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| 18:30 Uhr

Caravan- und Wohnmobil-Markt boomt
Ausstatter Cowan will Lagerkapazitäten erweitern

In der ehemaligen Gubener Baywa-Halle werden die Bezüge genäht. Vor allem in der Produktion arbeiten viele Mitarbeiter aus Polen, im Verkaufs- und Verwaltungsbereich  eher Mitarbeiter aus Deutschland. Näherinnen zu bekommen, sei inzwischen sehr schwierig geworden, so Geschäftsführerin Cornelia Hoppe. Das Unternehmen sucht auch Polsterer, Technologen, aber auch Sachbearbeiter, die die Kunden beraten.
In der ehemaligen Gubener Baywa-Halle werden die Bezüge genäht. Vor allem in der Produktion arbeiten viele Mitarbeiter aus Polen, im Verkaufs- und Verwaltungsbereich eher Mitarbeiter aus Deutschland. Näherinnen zu bekommen, sei inzwischen sehr schwierig geworden, so Geschäftsführerin Cornelia Hoppe. Das Unternehmen sucht auch Polsterer, Technologen, aber auch Sachbearbeiter, die die Kunden beraten. FOTO: LR / Jürgen Scholz
Guben. Fast unbemerkt ist in Guben mit Cowan ein Zulieferbetrieb für Wohnmobil- und Caravanhersteller gewachsen, der im Firmenverbund dieses Jahr einen Umsatz von 13 Millionen Euro anpeilt und rund 270 Mitarbeiter in Polen und Deutschland beschäftigt. Von Jürgen Scholz

Der Wohnmobil- und Caravanmarkt boomt. Davon profitiert ein Zulieferer wie Cowan. Das Unternehmen stellt im polnischen Nowogrod für die Serienfertigung alles her, was einen Caravan wohnlich macht: Polster, Bezüge und Stoffe. Speziellere Anfertigungen für Händler und Einzelkunden werden in Guben produziert. Das geht bis hin zu einer eigens entwickelten Matratze mit Lattenrost, die mehr als vier Kilogramm leichter ist als vergleichbare Produkte. „Gutzeit“ nennt sich die Reihe, deren Konstruktion auch mit einem Patent geschützt ist.

Wenn jedes Kilo beim Gesamtgewicht zählt, ist das ein Vorteil, so Cornelia Hoppe. Vor allem, wenn nach und nach die jüngeren Generationen Wohnmobile für sich entdecken, die mit ihrem Autoführerschein aber nur noch Fahrzeuge bis maximal 3,5 Tonnen Gesamtgewicht steuern dürfen. „Das fällt uns noch auf die Füße“, ist sich die Geschäftsführerin der Cowan Textiles GmbH sicher.

Darauf will die Unternehmerin aus Guben vorbereitet sein, die schon verschiedene Richtungswechsel in den vergangenen zwei Jahrzehnten vollzogen hat. Denn ursprünglich wurden Möbel produziert. Die Erfahrungen, die Cornelia Hoppe bei der Just-in-Time-Belieferung von Polen nach Deutschland noch vor dem EU-Beitritt Polens gemacht hat, kamen ihr 2009 zugute. Damals stellten Wohnmobil- und Caravan-Hersteller im Zuge der Wirtschaftskrise ihre Produktion um von einer kostenintensiven Lagerhaltung auf die bedarfsgenaue Lieferung von Produktionsteilen. Zu den Cowan-Kunden gehören Unternehmen wie Westfalia oder die Erik Hymer Gruppe, zu der unter anderem die Marken Hymer, Bürstner und Dethleffs gehören, aber auch Capron, das im sächsischen Neustadt mittlerweile 11 500 Fahrzeuge jährlich herstellt.

Die Branche profitiert von der politischen Lage, räumt Cornelia Hoppe ein. Viele entscheiden sich für einen Urlaub in heimischen Gefilden, die Hersteller vermelden Zuwachsraten bei Neufahrzeugen von jährlich fast 15 Prozent. Für Cowan hat sich der Umsatz seit 2009 verdreifacht, 2018 wird die 13-Millionen-Euro-Marke angepeilt.

Mittlerweile gibt es Überlegungen, die Lagerkapazitäten zu erweitern. Am Gubener Standort wird dies voraussichtlich erst mit einem Zelt geschehen. Denn die Unternehmenschefin hat drei Grundsätze: Mitarbeiter sind das wichtigste Gut; „habe klare Ziele und den brennenden Wunsch, sie zu verfolgen“ und: Das Geld für Investitionen muss erst erwirtschaftet werden.

Das Unternehmen Cowan FOTO:

Mehr als 300 000 Euro wurden allein in den vergangenen zwei Jahren investiert – um die Produktionssoftware beispielsweise kompatibel mit denen der großen Kunden zu machen; für ein Qualitätsmanagementsystem, das die Voraussetzung dafür ist, das Cowan-Teile überhaupt bei den Autoherstellern verbaut werden können; in eine neue Nähstrecke. Fördermittel hat man in Anspruch genommen, die umständliche Fördermittelpraxis sieht Cornelia Hoppe aber eher kritisch.

Der Weg sei lang und umständlich, „manche sterben schon am Papier“. Deshalb habe Cowan nur Projekte angeschoben, die man sich leisten konnte, ohne auf Fördermittel angewiesen zu sein. Ansonsten sei die umständliche und lange Fördermittelbearbeitung in Brandenburg aus ihrer Sicht keine Hilfe.

Dabei hätte Cornelia Hoppe schon noch Ideen. Beispielsweise für einen größeren Caravan- und Wohnmobil-Platz in Guben. Aber die Investition – schätzungsweise 50 000 bis 80 000 Euro – wäre für das Unternehmen allein kaum rentabel. Zudem bräuchte man einen Betreiber. Dabei hat Cowan mit Texpro in Guben den Endkundenmarkt im Visier, macht bereits jetzt mit dem Spreewald und der Neißeregion Werbung nach dem Motto: Mit der mobilen Ferienwohnung herkommen, einige schöne Urlaubstage verbringen und dann mit dem innen erneuerten Wohnwagen oder -mobil wieder nach Hause fahren. „Guben ist eine tolle Stadt“, sagt die geborene Gubenerin, und die Umgebung habe schon viele begeistert.

Da aber nicht jeder potenzielle Kunde quer durch Deutschland nach Guben kommt, wird mit einem Dresdener Partner derzeit ein Pilotprojekt gestartet. Einmal wöchentlich wird das Gubener Unternehmen mit einem Fachberater vor Ort sein – auch für die Endkunden. Denn für Cornelia Hoppe ist klar, dass der Verkaufsboom für neue Wohnmobile irgendwann abebben wird. Dann komme den Händlern oder Endkunden, die gebrauchte Gefährte durch neue Möbel, Polster oder Teppiche wieder aufhübschen lassen, eine größere Bedeutung zu. In diesem Bereich, der bislang etwa 1,5 Millionen Euro Umsatz im Jahr bringt, will das Unternehmen in den nächsten fünf bis sechs Jahren aufs Dreifache wachsen. Eigentlich könnte Cowan noch schneller wachsen. Aber dem setzt das Fachkräfteangebot Grenzen.

Das Potenzial an Näherinnen, das es nach der Wende in den traditionellen Textilstädten wie Guben, Forst und Cottbus gab, existiere nicht mehr, so Cornelia Hoppe, einen entsprechenden Ausbildungsberuf zur Industrienäherin gebe es in Deutschland nicht mehr, und so kommen viele Mitarbeiter auch in der Gubener Produktion aus Polen.

Aber auch Fachkräfte in der Beratung und mit technischem Hintergrund seien schwer zu finden, ergänzt Steffen Gleiche, der den Internetshop des Unternehmens betreut. Mittlerweile werden 10 000 Euro monatlich über diese Plattform umgesetzt – netto. Und es könnten mehr sein. Aber Lieferzeiten von teilweise drei bis vier Wochen schrecken manche Kunden ab, teilweise könnten nicht einmal alle Anfragen beantwortet werden, räumt Gleiche ein.

Es fehle eben an Mitarbeitern, die entsprechendes technisches Hintergrundwissen haben oder es sich aneignen könnten. Dafür macht Cornelia Hoppe auch das Schulsystem verantwortlich, das aus ihrer Sicht nicht mehr dasselbe leistet wie früher. „Der Weitwinkelblick fehlt mir manchmal.“ Und den Willen etwas zu erreichen, vermisst die ehemalige Leistungssportlerin, die bereits daran arbeitet, langsam eine Nachfolge innerhalb des Unternehmens aufzubauen.