| 17:51 Uhr

Industrie
Logistikzentrum liegt im Plan

6000 Quadratmeter groß ist die Halle des neuen Logistikzentrums. Mit der Fertigstellung wird Mitte 2018 gerechnet.
6000 Quadratmeter groß ist die Halle des neuen Logistikzentrums. Mit der Fertigstellung wird Mitte 2018 gerechnet. FOTO: Silke Halpick / LR
Guben. Polens größter Chemiekonzern investiert 7,5 Millionen Euro in seine Gubener Tochter. Von Silke Halpick

Die grau-blaue Außenhülle für das neue Logistikzentrum der Gubener ATT Polymers GmbH steht. Nun soll der Innenausbau beginnen. „Zeitlich und finanziell liegen wir voll im Plan“, sagt Betriebsleiter Robert Bednarek. Einen zweiten BER werde es hier nicht geben, fügt er schmunzelnd hinzu. 7,5 Millionen Euro investiert Polens größter Chemiekonzern Grupa Azoty in seine deutsche Tochter und stärkt damit auch den Wirtschaftsstandort an der Neiße.

6000 Quadratmeter groß ist die Flachdachhalle, in der künftig das in Guben produzierte Kunststoffgranulat Polyamid 6 verpackt, gelagert und versandt werden soll. Noch ist das Logistikzentrum, das seit Frühjahr 2017 auf der Wiese direkt neben dem Produktionsgebäude gebaut wird, leer. Heizung, Licht und Abfüllanlage fehlen noch. „Aber der Fußboden ist gegossen, die Wände sind verputzt“, sagt Bednarek. Mit der Fertigstellung wird Mitte 2018 gerechnet. Die geschaffene Logistik will das Unternehmen auch externen Dritten anbieten und sich damit ein weiteres Standbein schaffen.

An die großen Halle schließt sich ein Bürokomplex an. Hier werden künftig die Mitarbeiter der Verwaltung sowie die Betriebsleitung arbeiten. Hier sollen auch die Gespräche mit den Kunden geführt werden. Die Produktion selbst wird wie bisher in dem noch aus DDR-Zeiten stammenden Industriebau erfolgen. Über ein spezielles Röhrensystem soll das Granulat nach der Fertigstellung direkt in die vier Silos auf dem Dach des Logistikzentrums geleitet werden.

Rund 42 000 Tonnen Polyamid 6 werden in Guben jährlich produziert. Verwendet wird das Material vorwiegend von Automobil-Zulieferern als Konstruktionskunststoff. Aber auch Folien für Lebensmittelverpackungen, Kunstrasen oder Teppiche werden aus Polyamid 6 hergestellt. „Das Granulat wird dafür versponnen, eingefärbt und zu Teppichen verwebt“, erklärt der Betriebsleiter.

Noch bis zum Jahr 2009 lieferte  ATT sein Polyamid 6 auch an den ebenfalls im Gubener Industriegebiet ansässigen Teppichgarnhersteller Laufaron. Doch dann folgte dessen Insolvenz. ATT Polymers gehört seit 2010 zur Grupa Azoty, dem größten Chemiekonzern Polens  mit Hauptsitz in Tarnow und insgesamt rund 14 000 Beschäftigten.

Die Grupa Azoty stellt hauptsächlich Düngemittel her. Als Nebenprodukt entsteht Caprolactam, das wiederum der Ausgangsstoff für die Polyamid-Produktion in Guben ist. „Wir bekommen den Rohstoff ausschließlich von unserem Mutterkonzern“, sagt der Betriebsleiter. Das wirke sich vor allem positiv auf die Liefersicherheit aus. Als eigenständiges Unternehmen musste ATT Polymers das Ausgangsmaterial noch von ganz unterschiedlichen Produzenten aufkaufen.

60 Menschen arbeiten am Gubener Standort. „Wir bilden auch Chemikanten und Chemielaboranten aus“, sagt Bednarek. Das Unternehmen setzt auf Fachkräfte aus der Region und versucht auch im Rahmen des Praxislern-Projektes der Gubener Europaschule, Nachwuchs vor Ort zu akquirieren. „Die Schüler, die zu uns kommen, fangen meist auch eine Ausbildung an“, betont der Betriebsleiter. Er selbst ist ebenfalls gebürtiger Gubener, hat an der BTU Cottbus Verfahrenstechnik studiert und arbeitet seit 2011 für das Unternehmen.

Die Kunden der ATT Polymers GmbH kommen aus aller Welt. Ein Drittel und damit der Großteil der Produktion wird in Deutschland weiterverarbeitet, wie Bednarek erklärt. Hinzu kommen aber auch Abnehmer in Europa, Amerika und Asien. Nur China sei nach wie vor kein Markt für die Gubener, wie Bednarek betont. Das liege zum Teil auch an der starken Konkurrenz.