensstudie soll an diesem Punkt ansetzen. Nach den Worten von Klaus-Dieter Bigalke geht es um die Frage: "Welche Hunde kann ich kontinuierlich für besondere Aufgaben einsetzen, ohne sie zu überlasten? Anhand der Messungen erkennen wir bestimmte Charakterzüge der Tiere, die uns eine zuverlässige Einschätzung erleichtern."

Setzt ein Besitzer seinen Hund über längere Zeit Stress-Situationen aus, denen das Tier nicht gewachsen ist, dann reagiert es nach Auskunft von Dr. Pietzko in vielen Fällen ähnlich wie ein Mensch: Es entwickelt Neurosen und Angststörungen. "Manche Hunde werden regelrecht stresskrank, so entwickeln sie sich zu den gefürchteten Beißern."

Bigalke besucht mit dreien seiner Hunde regelmäßig ein Cottbuser Pflegeheim – und dort konnte er oft genug beobachten, wie sensibel die Tiere reagieren. "Sie sind zwei Stunden im Einsatz, danach fallen sie um und schlafen. Das sind zwei Stunden völliger Reizüberflutung, jeder kommt und streichelt sie, Stress ohne Ende. Dem kann ich nur emotional stabile Hunde aussetzen."