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"Wir wussten, dass was passiert”

Schenkendöbern. So richtig weg aus Schenkendöbern wollen die wenigsten. 152, um genau zu sein. Zumindest gab es so viele Wegzüge aus der Gemeinde im vergangenen Jahr. Daniel Schauff

Dafür aber auch Zuzüge - immerhin 133. An der Attraktivität der Großgemeinde kann es also nicht liegen, dass sie mit ihren 16 Ortsteilen von Jahr zu Jahr kleiner wird. Allein 2016 ist die Großgemeinde im Hinblick auf die Einwohnerzahl um rund 15 Prozent kleiner geworden.

Die Statistik aus der Gemeindeverwaltung zeigt, dass es tatsächlich nicht nur die Stadtflucht ist, die Schenkendöbern langsam an die 3500-Einwohner-Marke stoßen lässt. Im Jahr 2016, das geht aus der Bewegungstabelle der Gemeinde hervor, gab es gerade einmal 19 Geburten - dagegen allerdings 48 Sterbefälle.

Vor zehn Jahren sah das noch ganz anders aus. 25 Geburten standen 29 Sterbefällen gegenüber - fast ausgeglichen also. Allerdings zogen weit weniger Menschen ins Gemeindegebiet - gerade einmal 101, während die Verwaltung mit 155 Wegzügen fast ebenso viel Wanderungsverlust registrierte wie im vergangenen Jahr.

Die Gründe für Schenkendöberns Kleinerwerden sind keine Geheimnisse. Arbeitsplätze sind keine Massenware, ebenso wenig wie beim großen Nachbarn Guben. Wer bleibt, hat oftmals die Berufsjahre bereits hinter sich.

Die nächste deutsche Universität ist in Cottbus, das Studentenleben findet dort statt oder in Berlin und Dresden. Schenkendöbern leidet - wie viele Kommunen in der Region - unter dem demografischen Wandel. Und der schlägt am Ostrand der Republik besonders heftig zu. Der Anteil der Jugendlichen, die nach ihrer Schulzeit an der Lausitzer Neiße bleiben, ist klein. Die meisten zieht es hinaus aus der Region.

Ähnliches verraten auch die Prognosen für Guben. Über 24 Prozent seiner Einwohner soll die Neißestadt ab jetzt bis 2030 verlieren. Das zumindest sagen die Schätzungen der brandenburgischen Landesregierung. Da kommt Schenkendöbern noch einigermaßen glimpflich davon. Für die Großgemeinde schätzt das Land mit einem Verlust von 18 Prozent der Bürger. 2030 sollen noch rund 3100 Menschen in den 16 Dörfern leben. Heute sind es gut 500 mehr.

Beim Nachbarn Guben geht das Land von einer Einwohnerzahl von etwa 13 300 in 13 Jahren aus. Heute sind es knapp 18 000 Menschen, die in Guben leben. Die Stadt will in Kürze das Stadtentwicklungskonzept öffentlich vorstellen und diskutieren. Ja, Guben wird sich weiter entwickeln, am Abriss der überflüssigen Wohnungen aber wird das nichts ändern.

Da kommt es für Schenkendöberns Bürgermeister Peter Jeschke (CDU) nicht überraschend, dass die Gemeindeverwaltung seiner Großgemeinde ein Auslaufmodell ist. Als "dramatisch" hatte er die Entwicklungen in Schenkendöbern bezüglich der Einwohnerzahl bei "LR vor Ort" in der Gemeinde bezeichnet. "Wir wussten, dass was passiert", sagt Jeschke. Das Land will zu kleine Verwaltungseinheiten auflösen. Schenkendöbern soll künftig von Guben aus verwaltet werden. Eine eigene Verwaltung lohnt sich dem Land zufolge erst bei Gemeinden mit mehr als 8000 Einwohnern.

Das Mitverwaltungmodell birgt Vorteile für die Gemeinde. Politisch bliebe sie unabhängig, würde von einem ehrenamtlichen Bürgermeister und Gemeindevertretern repräsentiert. Das allerdings sorgt zumindest bei einigen Schenkendöbernern für Bauchschmerzen. Einen ehrenamtlichen Bürgermeister zu finden, dürfte schwierig werden, argumentiert eine Besucherin der LR-vor-Ort-Veranstaltung. Außerdem, das moniert Gemeindevertreter Jürgen Bursch, sei noch nicht klar, wie viel die Mitverwaltung die Gemeinde schlussendlich kosten würde. Eine gesetzliche Grundlage fehlt nach wie vor.

Zum Thema:
Im Jahr 2000 hatte Guben noch rund 25000 Einwohner. Das geht aus dem Mittelbereichsprofil des Landesbauamts hervor. Bis 2030 wird die Stadt demnach die Hälfte ihrer Einwohner verloren haben. Den Prognosen des Landes zufolge leben in der Neißstadt dann nur noch gut 13300 Menschen. Besonders auffallend ist die prognostizierte Alterstruktur: In 13 Jahren werden demzufolge nur noch rund 500 Gubener unter 15 Jahre in der Neißestadt leben. Zum Vergleich: Vor gerade einmal zweieinhalb Jahren lebten noch dreimal so viele Jugendliche in der Neißestadt.