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Wilkepreis geht an Kerkwitzer Kleintierzüchter

Wolfgang Straße, Stefan Süß und Gottfried Hain (v.l.).
Wolfgang Straße, Stefan Süß und Gottfried Hain (v.l.). FOTO: dsf
Guben/Kerkwitz. Der Friedrich-Wilke-Preis des Gubener Naemi-Wilke-Stift ehrt soziale Projekte in ganz Deutschland und in Osteuropa. Bisherige Preisträger sitzen in Cottbus ebenso wie in Tschechien und in Polen. Daniel Schauff

Seit Sonntag gibt es auch einen Preisträger in der nahen Gubener Region - den Kleintierzuchtverein Kerkwitz.

Ein wenig ungewöhnlich erscheine das schon, musste Rektor Stefan Süß zugeben - ein Kleintierzuchtverein, der für sein soziales Werk ausgezeichnet wird. Die Erklärung dafür überließ er Steffen Krautz. Der Kerkwitzer Kreistagsabgeordnete ist selbst eng verbunden mit dem Verein. Der Klub, so Krautz, beschäftige sich zwar auch, aber bei Weitem nicht nur mit der Kleintierzucht. Ziel des Vereins sei es gewesen, in Kerkwitz einen Mittelpunkt für Versorgung, Kultur, Sport und Kleintierzucht zu schaffen. Das gibt es mittlerweile - der Dorfladen versorgt die Dorfbewohner mit frischen Lebensmitteln, in der Vereinsscheune waren schon musikalische Größen wie "Bell, Book and Candle" zu Gast und der nahe Sportplatz war über Jahre hinweg Schauplatz der Kerkwitzer Reitturniere.

Krautz' Vortrag bleibt nicht sachlich - immerhin, das betont der Kerkwitzer, habe man im Dorf rund zehn Jahre lang gebangt, weil lange nicht klar war, ob der Tagebau Jänsch walde-Nord komme und die Dorfgemeinschaft per Abbaggerung auseinanderreißen würde. Nicht nur einmal sei das auch Thema im Verein gewesen - was nützt ein Dorfzentrum, wenn es das Dorf in absehbarer Zeit nicht mehr geben werde, so Krautz.

Die Kohlepläne sind mittlerweile vom Tisch. Das Reitturnier hat in diesem Jahr das letzte Mal stattgefunden, man wolle sich jetzt wieder mehr aufs Vereinsleben konzentrieren, erklärt der Vorsitzende Wolfgang Straße. Das nächste Konzert im Dorfladen ist angekündigt.

Stefan Süß ergänzte Krautz' Rede. Es sei schon bemerkenswert, dass im Reformationsjahr der Stationentruck neben zahlreichen Großstädten in ganz Europa in nur einem einzigen Dorf haltgemacht habe - in Kerkwitz. Auch wenn der Verein nur am Ausrichten der Reformationsfeierlichkeiten in Kerkwitz teilhatte, so hat er in den vergangenen Jahren konstant dafür gesorgt, dass der kleine Ortsteil der Gemeinde Schenkendöbern weit über die Grenzen der Region bekannt geworden ist. Allein beim Reitturnier habe es Teilnehmer aus allen Bundesländern und aus dem Ausland gegeben, so Steffen Krautz.

Mit immerhin 2000 Euro ist der Friedrich-Wilke-Preis dotiert und soll vielmehr ein Zubrot sein als eine Finanzierungshilfe, erklärt Stefan Süß. Weder die Existenz der Institution noch die Finanzierung eines bestimmten Projekts dürfte vom Preisgeld abhängen. Das sei eine der wenigen Voraussetzungen, die es zu erfüllen gilt beim Vorschlag für den Wilkepreis.

Steffen Krautz hatte einen Artikel über den Preis in der RUNDSCHAU gelesen und daraufhin den Kerkwitzer Kleintierzuchtverein vorgeschlagen. Mit Erfolg. Auch Süß betonte, dass er sich freue, dass der Preis in der ganz nahen Umgebung Gubens bleibt.

Den symbolischen Scheck gab's am Sonntag noch nicht - der sei noch nicht angekommen, erklärte Stift-Verwaltungsvorstand Gottfried Hain. Aber Religion habe ja auch immer viel mit Glauben zu tun. "Der Glaube ist da", so Vereinschef Wolfgang Straße.