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Tekra
Grenzenloser denken

Brücken zwischen Deutschland und Polen gibt es viele – in der Wirtschaft aber sind die noch schwer begehbar, sagt der UVBB.
Brücken zwischen Deutschland und Polen gibt es viele – in der Wirtschaft aber sind die noch schwer begehbar, sagt der UVBB. FOTO: Frank Hilbert
Guben/Gubin. Harald Wiedei geht es gut. Zumindest dann, wenn er über die Erfolge seines Unternehmens "Tekra" sprechen kann. Daniel Schauff

Der Kranbauer ist 2008 nach Gubin gekommen, als Tochter der Leverkusener Firma "Depa". Und mittlerweile, sagt Wiedei, könne die Mutter ohne die Tochter nicht mehr leben. 204 Angestellte zählt die Gubiner "Tekra" mittlerweile, der Umsatz steigt. Wenn alles gut geht, sagt der Geschäftsführer, wird die Firma in Kürze zehn Prozent aller Kräne auf der Welt bauen. Wenig überraschend also sein Fazit zum Schritt ins Nachbarland: Für das Unternehmen hat sich der gelohnt - zumal es sich in einer Sonderwirtschaftszone angesiedelt hat. Heißt im Groben: Keine Steuern für zehn Jahre, vorausgesetzt, ein bestimmter Umsatz wird erreicht und Arbeitsplätze werden geschaffen. Die Sonderwirtschaftszone in Grenznähe, sagt Reinhard Schulze, Vizepräsident des Unternehmerverbandes Brandenburg-Berlin (UVBB), sei ein Wettbewerbsvorteil für Polen.

Der UVBB hatte mit dem Arbeitnehmerverband Lubuskie (OPZL) am Donnerstag Protagonisten aus der Wirtschaft beiderseits der Neiße nach Guben eingeladen. Dabei ging es um die Beantwortung der Frage, was nötig ist, um deutsche und polnische Unternehmen im grenznahen Raum enger zusammenzubringen. Im Strukturwandel, so Schulze, sei das wichtiger denn je. Geht die Kohle, müssen neue Wege gefunden werden, sagt er, etwa der Blick über die Grenze.

Der gestaltet sich allerdings mitunter schwierig, denn die Voraussetzungen für Unternehmen sind unterschiedlich. "Das ist schon ein anderes Land", sagt Wiedei, nennt Arbeitszeitmodelle und Urlaubsansprüche als Beispiele. In Guben gibt es bereits Anstrengungen, einige Unterschiede abzubauen und aus einer Konkurrenzsituation eine Kooperationssituation zu machen. Krzysztof Zdobylak, in der Gubener Stadtverwaltung zuständig für internationale Kontakte und Stadtrat in Gubin, erklärte, wie das EU-geförderte Projekt "Zwei Rathäuser - eine Eurostadt" unter anderem zu einer gemeinsamen Wirtschaftsförderung der beiden Städte führen soll. Mit der deutsch-polnischen Buslinie gingen beide Städte einen ersten Schritt in Richtung gemeinsame Infrastruktur. In Gubin soll ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept erstellt werden nach deutschem Vorbild, das die Entwicklung beider Städte skizziert.

Dabei könnte auch der Breitbandausbau eine Rolle spielen. Das langsame Internet sei in Gubin ein Problem sagte Wiedei. In Guben ist gerade erst eine Untersuchung zu unterversorgten Punkten abgeschlossen worden. Probleme beiderseits der Neiße verursacht hingegen der Fachkräftemangel - das bestätigt Wiedei ebenso wie Robert Bednarek, Betriebsleiter der Gubener ATT Polymers, die als einzige Tochter der polnischen Grupa Azoty diesseits der polnischen Grenze ihren Betrieb aufgenommen hat. Kontakt zu Hochschulen und Schulen sei ein wünschenswertes Mittel dagegen, sagten beide Chefs. Estera Linder-Kuhlmann, Leiterin des deutsch-polnischen Austauschs beim Centrum für Innovation und Technologie (CIT) des Landkreises Spree-Neiße, berichtete von einem Projekt, bei dem Unternehmen mit Unis, Schulen und Berufsschulen zusammengebracht werden sollen. Beantragt sei es bereits.

Zum Thema:
Ziel des EU-geförderten UVBB-Projekts ist es, klare Forderungen aus der Unternehmerschaft in der Grenzregion in Richtung Politik zu formulieren. Aus dem vierten Treffen, erstmals in Guben, konnten Kernthemen wie bessere Infrastruktur, schnelles Internet und Konkurrenzfähigkeit der Bildungssysteme herausgefiltert werden, sagt Reinhard Schulze. Die Städte Guben-Gubin könnten dabei eine Vorreiterrolle in der Grenzregion übernehmen, wegen ihrer Nähe, aber auch wegen der bereits laufenden Kooperationen.